Eine Welt. Ein Klima. Für globale Entwicklung und Klimaschutz gemeinsam handeln! Engagieren Sie sich jetzt: www.allianz-entwicklung-klima.de

Schafft sich die ISO selbst ab?

Vor- und Nachteile der ISO 9001/14001 Revision

Die Revision der ISO 9001 und 14001 soll die Integration der Normen vorantreiben und erweitert gleichzeitig den Verantwortungsbereich der Unternehmen. Das bringt Vorteile, aber auch neue Herausforderungen mit sich. forum zeigte im letzten Heft die Entstehung der ISO Normen und stellt hier die spannenden Folgen für die Praxis vor.
 
Die International Standard Organization (ISO), die internatio­nale Vereinigung der nationalen Normungsorganisationen, veröffentlicht im Herbst dieses Jahres die Revision der zwei bekanntesten Normen aus ihrer Standardsammlung: die Norm zum Qualitäts- (ISO 9001) und Umweltmanagement (ISO 14001).
 
Ziel der Revisionen ist die bessere Integrationsfähigkeit beider Regelwerke, denn viele Unternehmen befolgen nicht nur eine der Normen und wünschen sich seit Jahren eine bessere Vereinbarkeit. Während die Normen derzeit teilweise unterschiedlich viele Kapitel aufweisen, erhalten sie nun einen einheitlichen Aufbau in zehn Kapiteln. Zukünftige Überarbeitungen, so beispielsweise der ISO 45001 (Gesundheit und Arbeitssicherheit), die für 2016/2017erwartet wird, und der Energiemanagementnorm 50001 werden im gleichen Format erfolgen. Dies ist ein notwendiger und sinnvoller Schritt.

Kontext der Organisation, ISO 14001: 2015 © B.A.U.M. Consult in Anlehnung an ISO 14001: 2015
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
Inhaltliche Neuerungen
Neben der strukturellen Neuordnung der Kapitel wurden auch inhaltliche Veränderungen umgesetzt. Die neuen Normen 9001 und 14001 fordern verstärkt die Einbindung von Stakeholdern. Unternehmen müssen zudem Chancen und Risiken ihrer unternehmerischen Aktivität ermitteln und dabei den Prozess (9001) beziehungsweise den Lebenszyklus von Produkten und Dienstleistungen (14001) in den Fokus stellen. Auf Basis dieser Bausteine wird in Zukunft der Anwendungsbereich der Norm abgesteckt. Das bedeutet in der Konsequenz, dass Systemgrenzen viel weiter gefasst werden müssen als bisher; ausgelagerte Prozesse und Fertigungsstufen fallen ebenso in den direkten Verantwortungsbereich des Unternehmens wie die gesamte Lieferkette (siehe Abbildung).
 
Weiterhin wird die Führung deutlich stärker in die Pflicht genommen. Das System soll in strategische Geschäftsprozesse integriert werden; Qualitäts- und Umweltbeauftragte sind folglich nicht mehr explizit gefordert. Übergeordnetes Steuerungsinstrument werden Kennzahlen, die für jedes Ziel definiert, erhoben und regelmäßig bewertet werden sollen. Des Weiteren ist für die Anwendung der Umweltmanagementnorm eine Kommunikationsstrategie zu formulieren.
 
Wann müssen die Änderungen umgesetzt sein?
Ab Veröffentlichung der Normen sind Übergangsfristen für die Umsetzung vorgesehen – drei Jahre für bereits zertifizierte Unternehmen. Für Unternehmen, die erstmalig eine Zertifizierung anstreben, wurden 18 Monate Übergangszeit festgesetzt. 2018 werden die „alten" Normen also endgültig abgelöst.
 
Entscheidenden Einfluss bei der Auslegung der Norminhalte und der Konkretisierung der Anforderungen an die Unternehmen haben die Zertifizierungsstellen. Es ist zu erwarten, dass bereits in den Zertifizierungsaudits 2016 sukzessive mehr Inhalte der neuen Normen angesprochen und abgefragt werden. Durch die zahlreichen Überschneidungen wäre zudem die Kürzung der Auditzeiten für integrierte Prüfungen realisierbar. Das würde den Unternehmen tatsächliche Vorteile verschaffen. Ob die zuständige Stelle, die Dakks (deutsche Akkreditierungsstelle), eine solche Reduktion umsetzt, bleibt bisher offen.
 
