Matthias Korff
Technik | Green Building, 15.11.2014
Woodcube - Sieger in allen Disziplinen
Einer der Stars bei der Internationalen Bauausstellung (IBA) in Hamburg 2013 war der sogenannte Woodcube – ein Haus, nahezu komplett aus Holz.
Der Woodcube belegt, dass Cradle to Cradle in der Bau
wirtschaft möglich ist. Das Haus besteht zu 90 Prozent aus heimischen Hölzern. Zwar musste der Treppenhauskern
noch aus (Recycling)-Beton hergestellt werden, Wände
und Decken aber sind aus massivem Holz. Der Bauherr ließ dazu Holzelemente vorfertigen, mit denen der Rohbau trotz winterlicher Minusgrade binnen 14 Arbeitstagen
abgeschlossen werden konnte. Die einstofflichen Wand
und Deckenelemente sind völlig schadstofffrei und ohne
jedwede Bauchemie hergestellt worden.
Um den Verzicht
auf Holzschutzmittel zu ermöglichen, werden die Bäume
im Winter, der sogenannten saftruhenden Phase, geerntet
und anschließend über Monate luftgetrocknet. Dadurch
werden dem Holz die Nährstoffe für Schädlinge entzogen. Anschließend werden Brettlagen aus Tannen und
Fichtenholz in energieautarken Produktionsprozessen kreuzweise zu großflächigen Wand- und Deckenelementen zusammengefügt. Lediglich Buchenholzschrauben, keinerlei Metallelemente, verbinden die einzelnen Brettstapel zu kraftschlüssigen Wandelementen von bis zu 32 Zentimetern Stärke, die an der Baustelle montiert werden.
Durch den Verzicht auf Verleimungen bleiben die Wandelemente diffusionsoffen – das schließt Schimmel oder Kondensat-Bildungen aus. Feuerschutz durch Holz
Ein dicker Stamm verkohlt zunächst nur an der Oberfläche. Flammen von 1.000 Grad Celsius ausgesetzt, beträgt der Abbrand gerade einmal 0,7 Millimeter pro Minute. Brandversuche an entsprechenden Wandelementen haben bewiesen,
dass der statisch tragende Holzkern erst nach 280 Minuten
erreicht wird. Der geforderte Brandwiderstand wurde somit dreifach übererfüllt. Die Brandschutzuntersuchungen verdeutlichen auch die hervorragende Wärmedämmleistung dieser Holzbauweise. Nach 60 Minuten Beflammung erhöht sich die Temperatur auf der Rückseite des getesteten Wandelementes um nur 1,5 Grad. Das bedeutet, dass die Räume im Sommer angenehm kühl sind und im Winter die Wärme lange im Haus bleibt. 30 Zentimeter massives Holz dämmt vergleichbar oder gar besser als konventionelle Wandaufbauten in einer Stärke von 50 Zentimetern.
Minimaler Energieverbrauch
Holz ist in Deutschland und Europa im Überfluss vorhanden und stellt einen CO2-Speicher dar. Die Ökobilanz belegt, dass der Woodcube sowohl in der Herstellung als auch im Betrieb CO2-neutral ist. Mit der für die Herstellung eines konventionellen Passivhauses benötigten Primärenergie können 70 Woodcubes hergestellt und über 50 Jahre betrieben werden.
Zudem entsteht bei der Entsorgung kein Müll, sondern wertvoller Rohstoff, der kaskadierend wiederverwertet werden kann, bevor er am Ende immer noch als giftfreier Brennstoff
dienen kann.Durchatmen und entspannen
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Matthias Korff ist Geschäftsführer von DeepGreen Development in Hamburg. Mit der Entwicklung des Woodcube wurde er unter die Top 3 des deutschen Nachhaltigkeitspreises 2013 gewählt. DeepGreen realisiert in dieser Bauweise bundesweit Einfamilienhäuser, Schulen, Kindergärten und Objektbauten.
Dieser Artikel ist in Cradle to Cradle - eine Lösung für Wirtschaft und Gesellschaft - forum Sonderdruck: VERSTEHEN, UMDENKEN, GESTALTEN erschienen.
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