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Kein Abfall in Sicht

Stadt der Zukunft organisiert Abfallentsorgung unterirdisch

In der Stadt der Zukunft gibt es keinen Abfall mehr: zumindest augenscheinlich. Denn das gesamte Müllaufkommen wird unterirdisch gesammelt und abtransportiert. Müllcontainer werden aus dem Blickfeld der Städte verschwinden, in einem unterirdischen Netz von Versorgungsgängen und Tunneln. Eine hübsche Utopie?

Der Potsdamer Platz: Oben hui, unten...
Foto: © Engel ac, Fotolia
In Berlin ist aus der Zukunftsmusik bereits Realität geworden. In einem einzigartigen Logistikzentrum 15 Meter tief in den Katakomben des prestigeträchtigen Potsdamer Platzes existiert eine Welt fernab von Glamour und Lifestyle. Denn dort befindet sich das Herz des 6,8 Hektar großen Gebietes des Quartiers Potsdamer Platz (Daimler-City) mit unterirdischen Versorgungsgängen, die - auf drei Etagen verteilt - eine Länge von fünf Kilometern vorweisen. Alle Waren für die rund 30 Restaurants, zwei Hotels und 130 Geschäfte der Potsdamer Platz Arkaden an der Oberfläche werden dort zentral angeliefert. Und auch die Abfallbeseitigung wird dort geplant und gesteuert. Rund 3.000 Tonnen Abfälle werden jährlich im Quartier Potsdamer Platz produziert und entsorgt. Da sich neben Geschäften und Gastronomie (mit ca. 10.000 Arbeitsplätzen), auch 370 Wohnungen auf dem Gebiet befinden, bedeutet das Abfallaufkommen im Minutentakt.

Abfallaufkommen nicht rückläufig
Seit 1998 betreibt die ALBA Group das Logistikzentrum des Potsdamer Platzes. Und das derart diskret, dass die Straßen im Quartier Potsdamer Platz frei von Lieferverkehr bleiben und Touristen und Geschäftsleute nichts von der unterirdischen Betriebsamkeit mitbekommen. "Vormittags ist hier der größte Betrieb", sagt Klaus-Dieter Krüger von der ALBA Facility Solutions GmbH. Er ist Manager des Ver- und Entsorgungszentrums (VEZ) und zuständig für den reibungslosen Ablauf der Anlieferung und Entsorgung. Ununterbrochen kommen LKW in das VEZ und nutzen die 19 Lieferrampen. Pro Tag sind es rund 160 Fahrzeuge.

Doch das ist nur ein Teil der Arbeit. Denn auf dem gleichen Weg wie die Waren die Daimler-City erreichen, gelangt der Müll von den Sammelstationen auch wieder zurück und muss rasch abtransportiert werden. Seit ein paar Jahren betreibt die ALBA Facility Solutions GmbH im VEZ am Potsdamer Platz eine für diesen Bereich speziell entwickelte Entsorgungsanlage, die Speisereste dehydriert und energetisch verwertet.

...gut organisiert - durch ein ausgeklügeltes Ver- und Entsorgungssystem.
Foto: © Alba
Auch wenn heute 1.600 Tonnen des Abfalls wiederverwertet werden können, ändert sich der Verbrauch der Menschen nicht wesentlich. Eine halbe Tonne, genau 524 Kilogramm, entsorgte der EU-Durchschnittsbürger im Jahr 2008 laut Eurostat. Die Deutschen lagen mit 600 Kilogramm über dem EU-Durchschnitt.

Die Stadt als Rohstoffquelle
"Das Geld liegt auf der Straße": Jede Stadt in einem industrialisierten Land ist eine riesige Rohstoffmine. Mittlerweile sind mehr Rohstoffe in Städten verbaut oder von Betrieben und Bürgern in Nutzung, als sie noch weltweit in den Rohstoffvorkommen der Erden zu finden sind. Urban Mining zielt auf die Nutzung und zukunftsgerichtete Gestaltung dieser städtischen Rohstoffvorkommen und mindert die Umweltbelastungen. So haben Wissenschaftler im Auftrag des Naturschutzbundes Deutschland errechnet, dass das Recycling unterschiedlicher Abfälle seit 1990 bereits über 46 Millionen Tonnen Kohlendioxid eingespart hat. In der Entsorgung und fachgerechten Verwertung der Abfälle steckt also noch viel Potenzial.

Auch Klaus-Dieter Krüger geht davon aus, dass der Job unter dem Potsdamer Platz krisensicher ist: "Es sei denn, der Mensch der Zukunft ändert nicht nur seine Unwelt, sondern auch seine Einstellung." Das wäre dann aber wirklich Utopie.
 
 
Von Jan-Erik Burkard

Quelle:

Dieser Artikel ist in forum Nachhaltig Wirtschaften 04/2011 - Stadt der Zukunft erschienen.



     
        
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