66 seconds for the future - forum zeigt Zukunftsgestalter:innen und Nachhaltigkeitspionier:innen

Die Stadtküste der Zukunft

Bollwerk gegen das Hochwasser und zugleich attraktiver Erlebnisraum?

Hamburger Niederhafen: Hochwasserschutz-Wand und Flaniermeile zugleich. Ein exzellentes Beispiel für die Verbindung von Hochwasserschutz und städtebaulich hochwertiger Architektur wird zurzeit in Hamburg umgesetzt. Zwischen Landungsbrücken und Niederhafen entsteht eine moderne Hochwasserschutzwand, die zugleich als attraktive Flaniermeile gestaltet ist. Entworfen wurde der neue Elb-Boulevard vom Büro der internationalen Star-Architektin Zaha Hadid, die weltweit für außergewöhnliche Bauten bekannt ist. Auf der acqua alta wird dieses innovative Millionenprojekt durch den Landesbetrieb Straßen, Brücken und Gewässer (LSBG) vorgestellt. "Die räumliche und gestalterische Qualität des Entwurfes überdeckt fast den eigentlichen Zweck des Bauwerks. Was hier entsteht, ist jedoch ein wesentlicher Teil des Flutschutzprogramms der Hansestadt", erläutert Jan-Moritz Müller vom LSBG. Auf der rund 600 Meter langen Kaimauerstrecke wird die Promenade dazu von 7,20 Meter auf bis zu 8,90 Meter über Normalnull (NN) erhöht.

Entwurf für die Hochwasserschutzwand am Niederhafen in Hamburg
Foto: © ON3 Studio
Die Vision einer multifunktionalen Deichlinie zeigt sich auch in der IBA-Machbarkeitsstudie "Deichpark Elbinsel". "Der Ringdeich der Elbinsel Hamburg-Wilhelmsburg ist die Voraussetzung für die Sicherheit ihrer Bewohner. Die Deiche könnten jedoch auch besser als Erlebnisräume nutzbar sein", so Prof. Antje Stokman vom Büro osp urbanelandschaften in Hamburg. Die IBA-Studie zeigt zukunftsweisende Ansätze für die Gestaltung von Hochwasserschutz-Anlagen als sichere und vielfältig nutzbare Bestandteile der Stadtlandschaft. Ein Praxis-Beispiel stellt der Architekt Prof. Slawik auf der acqua alta vor. Das von ihm entworfene IBA Dock im Müggenburger Zollhafen in Hamburg-Veddel ist das größte schwimmende Ausstellungs- und Bürogebäude Deutschlands. Sollte eine starke Sturmflut kommen, schwimmt das IBA Dock mit dem Wasser auf. "Wir könnten dieses Haus als einen ersten Baustein für eine schwimmende Stadt ansehen", so Slawik. "Vielleicht ist das der Städtebau der Zukunft."

Multifunktionale Nutzung: Dach als Deich
Rotterdam hat sich zum Ziel gesetzt, bis zum Jahr 2025 klimaneutral zu werden. Die Integration des Elements Wasser in den Prozess der Stadtentwicklung ist dabei ein wichtiger Bestandteil. Joep van Leeuwen, Department of urban planning, stellt auf der acqua alta die "Research-by-design-Studie" aus der holländischen Seehafenstadt vor. Sie zeigt, wie sich Klimaschutz und multifunktionale Deiche miteinander verbinden lassen. Das Besondere: Behörden, Stadtplaner und Ingenieure haben bei der Studie eng kooperiert. Darüber hinaus berichtet van Leeuwen auf der acqua alta über zwei Projekte, die in Rotterdam bereits erfolgreich umgesetzt wurden. Eins ist der Dach-Park im Westen der Stadt. Hier ist ein Einkaufzentrum Teil einer Deichlinie. Der Deichschutz besteht aus dem parkähnlichen Dach einer Tiefgarage sowie einem integrierten Park. "Es ist ein großartiges Beispiel dafür, wie man Deiche multifunktional nutzen kann, wenn alle - Behörden, Bürger und Planer - eng zusammenarbeiten und neuen Ideen gegenüber aufgeschlossen sind."

