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"Nachhaltigkeit muss in die DNA der Unternehmen"

Auf der VDMA-Konferenz Blue Competence diskutierten gut 80 Teilnehmer über die Nachhaltigkeit als Geschäftsmodell.

Nachhaltigkeit ist nicht nur ein Schlagwort, sondern ein Geschäftsmodell. Allerdings nur, wenn der Gedanke und die Konzepte einer nachhaltigen Produktion auch im Unternehmen gelebt und kommuniziert werden. Darüber diskutierten gut 80 Teilnehmer Anfang Dezember im Auditorium der Alfred Kärcher GmbH & Co. KG in Winnenden auf der VDMA-Konferenz Blue Competence.

Bildquelle: everythingpossible, Fotolia„Nachhaltigkeit muss in die DNA der Unternehmen übergehen", beschrieb Markus Asch die Herausforderung. Der stellvertretende Vorsitzende der Geschäftsleitung des Reinigungsgeräteherstellers Alfred Kärcher GmbH & Co. KG ist sich sicher: „Nachhaltigkeit erfordert eine gute Balance zwischen Ökonomie, Ökologie und sozialer Verantwortung. Pfiffige Lösungen werden auch aus Kundensicht immer wirtschaftlich sein."

Gelebte Praxis
Den Beleg für diese Thesen suchten die Teilnehmer der Blue-Competence-Konferenz des VDMA Anfang Dezember im neu errichteten Auditorium von Kärcher. Wie sieht eine nachhaltige Unternehmensführung aus? Wie eine effiziente Produktion? Und wie werden Mitarbeiter im Sinne der Nachhaltigkeit gefördert? Auf all diese Fragen gab es konkrete Antworten und Praxisbeispiele in verschiedenen Foren. Zum Beispiel, dass den Mitarbeitern der Freiraum gelassen werden soll, eigene Vorstellungen und Ideen zu entwickeln – und sie im Unternehmen umzusetzen. Und dass Nachhaltigkeit wirtschaftlich überprüft werden kann und muss. „Wir haben dazu mehr als 80 Indikatoren für unsere gut 20 Produktions- und Logistikstandorte eingeführt", erläuterte Asch. Andere Teilnehmer berichteten von neuen Foren in ihren Unternehmen, in denen Ideen zur Nachhaltigkeit ausgetauscht werden können, oder von konkreten Projekten insbesondere zur Energieeinsparung.

Indes, es reicht nicht aus, nur Gutes zu tun. „Sie müssen auch darüber reden", mahnte der in St. Gallen und Leipzig lehrende Prof. Dr. Timo Meynhardt. „Die Bevölkerung muss hier mitgenommen werden, Nachhaltigkeit muss auch im Auge des Betrachters bestehen", betonte er. „Da sind wir aber noch lange nicht am Ziel." Denn auch das Wie des Mitteilens sei entscheidend: „Wir müssen raus aus der Management-Sprache und rein in die Sprache der Menschen", forderte er.

Mehr Regulierung keine Lösung
Klartext geredet wurde auf der Paneldiskussion am Nachmittag. Die Debatte entzündete sich insbesondere an der Rolle, welche die Politik in der Durchsetzung von Nachhaltigkeit spielen sollte. Dr. Brigitte Dahlbender, die baden-württembergische Landesvorsitzende des BUND (Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland e. V.), warb für eine deutlich größere Einmischung der Regierung. Selbstverpflichtungen der Industrie reichten insbesondere auf dem Weg zum Klimaziel, die Erderwärmung zu drosseln, nicht aus, beklagte sie. Daher sollte der Gesetzgeber zum Beispiel den Austausch alter Heizpumpen vorschreiben. Dem widersprachen sowohl Meynhardt als auch Naemi Denz, Mitglied der VDMA-Hauptgeschäftsführung. „Wir Maschinenbauer können die Energiewende voranbringen. Aber politisch verordnete Märkte, die versuchen, Details zu regeln, sind langfristig nicht nachhaltig", sagte Denz. Auch Kärcher-Manager Asch sieht die Lösung nicht in mehr Staat, sondern in einer besseren Aufklärung der Kunden. „Nicht der Verkaufspreis einer Maschine sollte im Vordergrund stehen, sondern die Total Cost of Ownership müssen ins Zentrum rücken." Er resümierte: „Die Industrie lässt sich in die Pflicht nehmen, aber den Weg zum Ziel sollte man ihr nicht vorschreiben." Dass die Maschinen- und Anlagenbauer in Deutschland sehr an Nachhaltigkeit interessiert sind, belegt auch die große Teilnahme an der Blue-Competence- Initiative. Rund 400 Unternehmen machen inzwischen mit – damit ist es die erfolgreichste Initiative des Verbands.

Azubis für Nachhaltigkeit
Keine Vorschriften, aber jede Menge guter Ideen zur Nachhaltigkeit im Unternehmen ergab der Azubi-Wettbewerb. Insgesamt zehn Filme waren eingereicht worden. Das Siegertreppchen erklomm schließlich das Nachwuchsteam des bayerischen Baumaschinenherstellers Wacker Neuson SE: Mit einem intelligenten Beleuchtungskonzept hatten sie große Einsparpotenziale gehoben – allein in der Konzernzentrale in München jährlich 3 000 Euro, mit einer Amortisationszeit von weniger als einem Jahr. Auf Rang zwei landeten die Azubis der schwäbischen Friedrich Lütze GmbH: Sie testeten am eigenen Leib aus, wie die Strecke zwischen zwei Werksgeländen besonders nachhaltig und zugleich effizient zurückgelegt werden könnte. Dabei war das Fahrrad dem Auto und auch dem Gang zu Fuß klar überlegen. Der Clou dabei: die filmische Darstellung mit Ganzkörperanzügen brachte ihnen einen Sonderpreis ein. Für den dritten Platz ausgezeichnet wurden die Energiescouts des Ventilatorenherstellers ebm papst Mulfingen GmbH & Co. KG, die in ihrem Unternehmen nach Leckagen suchen, um so den Gesamtenergieverbrauch spürbar zu verringern. „Für uns war wichtig, dass die Azubis nicht nur eine gute Idee haben, sondern auch das Geschäftsmodell dahinter ausarbeiten", lobte Denz. „Der Dreiklang der Nachhaltigkeit beinhaltet eben auch ökonomische Aspekte."


Quelle: VDMA Nachhaltigkeitsinitiative Blue Competence



     
        
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