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Die Ergebnisse der Weltnaturschutzkonferenz

Die Staatengemeinschaft fordert von Unternehmen mehr Biodiversity im Business

Die UN-Konferenz über die biologische Vielfalt im japanischen Nagoya endete mit neuen Zielen zur globalen Erhaltung der Natur und einem Abkommen über die Nutzung genetischer Resourcen. Bis 2020 sollen die Überfischung gestoppt und Subventionen beseitigt sein, die der biologischen Vielfalt schaden. Auch Unternehmen sind gefordert. Von ihnen verlangen die 193 Unterzeichnerstaaten eine Umstellung auf nachhaltige Produktion und einen deutlich stärkeren Beitrag zur Erhaltung der Ökosysteme.

Die Staatengemeinschaft und Umweltverbände feiern einhellig die weitreichenden Beschlüsse von Nagoya. Um den dramatischen Verlust der biologischen Vielfalt bis zum Jahr 2020 deutlich zu reduzieren, haben die Regierungen teils ambitionierte Ziele verabschiedet, deren Erreichung nur durch die Einbindung des privaten Sektors möglich ist.

Einige multinationale Unternehmen stellten auf der Weltnaturschutzkonferenz ihr Engagement für die biologische Vielfalt vor - darunter der Rohstoffkonzern Holcim, der Forstkonzern UPM und Volkswagen. Nach Einschätzung zahlreicher Experten in Nagoya ist ein überwiegender Teil der Industrie noch weit davon entfernt, die Chancen und Risiken, die sich aus der Nutzung so genannter Ökosystemdienstleistungen ergeben, zu erfassen und entsprechende Maßnahmen zu ergreifen. Gerade im Bereich der Zulieferkette haben Konzerne die Möglichkeit, durch strengere Vorgaben, Kontrollen und die Abnahme von zertifizierten Produkten einen positiven Einfluss zu nehmen. Beispielsweise muss die Elektronikindustrie als ein wichtiger Abnehmer von metallischen Rohstoffen wie Coltan, Platin und Gold gemeinsam mit den Zulieferern sicher stellen, dass beim Abbau Schutzgebiete erhalten bleiben, giftiger Abraum keine Ökosysteme zerstört und am Ende des Abbaus durch Renaturierungsmaßnahmen die Artenvielfalt mindestens so hoch ist wie vor dem Eingriff.

An Angeboten für Unternehmen, ihre Geschäftsmodelle "biodiversitätsfreundlich" zu gestalten, fehlt es nicht. Zahlreiche staatliche und privat getragene "Business and Biodiversity" Initiativen - darunter auch eine neue japanische Plattform, der über 400 Unternehmen angehören - wurden in Nagoya präsentiert. Aus Deutschland stellte der Global Nature Fund (GNF) den Biodiversitäts-Check und Biodiversitätsforen für kleine und mittlere Unternehmen vor. Der Check hilft festzustellen, wie ein Unternehmen von Naturleistungen abhängig ist und diese beeinflusst. Biodiversitätsforen organisiert die Europäische Business and Biodiversity- Kampagne auf regionaler Ebene in Deutschland, Spanien und den Niederlanden. "Kleine und mittlere Unternehmen (KMU) haben meist einen sehr engen Bezug zur heimischen Natur. Mit unseren regionalen Biodiversitätsforen bieten wir den Unternehmen die Möglichkeit, vor der eigenen Firmentür einen aktiven Artenschutz zu betreiben", so Stefan Hörmann, Leiter der Europäischen Business and Biodiversity-Kampagne des GNF, die durch durch das LIFE+ Programm der Europäischen Union unterstützt wird.

Beim ersten Treffen des Forums für KMU im Bodenseeraum im Oktober informierten sich 80 Unternehmensvertreter über ökologische Begrünung von Firmengeländen und die Einbindung von Biodiversität in das operative Geschäft. Erste erfolgreiche Projekte zwischen Obstbauern, Vermarktern und Einzelhandel zum Schutz der Artenvielfalt in der landwirtschaftlich intensiv genutzten Region setzt die Bodensee-Stiftung, regionaler Partner der Kampagne, gemeinsam mit "Obst vom Bodensee" und REWE um. Weil Bienen und andere Insekten nicht mehr genügend Nahrung finden, legen Obstbauern am Bodensee Blühflächen an, pflanzen Hecken und stellen Nisthilfen für Wildbienen auf.

Mit dem Nagoya-Protokoll ist nach langjährigen zähen Verhandlungen ein neues Regelwerk verabschiedet worden, das den Ländern mit großem biologischem Reichtum ermöglicht, den Zugang zu genetischen Ressourcen zu kontrollieren und sich an Gewinnen aus der Verwendung der Naturstoffe in Produkten zu beteiligen. Von dem neuen Abkommen ist ein Markt betroffen, auf dem geschätzte 350 Milliarden EURO pro Jahr umgesetzt werden. Konkret bedeutet der Beschluss, dass Unternehmen der Pharma-, Chemie-, Lebensmittel- und Kosmetikindustrie vor der Suche nach neuen Wirkstoffen das Herkunftsland bzw. die lokale Bevölkerung um Erlaubnis bitten müssen. Vertraglich wird festgelegt, in welcher Form das Ursprungsland an der Nutzung der genetischen Ressourcen beteiligt wird - dies kann finanzieller Art sein oder auch etwa durch Know-how-Transfer. "Unternehmen haben nun Rechtssicherheit und profitieren von einer vereinheitlichten Regelung, aus der klar hervorgeht, dass der Biopiraterie ein Ende gesetzt wird", kommentiert Stefan Hörmann vom GNF dieses Ergebnis.

www.business-biodiversity.eu

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Quelle:
Umwelt | Biodiversität, 09.11.2010

     
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