Bewertung
Die Normen werden professioneller und anspruchsvoller. Dies ist grundsätzlich zu begrüßen. Aber entspricht der erwartete Mehraufwand überhaupt noch dem Nutzen, den eine Zertifizierung mit sich bringt?
 
Für KMU werden die neuen Anforderungen eine große Hürde darstellen und mehr Ressourcen binden, insbesondere beim Aufbau der neuen Inhalte und bei der Anpassung der Dokumentation. Dies könnte zur Folge haben, dass sich Unternehmen trotz Vorteilen gegen die Einführung oder Rezertifizierung der ISO Normen entscheiden.
 
Für große, international tätige Unternehmen gehen die Änderungen Hand in Hand mit derzeitigen Entwicklungen und Trends im Markt. Die zusätzlichen Anforderungen bezüglich Stakeholder-Einbindung sowie der Chancen und Risiken des Geschäftsbetriebs entsprechen den neuen Inhalten des Nachhaltigkeits-Berichtsstandards G4 der Global Reporting Initiative und der EU-Bilanzrichtlinie 2014/95/EU. Letztere ist in den nächsten zwei Jahren vom deutschen Gesetzgeber in nationales Recht umzusetzen. Die Anpassungen in den ISO Normen reduzieren an dieser Stelle Doppelarbeiten.
 
Fazit: Die ISO wird sich mit der Revision nicht abschaffen, sie verlagert aber ihre Zielgruppe (ungewollt) Richtung Großunternehmen.
 
Hannah Witting
ist Beraterin bei der B.A.U.M. Consult GmbH mit den Schwerpunkten Klimaschutz und Nachhaltigkeitsmanagement.

Wirtschaft | Recht & Normen, 01.10.2015
Dieser Artikel ist in forum Nachhaltig Wirtschaften 04/2015 - Ertrinken wir in Plastik? erschienen.
     
Cover des aktuellen Hefts

Zeit, die Stimme zu erheben und endlich zu handeln?

forum Nachhaltig Wirtschaften 04/2022 mit dem Schwerpunkt: Globale Ziele und Klimaschutz

  • Ukrainekrieg und Hunger auf der Welt
  • Doppelte Dividende durch Nachhaltigkeit
  • Green Chefs
  • Die Brücke zur Natur
Weiterlesen...
Kaufen...
Abonnieren...
08
DEZ
2022
Die Klimashow mit neun Promis
Promis fragen - SPIEGEL-Bestsellerautoren antworten
online
12
DEZ
2022
Nachhaltigkeitskongress
Der Zukunftskongress für Wirtschaft mit Weitsicht
40217 Düsseldorf
21
JAN
2023
Wir haben es satt!
Gutes Essen für alle – statt Profite für wenige!
10117 Berlin
Alle Veranstaltungen...
Text

Gemeinsam ist es Klimaschutz

natureOffice nimmt Sie mit auf die Reise durch den Klimakosmos - gleich YouTube-Kanal abonnieren und Baum pflanzen!

Politik

Wie sollte Deutschland mit autokratischen Staaten umgehen?
Für Christoph Quarch kommt es darauf an, im Sinne von Aristoteles, auf konkrete Fragen die jeweils beste Antwort zu geben.
B.A.U.M. Insights

Jetzt auf forum:

„Meilensteine“ bringen Weilerbach voran

Österreichischer Umweltjournalismus-Preis 2022: Die Preisträger stehen fest

Wir gratulieren:

Macht die Reform des Einwanderungsrechts die deutsche Staatsangehörigkeit zum Ramschartikel?

ICG vergibt den "Real Estate Social Impact Investing Award 2022"

Porsche tritt UN Global Compact bei

And the winner will be...

CarSharing für Unternehmen: Einfach mobil und die Kosten im Blick

  • DGNB - Deutsche Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen
  • Frankfurt University of Applied Sciences
  • Telefónica Germany GmbH & Co. OHG
  • Global Nature Fund (GNF)
  • Dr. Ing. h.c. F. Porsche AG
  • World Future Council. Stimme zukünftiger Generationen
  • B.A.U.M. e.V. - Netzwerk für nachhaltiges Wirtschaften
  • Energieagentur Rheinland-Pfalz GmbH
  • TourCert gGmbH
  • Verka VK Kirchliche Vorsorge VVaG
  • PEFC Deutschland e. V.
  • Nespresso Deutschland GmbH
  • Futouris - Tourismus. Gemeinsam. Zukunftsfähig