Dennis Lotter

Wertvolles vom ehrbaren Kaufmann

Treffen sich ein Öko und ein Yuppie, um gemeinsam die Welt zu retten.

Partnerschaften zwischen NGOs und Unternehmen halten Viele eher für einen schlechten Scherz, als einen ernsthaften Ansatz zur Bewältigung globaler Herausforderungen. Man kann es sich ja bildlich vorstellen: Der NGO-Vertreter, der sich die Müslireste aus dem Norwegerpulli kratzt, während er sich in Ausführungen über die Bedeutung des Paarungsverhaltens von Feld-Sandlaufkäfern für den Weltfrieden verliert... und der Manager, der ohnehin kaum zuhört, weil er damit beschäftigt ist die kooperationsbedingte Steigerung der Imagewerte zu berechnen und seinen Grafiker in der Grün-Färbung des Firmenlogos zu briefen.

Tatsache ist jedoch: Immer mehr NGOs gehen weit über die reine Spendeneintreibung hinaus, langfristige Kooperationen mit der Privatwirtschaft ein und auch Unternehmen holen sich zunehmend die einstige "Gegenmacht" als Experten ins Boot. Globalisierung, Bildungsarmut, Klimawandel - dies sind nur einige der Gründe, die Unternehmen und NGOs dazu bewogen haben, von Konfrontation auf Kooperation umzuschalten. Die ökologischen und gesellschaftlichen Herausforderungen unserer Zeit machen Alleingänge zwecklos. Nur in konsequenter Zusammenarbeit können effektive Bewältigungsansätze entstehen.

Aus Konfrontation wird Kooperation
Wie in jeder guten Partnerschaft gilt es auch hier einige Punkte zu beachten. Ganz oben in den "Beziehungstipps" rangiert die Übereinstimmung von Werten und Zielen der Partner. Leider liegen hier zugleich auch die größten Defizite - die klassische Formel "Gutes Geld gegen guten Ruf" dient noch allzu häufig als Grundlage der Kooperation. In einer persönlichen Befragung des Deutschen Fundraising Verbandes unter knapp 100 NGO- und Unternehmensvertretern wurde von einem Großteil der NGOs die Finanzierung der eigenen Projekte als primäres Kooperationsziel genannt, die Förderung der Reputation ist im Vergleich von geringer Bedeutung. Bei den Unternehmen steht hingegen genau diese Absicht an der Spitze. Entsprechend sehen beide Seiten die größte Herausforderung darin, Ziele und Erwartungen zu definieren und miteinander in Einklang zu bringen.

Professionelles Kooperationsmanagement
Professionalität ist ein weiterer zentraler Erfolgsfaktor, denn häufig scheitern Kooperationsprojekte daran, dass die so erfolgsentscheidenden Ziele gar nicht erst formuliert oder evaluiert werden. Ein professionelles Management und eine stärkere Konzentration auf die inhaltliche Zusammenarbeit werden darum von beiden Seiten als zentrale Ziele für die Zukunft genannt. Dass Corporate Social Responsibility mehr beinhaltet, als gemeinsam mit dem WWF für den Regenwald einen über den Durst zu trinken, müssen viele Unternehmen noch erkennen. Umgekehrt wird aus Organisationssicht der gute Name oder der gemeinnützige Status alleine für eine gewinnbringende Partnerschaft nicht mehr ausreichen.

Die Zusammenarbeit zwischen Unternehmen und NGOs ist schon heute weit mehr als eine Lachnummer, dennoch gilt es noch einen weiten Weg zu gehen. Ein langer Atem und eine gehörige Portion Zuversicht sollten beide Seiten in die Partnerschaft einbringen. Denn wie schon Henry Ford, das vielzitierte Paradebeispiel eines ehrbaren Kaufmanns, sagte: "Zusammenkommen ist ein Beginn, Zusammenbleiben ein Fortschritt, Zusammenarbeiten ein Erfolg."


Von Dennis Lotter und Jerome Braun
 
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