66 seconds for the future - forum zeigt Zukunftsgestalter:innen und Nachhaltigkeitspionier:innen

Ist grüner Luxus-Tourismus möglich? …

… fragt forum den Gründer der Six Senses Resorts und aktuellen Geschäftsführer der Soneva Resorts, Sonu Shivdasani.

Herr Shivdasani, Sie als „Green Head" der Soneva Group gelten als Vorreiter des „Intelligent Luxury" im Tourismus. Was verstehen Sie selbst unter intelligentem Luxus?
Unsere Philosophie des Intelligent Luxury ist es, Erfahrungen zu bieten, die „neu" sind, indem sie selten, ungewöhnlich und außergewöhnlich für unsere Kunden sind. Für Menschen, die in einem engen und verschmutzten Beton-Dschungel leben, ist es wahrer Luxus, einen frisch gepflückten, in unserem Bio-Garten angebauten Salat zu essen und dabei die frische Luft und eine einzigartige Aussicht zu genießen. Es gibt noch andere solcher Beispiele, wie unser Open-Air-Badezimmer oder das Open-Air-Restaurant. Diese Dinge sind sehr luxuriös für die städtische Oberschicht, denn egal wie wohlhabend jemand ist, man duscht sicher nicht jeden Tag zwischen Wasserfällen, tropischen Pflanzen und kann zur selben Zeit noch den Vollmond beobachten; oder barfuß mit Sand unter den Füßen zu Abend essen. Solche Erfahrungen sind selten geworden in unserer modernen Welt. Mit dem weiträumigen Platz, der Privatsphäre und dem Komfort unserer Zimmer und Villen sowie dem intuitiven Service schaffen wir intelligenten Luxus.

Beim slow life symposium im november 2014 ging es um die erneuerung unseres wirtschaftssystems. unter dem arbeitstitel „system innovation: capitalism within planetary boundariesWas tun Sie selbst, um Nachhaltigkeit zu fördern und die Corporate Social Responsibility in Ihren Unternehmen zu gewährleisten?
Ich versuche, meinen Mitarbeitern unser Leitprinzip des SLOW LIFE (Sustainable – Local – Organic – Wellness – Learning – Inspiring – Fun – Experiences) zu vermitteln. Nachhaltigkeit zieht sich durch unser Kerngeschäft und wir sind stets bestrebt, die negativen Umweltauswirkungen unserer Aktivitäten zu begrenzen – was sowohl schwierig als auch von entscheidender Bedeutung für ein Unternehmen ist, welches Hotels an abgelegenen Orten und inmitten unberührter Natur führt.

Das hätten wir gerne etwas konkreter!
Unsere Verantwortung gegenüber der Gesellschaft ist in der Tat ein wenig kompliziert für ein Unternehmen wie unseres, dessen Gäste aus der ganzen Welt anreisen. Diese haben keine andere Wahl als zu fliegen, um diese entfernten Orte zu erreichen. Da emissionsfreie Flugreisen noch weit in der Zukunft liegen, entschieden wir uns dafür, die Emissionen eines jeden Fluges unserer Gäste aufzurechnen. Anstelle des Kaufs von Emissionszertifikaten entschieden wir uns für die direkte Finanzierung und Entwicklungsunterstützung sorgfäl- tig ausgewählter Projekte, die wir finanzieren möchten. Dies erfolgt, indem wir die Kosten für die Kohlenstoffabgabe in Höhe von zwei Prozent des Zimmerpreises unseren Gästen in Rechnung stellen.

Was passiert mit diesem Geld konkret?
Wir sehen unsere soziale und ökologische Verantwortung ebenso global wie lokal. Wir haben daher die SLOW LIFE Stiftung ins Leben gerufen, um uns über das direkte Umfeld unserer Resorts hinaus zu engagieren und unsere Verpflichtungen gegenüber der Gesellschaft im Allgemeinen zu erfüllen.

Wie das erfolgt, erläutere ich gerne an einem Beispiel: Vor rund fünf Jahren, während eines Spaziergangs auf Soneva Fushi auf den Malediven, sah ich eines Morgens einen riesigen Berg an Plastikflaschen, die zur Plage werden und unsere Strände verschmutzen. Um mit gutem Beispiel voranzugehen, haben wir deshalb beschlossen, kein Wasser in Plastikflaschen mehr zu importieren. Stattdessen bieten wir nun im Zuge unserer WHOLE WOLRD Water Campaign Trinkwasser, welches gefiltert, mineralisiert, alkalisiert und vor Ort in wiederverwendbare Glasflaschen abgefüllt wird. Wir verkaufen dieses Wasser und steuern 50 Prozent der Einnahmen der SLOW LIFE Stiftung bei, wodurch wiederum die Finanzierung der Wohltätigkeitsorganisationen Water Charity und Thirst-Aid gewährleistet wird. Als Ergebnis unserer Initiative wurde bereits mehr als 600.000 Menschen der Zugang zu sauberem Wasser ermöglicht.

