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Andreas Bley

Was der Wald wirklich leistet

Investition in die Zukunft

Wenn von nachhaltigen Investitionen die Rede ist, geht es oft um Photovoltaikanlagen, um grüne Start-ups oder energieeffiziente Gebäude – selten um Bäume. Der volkswirtschaftliche Wert von Ökosystemen wie Wäldern ist so etwas wie der blinde Fleck der Nachhaltigkeits­debatte. Das sollte sich laut einer Studie des IÖW ändern.

Über eine Million Setzlinge haben die Volksbanken Raiffeisenbanken bereits finanziert. Diese werden in der kalten Jahreszeit von der Schutzgemeinschaft Deutscher Wald gepflanzt. © Schutzgemeinschaft Deutscher WaldEin gesunder Mischwald schafft immense ökologische, gesellschaftliche und monetäre Werte: Er trägt zur Reinigung der Luft bei, speichert CO2, stabilisiert das Klima, fördert die Biodiversität, fungiert als Wasserspeicher und bietet einen wertvollen Erholungsort für uns Menschen. Und: einige dieser so genannten Ökosystemleistungen lassen sich konkret beziffern und monetarisieren. Wiederaufforstungsprojekte können so zu einem wertvollen Bestandteil unternehmerischer Nachhaltigkeitsstrategien
werden.

Was ist (uns) der Wald wert? Eine Studie schafft Klarheit
In vielen Gegenden ist der Wald in einem erbärmlichen Zustand. Auch der Schwarzwald wird davon nicht verschont. © Fritz Lietsch
Eine vom Bundesverband der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken (BVR), anlässlich der genossenschaftlichen Klima-Initiative, in Auftrag gegebene und vom Institut für ökologische Wirtschaftsforschung (IÖW) durchgeführte Studie hat kürzlich die hohe gesellschaftliche Rendite von Wiederaufforstung eines Mischwaldes ermittelt.
 
Das Ergebnis: Ein Hektar aufgeforsteter Wald generiert jedes Jahr Leistungen im Wert von 10.500 Euro – allein durch CO2-Speicherung, Luftfilterung, Nährstoffrückhalt und Landschaftsaufwertung.Auf einen Zeitraum von 30 Jahren hochgerechnet, beläuft sich der gesellschaftliche Nutzen der Aufforstung bei einer Abzinsung mit 3 Prozent auf rund 200.000 Euro pro Hektar.
 
Die Kosten der Aufforstung liegen demgegenüber nach Berechnungen des Thünen-Instituts, ein unabhängiges Forschungsinstitut das dem Bundesministerium für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat zugeordnet ist, je nach Ort und Baumart zwischen rund 5.500 und 17.000 Euro pro Hektar. „Damit übersteigt der gesellschaftliche Nutzen die Kosten der Wiederaufforstung um ein Vielfaches", erklärt Studienautor Dr. Jesko Hirschfeld vom IÖW.
 
Wird konservativ die Obergrenze der Kostenspanne zugrunde gelegt, bringt ein Euro, der in den Wald investiert wird, der Allgemeinheit einen Gegenwert von zwölf Euro. Eine Gemeinwohlrendite von 1.100 Prozent. „Die Ergebnisse unterstreichen die ökonomische Relevanz von Wiederaufforstungen und zeigen, dass sich Investitionen aus gesellschaftlicher Perspektive um ein Vielfaches auszahlen.", so Dr. Hirschfeld weiter.
 
„Wir brauchen die Mithilfe und das Engagement aller.”
Christoph Rullmann, Bundesgeschäftsführer der Schutzgemeinschaft Deutscher Wald

Der Zustand des deutschen Waldes ist alarmierend! Unternehmen sind gefragt
Eine Investition in den deutschen Wald lohnt sich nicht nur aus gesellschaftlicher Perspektive, sie ist auch dringend notwendig! Der letzten Waldzustandserhebung zu Folge sind aktuell bereits 525.000 Hektar des deutschen Waldes so geschädigt, dass sie aufgeforstet werden müssen – nur noch etwa jeder fünfte Baum ist wirklich gesund. Das sind auch die bereits spürbaren Auswirkungen des Klimawandels, wie anhaltende Dürreperioden, Schädlingsbefall oder häufigere Extremwetterereignisse.
 
Rasches und gleichzeitig wohl überlegtes Handeln ist gefragt – auch von Seiten der deutschen Wirtschaft. Denn der großflächige, klimaresiliente Waldumbau ist teuer – und chronisch unterfinanziert.
 
