Waldinvestments

Wer nicht aufpasst, ist schnell auf dem Holzweg

Magere Renditen auf den Kapitalmärkten und die schwelende Inflationsangst machen Sachwertinvestitionen wie Waldinvestments wieder spannend. Doch nicht immer gehen Ökologie und Rendite dabei Hand in Hand. Etliche Waldinvestments, vor allem über die Fondsschiene, sind hochspekulativ. Auch wenn grünes Gewissen, hohe Renditen und Sicherheitsversprechen locken, sollten Anleger immer ganz genau hinschauen.

Die Zukunft ist grün – zumindest in der Theorie. Seit Sir Nicolas Stern auf 700 Seiten der Welt vorgerechnet hat, wie viel die Erderwärmung kostet, hat Ökologie Hochkonjunktur. Besonders spannend wird das Thema, wenn auch noch die Rendite stimmt, wie das derzeit bei Holz der Fall ist. Durch die weltweit schwindenden natürlichen Wälder und den Rohstoffhunger der BRIC-Staaten steigt der Preis. Sie lechzen nach Baumaterial. Besonders China, das seine eigenen Wälder stark gerodet hat und nun die ökologischen Folgen spürt, schränkte das Abholzen der eigenen Wälder stark ein. Die Konsequenz: Es muss aus dem Ausland zukaufen. Allein in Deutschland vermeldete das statistische Bundesamt Ausfuhren von Buchenrohholz nach China mit über 330.000 Tonnen in 2012. Für diese Menge muss etwa ein Areal von 2.400 Fußballfeldern Buchenwald kahl geschlagen werden. Ein Ende ist nicht in Sicht.

Setzlinge © Querdenker GmbHMegatrend Rohstoffe

Der Rohstoff-Hunger wird bleiben, glauben Experten. Neben Energie, Klimawandel, Wasser, Infrastruktur, Nano- und Biotechnologie etablieren sich Rohstoffe weiterhin als Megatrends. In nachwachsendes Kapital zu investieren, klingt daher verlockend – besonders, wenn es um einen so traditionsreichen Rohstoff wie Holz geht. Nicht nur, dass das Investment nachhaltig ist und daher im Trend liegt, das Kapital wächst auch mit jedem Jahresring noch an, selbst in wirtschaftlich schlechten Zeiten. Wald wird daher zunehmend zur Wertanlage.

Doch einen Wald kaufen kann nicht jeder. Wer sich selbst einen Forst zulegen möchte, benötigt dafür das nötige Kleingeld – und Zeit und Möglichkeiten, sich um die Bewirtschaftung zu kümmern. Als Faustregel gilt: Bei Eigenbewirtschaftung sollte der Wald eine Größe von mindestens 75 Hektar haben. Bei kleineren Waldflächen stimmt nämlich das Verhältnis der Kosten zu den Erträgen nicht mehr. Wer einen Forst aber richtig bewirtschaftet, kann im Jahr durchaus mehrere tausend Euro Ertrag erzielen. Es sei denn, es ereilen ihn eine der drei großen Gefahren eines Forstes: Brand, Sturm oder der Borkenkäfer. Diese Direktinvestments in Wälder werden aufgrund der hohen Summen meist von reichen Familien, Family Offices oder institutionellen Fonds getätigt, die ihre Gelder langfristig – oft über Generationen – stabil anlegen wollen. Für Anleger, die nicht in diese Kategorie fallen, gibt es am Markt längst viele Alternativen über indirekte Anlageformen. So können Sie über Fonds und Zertifikate in Wald investieren, aber auch Forst-Aktien oder Wertpapiere von forstnahen Firmen erwerben.

„Wenn eine hohe und überdurchschnittliche Rendite bei kurzen Laufzeiten versprochen wird, sollte man schon stutzig werden."  - Christof Lützel, Bankbetriebswirt, Prokurist und Pressesprecher der sozial-ökologischen GLS Bank

Pflanzenschule © Querdenker GmbHÖkologie und Ökonomie in perfekter Harmonie?