Sonu Shivdasani, GRünder der Six Senses Resorts und Geschäftsführer der Soneva Group. © Soneva GroupDieser Ansatz bewirkt vor Ort sicherlich viel, aber was tut die Stiftung, um wirklich globale Veränderungen zu bewirken?
Einiges. Die Stiftung hat beispielsweise den Bau einer 1,5-Megawatt-Windkraftanlage in Tamil Nadu, Indien finanziert; wir pflanzten mehr als 450.000 Bäume in Chiang Mai in Nordthailand, und wir haben uns verpflichtet, 125.1 Kochherde für Familien in den Flüchtlingslagern des kriegszerstörten Darfur und 40.000 Kochherde für Familien im ländlichen Myanmar bereitzustellen. Unser Kochherd-Projekt SLOW LIFE in Myanmar ist das erste Gold Standard CO2-Projekt in diesem aufstrebenden Land. Diese Öfen können den Verbrauch von Brennstoff zum Kochen um bis zu 50 Prozent und damit Kohlendioxid-Emissionen und die Abholzung zur selben Zeit erheblich reduzieren.

Vom 07. bis 10. November 2013 fand im Soneva Kiri Resort in Thailand das 4. SLOW LIFE Symposium statt. Welche Ergebnisse und Zukunftsvisionen erhofften Sie sich von diesem von Ihnen organisierten Zusammentreffen?
Innerhalb von drei Tagen und Nächten erforschten wir dieses Jahr das Thema „Innovation durch Kooperation ". Wir begaben uns auf die Suche nach neuen Möglichkeiten der Zusammenarbeit, um die dringendsten Umweltprobleme anzugehen und die Zukunft zum Besseren zu verändern. Ideen aus vergangenen Symposien, wie beispielsweise auf Plastikflaschen zu verzichten, haben tatsächlich einiges ins Rollen gebracht. Wir wollen damit die gesamte Hotellerie überzeugen, unserem Beispiel zu folgen und kein Markenmineralwasser mehr auf ihren Anwesen anzubieten. Ich freue mich, sagen zu können, dass wir dadurch ein wenig Schwung in die Welt der Hotellerie bekommen haben. Ebenfalls 2011 entstand die Kooperation zwischen Chris Gorell Barnes und seiner Blue Marine Foundation mit Costas Christ, woraus sie das Belize Marine Reserve entwickelten.

Margaret Mead, die amerikanische Kulturanthropologin, traf es auf den Punkt, als sie sagte: „Zweifle nie daran, dass eine kleine Gruppe von nachdenklichen, engagierten Bürgern die Welt verändern kann. In der Tat sind das die Einzigen, die jemals etwas bewirkt haben."

Einer der Teilnehmer des Symposiums war Pavan Sukhdev. Er fordert in seinem neuesten Buch „Corporation 2020" einen radikalen Umbau der Wirtschaft. Ist Ihr Unternehmen bereits ein zukunftsfähiges Unternehmen im Sinne Sukhdevs?
Pavan ist einer der größten Denker der Gegenwart und als ehemaliger Mitarbeiter der Deutschen Bank hat er es geschafft, die Natur in die Welt der Zahlen und Finanzen und somit in die Betriebswirtschaft zu integrieren. Deshalb führt die Berichterstattung unserer Nachhaltigkeitsleistung innerhalb der Soneva Group direkt zu unserem Finanzchef. Das bedeutet, unsere gesellschaftsrechtliche Struktur ist so konzipiert, dass die zentralen ökologischen Werte der Soneva Group unmittelbar auf unsere Investitionen und Rentabilitätsziele ausgerichtet werden.

© Soneva groupWie soll das genau funktionieren?
Um vielen der weltweit drängenden, sozialen und ökolo- gischen Herausforderungen entgegenwirken zu können, benötigen wir sehr viel Kapital, wovon ein großer Teil auch aus dem privaten Sektor kommen muss. Doch private Geldgeber erwarten stets einen gewissen Return. Während die SLOW LIFE Stiftung einen Großteil der Unterstützung in Form von Spenden zur Verfügung stellt, unterstützen wir ausgewählte Projekte durch Förderkredite. So können wir unsere Investitionen wiedergewinnen und damit wiederum andere Projekte finanzieren, um die Auswirkung eines jeden Dollars zu erhöhen.

Last but not least: Was hat Sie zu Ihrem Einsatz für die Nachhaltigkeit bewegt und wie hat das auch Ihren privaten Lebensstil verändert?
Als meine Frau Eva und ich unser erstes Resort 1995 eröffneten, waren wir der Überzeugung, dass ein Unternehmen ein klares Ziel vor Augen haben muss, um Geld zu verdienen. Es muss für die Gesellschaft einen Beitrag leisten und es sollte keine negativen Auswirkungen auf die Umwelt vor Ort haben. Das ist nicht nur unsere unternehmerische, sondern auch unsere private Maxime.

Herr Shivdasani, wir danken für das Gespräch.


Dieser Artikel ist in forum Nachhaltig Wirtschaften 01/2015 - Grünes Reisen im Trend erschienen.



     
        
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