Nicht nur entlang der Küstenlinie, auch oder gerade an tideunabhängigen Flussläufen spielen Hochwasserschutz und Lebensqualität eine große Rolle. Der italienische Architekt Andrea Oldani aus Mailand referiert auf der acqua alta über architektonische Gestaltstrategien für Flussufer. Er plädiert für die Erstellung von Risiko-Diagrammen, auf die dann städtebaulich reagiert werden kann. Das komplette Kongressprogramm gibt es im Internet unter www.acqua-alta.de, ebenso die Kongresspreise und Registrierung

Welche Anforderungen stellen die wasserbezogene Stadtentwicklung und der Klimawandel an die künftige Gestaltung des Hochwasserschutzes? Auf der acqua alta, der Fachmesse mit internationalem Kongress für Klimafolgen, Hochwasserschutz und Wasserbau, diskutieren Architekten, Stadtplaner und Katastrophenschutzexperten über die Stadtküsten von morgen. Weltweit befinden sich zwei Drittel aller am stärksten wachsenden Metropolen im Bereich von Flussmündungen und sind somit den Einflüssen der Meeresdynamik in Folge des Klimawandels zunehmend ausgesetzt. Das Spannungsfeld zwischen Hochwasserschutz und Sicherheitsdenken auf der einen, urbane Entwicklung und Lebensqualität auf der anderen Seite stellt diese Millionenstädte schon heute vor besondere Herausforderungen. Vom 11. bis 13. Oktober diskutieren Fachleute aus dem In- und Ausland im CCH-Congress Center Hamburg ihre Strategien zum Umgang mit diesem Spannungsfeld. Insgesamt werden zu dem dreitägigen Kongress in der Hafenmetropole an der Elbe rund 70 Referenten aus 13 Nationen erwartet.

Quelle:



     
        
Cover des aktuellen Hefts

Zukunft braucht Frieden

forum 02/2026 ist erschienen

  • Geopolitische Spannungen, Aufrüstung und Unsicherheit prägen Märkte und Investitionsentscheidungen wie lange nicht. Die neue Ausgabe von forum future economy setzt bewusst einen Kontrapunkt: Sie gibt Stimmen Raum, die für Diplomatie, Deeskalation und zivile Lösungen eintreten – weil wirtschaftliche Stabilität ohne Frieden nicht denkbar ist.
Weiterlesen...
Kaufen...
Abonnieren...
10
MÄR
2026
Rechtliche Aspekte der Kreislaufwirtschaft
Kreislaufwirtschaft zwischen Green Deal und Praxis
kostenfreies Webinar
11
MÄR
2026
Circular Valley Convention 2026
Gestalten Sie mit uns die Zukunft der Kreislaufwirtschaft - Ticketrabatt für forum-Leser*innen!
40474 Düsseldorf
Alle Veranstaltungen...
forum goes international! Download the international edition for forum free of charge.
Anzeige

Professionelle Klimabilanz, einfach selbst gemacht

Einfache Klimabilanzierung und glaubhafte Nachhaltigkeitskommunikation gemäß GHG-Protocol

Megatrends

Deutsche wünschen starke Führung
Christoph Quarch analysiert die neue Sehnsucht nach Macht und Herrschaft
B.A.U.M. Insights
Lassen Sie sich begeistern von einem Buch, das Hoffnung macht.

Jetzt auf forum:

Industrial Accelerator Act: Dekarbonisierung als Sicherheitsstrategie

Handelsblatt Jahrestagung Stadtwerke 2026, 22./23. April, Berlin

Gute Politik bedient nicht Partikularinteressen

Zukunft braucht Frieden, Resilienz und Unabhängigkeit

Zukunft braucht Frieden

Atomkraft verstärkt die geopolitische Abhängigkeit Europas von Russland und ermöglicht erneutes nukleares Wettrüsten

Starke Partnerschaft für den polnischen Offshore-Markt

Nachhaltigkeit als Wettbewerbsvorteil: Berufsbegleitende Zertifikate zu Dekarbonisierung und Lieferketten

  • Global Nature Fund (GNF)
  • Futouris - Tourismus. Gemeinsam. Zukunftsfähig
  • WWF Deutschland
  • NOW Partners Foundation
  • Dr. Ing. h.c. F. Porsche AG
  • SUSTAYNR GmbH
  • TÜV SÜD Akademie
  • BAUM e.V. - Netzwerk für nachhaltiges Wirtschaften
  • Bundesverband Nachhaltige Wirtschaft e.V. (BNW)
  • World Future Council. Stimme zukünftiger Generationen
  • Engagement Global gGmbH
  • toom Baumarkt GmbH
  • DGNB - Deutsche Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen
  • circulee GmbH
  • Protect the Planet. Gesellschaft für ökologischen Aufbruch gGmbH