Bei Waldinvestments trifft Ökologie auf hohe Rendite – zumindest in der Theorie. Doch die Praxis sieht anders aus, sind Wirtschaftlichkeit und Ökologie doch oft zwei sehr ungleiche Brüder. In der Vergangenheit tummelten sich immer wieder schwarze Schafe am Markt, die viel Anlegergeld verbrannten. Mit Aussagen wie „Holzinvestments sind gut für Umwelt und Geldbeutel" locken viele Waldfonds-Anbieter in ihren Werbebroschüren. Hohe Renditeversprechen von acht bis zwölf Prozent sind dabei keine Seltenheit. Anbieter greifen dabei gerne zu Waldinvestments im Ausland: Rumänien, Costa Rica, USA, Ecuador oder Paraguay stehen ganz oben auf ihren Einkaufslisten. In den Tropen würden die Bäume eben schneller wachsen als bei uns, begründen sie ihre Kalkulation. Das stimmt durchaus. Was dabei in den Hintergrund tritt, sind die massiven rechtlichen Risiken in vielen Ländern wie Mittel- und Südamerika. Sprachbarrieren, Währungsrisiken und andere Steuergesetze machen die Investments oft hochspekulativ. Die Märkte sind zudem oft wenig transparent, die politischen und wirtschaftlichen Risiken hoch. Stimmen bereits die wirtschaftlichen Rahmendaten nicht, sollte man die Finger von dem Investment lassen, raten Experten. Zudem gibt es noch eine Reihe biologischer und klimatischer Risiken, wie zum Beispiel Schädlinge, Waldbrände, Überflutungen und Dürre. Die Frage der Zuverlässigkeit der Partner vor Ort bei der Bewirtschaftung und Pflege der Flächen ist ebenfalls ein kritischer Punkt. Nicht vergessen sollten Anleger, dass vor allem vier Faktoren maßgeblich die Rendite bei Wald­investments steuern: die Erträge des Holzeinschlags, die Erträge des Baumbestandes, die Fondsgebühren und die Preisentwicklung von Grund und Boden. Darüber sollte man sich vor dem Investment schlau machen oder konkret beim Investor nachfragen, denn gerade der Abnahmemarkt für Holz ist oft starken Schwankungen unterworfen. Der NCREIF Timberland Returns Index gibt beispielsweise die Renditen für Waldinvestments in den USA wieder.


Drum prüfe wer sich ewig bindet

Ein weiterer Haken für Privatanleger: Die meisten Waldfonds haben eine sehr lange Laufzeit. Das bedeutet: Es zeigt sich oft erst 15 bis 20 Jahre später, ob die Fonds die versprochene Rendite tatsächlich erwirtschaften. Erst beim Holz-Verkauf sieht man den Ertrag, vorher gibt es wenig Ausschüttung und wenn, dann nur aus dem Verkauf von Klimazertifikaten. Nicht zu unterschätzen sind auch die weichen Kosten. Das sind beispielsweise Managementgebühren, die anfallen, weil das Investment über einen Fonds abgewickelt wird. Sie sind bei Waldfonds in der Regel relativ hoch. Einen genauen Blick sollten die Anleger auch auf die Unternehmen werfen, denen sie ihr Geld anvertrauen, und prüfen, wie die Ergebnisse der Vergangenheit waren und was sie an Wäldern und Plantagen bereits gekauft haben. Ein Blick in die Leistungsbilanz hilft dabei weiter. Sie muss beim Initiator angefordert werden.

Auch die Anlageform sollte bedacht werden. Diese ist oft von Anbieter zu Anbieter sehr unterschiedlich, mit entsprechend anderen Risiken belegt und daher schon von den Geschäftsmodellen her schwer vergleichbar. Bei den einen wird in bestehende Wälder investiert, während die anderen auf Plantagen setzen, die abgeholzt und wieder aufgeforstet werden. Manche Anbieter bauen auch noch zusätzliche Produkte wie z.B. Ingwer auf den Waldflächen an. In Summe kann sich das Investment in Holz angesichts der steigenden Nachfrage durchaus lohnen; ob es allerdings ein Investment für Kleinanleger ist, muss angesichts der Ergebnisse der Vergangenheit stark hinterfragt werden. Zwar ist durch die Regulierung etlichen schwarzen Schafen ein Riegel vorgeschoben worden, dennoch gilt es genau hinzuschauen. Es gibt durchaus auch bei Waldfonds gute und seriöse Angebote. Deren Initiatoren klären die Anleger immer über die Risiken dieser stark unternehmerisch geprägten Anlageform genau auf. Aber auch wenn die ethischen und ökologischen Ansprüche von Wald- und Ökofondanbietern korrekt sind – vielen Investoren geht es nicht primär um die Kapitalvermehrung mit gutem Gewissen oder den ökologischen Anspruch, vielmehr zählen hohe Renditen ohne Rücksicht auf die Natur. Deshalb: Ethische Anlagen und verantwortungsbewusste Anleger braucht das Land.

Wie grün sind Waldinvestments?

Aktuelle Studie von OroVerde und Global Nature Fund.

Wald ist gut zu vermarkten. Er liefert schöne Bilder von dichtem, grünem Baumbestand und Lebensraum für viele seltene und spektakuläre Arten. Monokulturen hingegen sehen eher aus wie Baumfabriken. Biodiversität und schöne Tiere: Fehlanzeige. Global Nature Fund und die Tropenwaldstiftung OroVerde haben sechs Waldinvestmentprodukte vor Ort besucht und ökologische und soziale Aspekte begutachtet. Die Ergebnisse zeigen Verbesserungspotenzial in ­Sachen Nachhaltigkeit.

Bevor ein Waldinvestmentprodukt entwickelt wird, sollten der Zustand der Biodiversität auf der Projektfläche und in den umgebenden Gebieten erhoben sowie Wasserflächen genau kartiert werden. Diese Daten sind die Basis für die Entwicklung von Maßnahmen und helfen, negative Auswirkungen auf die Umwelt zu vermeiden.

