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Franz Alt
Umwelt | Klima, 25.08.2026

Die Feuer der Gegenwart wurden vor Jahrzehnten gelegt

Klimaschutz schützt nicht nur die Natur und den Menschen, sondern hilft auch der Wirtschaft

Ich bin Sohn eines Kohlenhändlers. Nach dem zweiten Weltkrieg habe ich zusammen mit meinem Vater den Leuten in unserem badischen Dorf Kohlen in die Keller geschleppt. Damals haben wir unbewusst das Feuer gelegt für die Brände, die wir heute kaum noch löschen können. 

Die Wiedervernässung von Mooren stoppt die Freisetzung von Treibhausgasen. © lauripoldre, pexels.comUnd die neuesten Erkenntnisse der Klimawissenschaft sagen, dass die Feuer bald noch weit schlimmer werden könnten. Kohlenhändler waren Klimasünder so wie heute noch Gas- und Ölhändler Klimasünder sind. In Deutschland war die Kohle die Grundlage für unser aller Wirtschaftswunder. 

Wirtschaftswachstum durch Kohle schenkte uns unseren Wohlstand. Und heute? Heute zahlen wir die Zeche. Und erst recht werden unsere Kinder und Enkel die Zeche bezahlen müssen. Die Warnungen des Club of Rome vor den Folgen des ewigen Wirtschaftswachstums schon im Jahr 1972 blieben nahezu ungehört. Die Wissenschaftler wurden für ihre Prognosen eher lächerlich gemacht.

Was aber können wir tun, um noch Schlimmeres zu verhindern? 
Städte umbauen, Moore vernässen, rasch auf erneuerbare Energien umsteigen und Wälder erneuern. Wenn wir unseren Wohlstand halbwegs halten wollen, dann müssen Klimaschutz und Wirtschaft endlich auch in der Bundesregierung zusammengedacht werden. Denn es zeigt sich, dass kein Klimaschutz riesige wirtschaftliche Schäden verursacht. Klimaschutz schützt nicht nur die Natur und den Menschen, sondern hilft auch der Wirtschaft. 

Wir haben heute keine Erkenntnisprobleme wie die Nachkriegsgeneration, sondern „nur" Umsetzungsprobleme. Und die 14.000 Hitzetote des Jahres 2026 in Deutschland schon bis zum 9. August sollten ein Weckruf sein. Wissenschaftler sind überzeugt, dass die meisten Hitzetote durch eine vorbeugende Politik hätten gerettet werden können.

Klimaschutz ist die große Gemeinschaftsaufgabe der Zukunft
Deshalb ist Vorstoß der SPD-Minister in der Berliner Regierung für mehr Hitze- und Klimaschutz genau richtig. Aber die CDU/CSU-Seite der Koalition zögert noch immer, diese dringende Notwendigkeit anzuerkennen und zu handeln. Der Bund muss endlich mehr Verantwortung für Hitze- und Klimaschutz übernehmen und darf die Verantwortung nicht länger den Ländern und Kommunen zuschieben.

Der Klimawandel macht vor Ländergrenzen nicht halt. Klimaschutz muss auch endlich ins Grundgesetz aufgenommen werden. Die CDU und die CSU dürfen sich über ihre sinkenden Umfragewerte nicht wundern, wenn sie weiterhin beim Klimaschutz auf die Bremse drücken anstatt Gas zu geben. Nichts begünstigt das „Feuerwetter" so sehr wie der Klimawandel. Das weiß spätestens in diesem Sommer auch die Mehrheit der Wählerinnen und Wähler.

Dass Klimaschutz und Wirtschaft heute zusammengehören, hat die EU vorgemacht. In der Europäischen Union sind die Treibhausgas-Emissionen seit 1990 um ein Drittel gesunken, aber die Wirtschaft ist um zwei Drittel gewachsen. Doch ausgerechnet Deutschland ist zurzeit in der EU der größte Bremser beim Klimaschutz, obwohl wir im Jahr 2000 mit dem Erneuerbaren-Energien-Gesetz mal zu den Vorreiteren gehörten.

Wie stark Deutschland und Europa künftig vom Hitzefeuer betroffen sein werden, hängt ganz wesentlich von den Entscheidungen ab, die heute getroffen werden. Das Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung warnt davor, dass sich durch zu wenig Klimaschutz die Waldbrände in Europa bis zum Ende das Jahrhunderts verdreifachen könnten. 

Wie wollen wir diese mögliche Entwicklung vor unseren Kindern und Enkeln und deren Kindern und Enkeln je verantworten?
Franz Alt ist forum-Kurator sowie promovierter Politikwissenschaftler, langjähriger Fernsehjournalist (u. a. ARD/3sat) und Bestsellerautor mit über drei Millionen verkauften Büchern. Als einer der am meisten ausgezeichneten Journalisten Deutschlands engagiert er sich seit Jahrzehnten für Energiewende, Menschenrechte und spirituelle Fragen.
 
Kontakt: Sonnenseite, Franz Alt | franzalt@sonnenseite.com | www.sonnenseite.com/de/ 

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