In vier Fällen wurden ­Flächen mit hohem Schutz- oder Natur­wert von der Nutzung aus­genommen. Bei einem Anbieter wurden Schutzgebiete nicht beachtet und die Forst-Plantage sogar in einem ausgewiesenen Naturschutzgebiet angelegt. Das gleiche Unternehmen hat an einer anderen Stelle Flächen, auf denen gesetzlich geschützte Arten vorkommen, bepflanzt. Nur in einem Fall hat ein Projektbetreiber freiwillig wirtschaftlich relevante Flächen aus Naturschutzgründen von der Nutzung ausgenommen. Ähnliches gilt für die Einhaltung der Pufferzonen rund um Wasserkörper: In zwei Fällen erfolgte eine Bewirtschaftung innerhalb der gesetzlich vorgeschriebenen Pufferzone zum Wasserkörper, während andere Unternehmen sogar Pufferzonen einhielten, die über die gesetzlichen Anforderungen hinausgehen.

Oberste Priorität sollte sein, dass ein Waldinvestment-Projekt die existierende Flora und Fauna nicht beeinträchtigt. Für den Aufbau eines naturnahen Waldes ist es wichtig, dass die eingesetzten Arten standortgerecht sind und bei der Planung auf Konnektivität von Habitaten wichtiger Arten geachtet wird. Negative Auswirkungen bei Durchforstung, Bodenbearbeitung oder Ernte gilt es genauso zu vermeiden, wie Pestizide und Herbizide.

In der Praxis werden vor allem exotische, teilweise sogar invasive, also sich verbreitende Arten gepflanzt. Auch die Nutzung von chemischen Bioziden und Düngern ist weiter verbreitet als gedacht.

Die Publikation „Waldinvestments – Artenreichtum oder Rendite?" gibt Handlungsempfehlungen für Anbieter, um Waldinvestments ökologisch und sozial zu verbessern. Interessierte Anleger können damit kritisch nachfragen, was sich hinter den schönen Bildern der Werbung wirklich verbirgt.

Sie können die Studie kostenlos herunterladen oder bestellen auf:

www.globalnature.org/waldinvestments und www.oroverde.de/projekte-national/waldinvestments.html

Das Projekt zu Waldinvestments wird durch das Bundesamt für Naturschutz mit Mitteln des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit gefördert.

Anleger aufgepasst!

  • je höher die Rendite, desto höher ist das Risiko. In Europa liegen die Renditen zwischen vier und sieben Prozent, in Südamerika werden oft zweistellige Renditen versprochen. Das Risiko ist dort deutlich höher.
  • Die Fondskosten (weiche Kosten) können sehr hoch sein. Mehr als 15 Prozent sind kritisch zu hinterfragen, müssen sie doch erst noch erwirtschaftet werden, bis das Investment Geld abwirft.
  • Schlüsselkriterien bei Waldfonds sind: Marktbedingungen, Management vor Ort und Eigentumsrechte. Diese sind gerade in Entwicklungs- und Schwellenländern von Deutschland aus schwer einzuschätzen und entsprechend risikoreich.
  • Viele Waldfonds sind geschlossene Fonds. Sie haben oft eine lange Laufzeit von 20 Jahren und mehr. Brauchen Sie früher das Geld, sind liquidere Anlageformen, wie grüne Investmentfonds, die Sie täglich an der Börse verkaufen können, günstiger.
  • Wählen Sie Waldinvestments nur aus, wenn es Ihrer Risikoneigung entspricht. Sie sollte in diesem Fall hoch sein. Geschlossene Fonds (Risikoklasse 7, d.h. auch ein Totalverlust des Kapitals ist möglich) sollten nicht mehr als 10-15 Prozent Ihres Gesamtvermögens ausmachen. Sie müssen im Notfall auf diesen Betrag auch verzichten können.
  •  Lesen Sie die Unterlagen – vor allem Prospekt und Leistungsbilanz. Zeichnen Sie die Geldanlage nur, wenn Sie sie auch wirklich verstehen.


Beatrix Boutonnet

Wirtschaftsjournalistin im Bereich Finanzen/Fonds wollte ursprünglich Biologin werden und die Prägeversuche von Konrad Lorenz erforschen, doch ihre Begeisterung für Themen aus der Wirtschaft setzte sich durch. Die Diplom-Betriebswirtin (FH) hat in München und Toulouse studiert. Ökologiethemen in Verbindung mit der Wirtschaft liegen ihr aber immer noch besonders am Herzen. 2007 erhielt sie den Deutschen Journalistenpreis.


Lifestyle | Geld & Investment, 01.07.2014
Dieser Artikel ist in forum Nachhaltig Wirtschaften 03/2014 - Tooooor! 3:0 für Nachhaltigkeit erschienen.
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