Insbesondere für mittelständische Unternehmen, für die die Nähe zur Region, nachhaltiges Wirtschaften und langfristiges Denken zur DNA gehören, liegt darin eine große Chance. Denn ob durch die Corporate Sustainability Reporting Directive oder die Anforderungen der EU-Taxonomie: Auch für mittelständische Unternehmen erhöht sich zunehmend der Druck, in die eigene Nachhaltigkeitsarbeit zu intensivieren. Doch welche Art von Engagement ist wirklich wirksam? Und wie lässt sich Wirkung messen und in Zahlen fassen? Viele CFOs und Nachhaltigkeitsverantwortliche in mittelständischen Unternehmen beschäftigen sich aktuell mit genau diesen Fragen.

Eine Antwort sieht so aus: Mit einem Beitrag zum klimaresilienten Umbau von deutschen Wäldern lässt sich das eigene Nachhaltigkeitsprofil schärfen und sinnvoll in die Zukunft investieren – dank der konkret bezifferbaren Wirkung. Der entscheidende Vorteil: Unternehmen, die ihr Engagement in klaren, aussagekräftigen Zahlen darstellen können, sichern ganz unmittelbar ihre eigene (finanzielle) Zukunftsfähigkeit. Denn nachweislich wirkungsvolle Nachhaltigkeitsaktivitäten erhöhen die eigene Finanzierbarkeit, stärken die Reputation und die Arbeitgeberattraktivität und untermauern das ESG-Reporting.
 
„Die gesamte deutsche Waldfläche entlastet die Atmosphäre jährlich um 62 Millionen Tonnen CO2. Das entspricht sieben Prozent der nationalen Treibhausgasemissionen.”
Waldstrategie 2050

Die Ökosystemleistungen jedes zusätzlichen Hektars Wald haben einen enormen Wert für die Gesellschaft, wie diese Grafik anschaulich zeigt

Die Praxis zeigt: es geht!
Seit 2022 haben die Volksbanken Raiffeisenbanken unter dem Dach der „Klima-Initiative" bereits mehr als 1,2 Millionen Setzlinge finanziert und in enger Partnerschaft mit der Schutzgemeinschaft Deutscher Wald bis Juli 2024 über 560 Hektar Mischwald wieder aufgeforstet. Für eine solche Fläche summiert sich der gesellschaftliche Wert der Wiederaufforstung auf über 100 Millionen Euro.

Die tatsächlichen Erträge dürften, so die Studienautoren, noch deutlich höher sein: „Viele weitere Ökosystemleistungen wie Biodiversität, Temperaturregulierung oder Wasserspeicherung sind in unserer Studie noch nicht berücksichtigt. Zudem wurden die Kosten der Wiederaufforstung mit 17.000 Euro pro Hektar veranschlagt und damit die Obergrenze der standortabhängigen Kostenspanne verwendet", gibt Dr. Hirschfeld zu bedenken.

Den Rahmen für die bundesweite Baumpflanzaktion „Wurzeln" der Volksbanken Raiffeisenbanken bildet die Klima-Initiative „Morgen kann kommen", die mehrere Projekte und Initiativen des BVR und seiner Mitgliedsbanken bündelt. Seit Kurzem laden die Volksbanken Raiffeisenbanken auch Bürgerinnen und Bürger dazu ein, sich mit einer Spende für Baumsetzlinge in zwölf Wäldern Deutschlands, die besonders stark vom Klimawandel betroffen sind, zu engagieren.
 
Mit sichtbarem Effekt für die Region direkt vor unserer Haustür oder die Region, die uns besonders am Herzen liegt und im Sinne des genossenschaftlichen Mottos „Was Einer allein nicht schafft, das schaffen Viele". Schon mit einer Spende von 7,50 Euro für einen Baumsetzling kann jeder dazu beitragen, die Zukunft des deutschen Waldes aktiv mitzugestalten.

Fazit: investieren in das, was zählt
Trotz ihres erheblichen Nutzens spielen Ökosystemleistungen wie die von Wäldern in politischen und wirtschaftlichen Entscheidungen bislang noch eine untergeordnete Rolle. Dabei zeigen Studien wie die obige: Investitionen in Wälder zahlen sich aus – für uns alle. Wiederaufforstungsmaßnahmen zu finanzieren, ist also weit mehr als ein idealistisches Naturprojekt. Es leistet einen wichtigen Beitrag zur Resilienz und Zukunftsfähigkeit unserer Gesellschaft und Wirtschaft.

 
Dr. Andreas Bley ist Chefvolkswirt des Bundesverbandes der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken (BVR) und leitet dort den Bereich Volkswirtschaft/ Mittelstandspolitik.

Profis für Studien

Das Institut für ökologische Wirtschaftsforschung (IÖW) ...
... ist eines der führenden wissenschaftlichen Institute für praxisorientierte Nachhaltigkeitsforschung mit Sitz in Berlin. Seit seiner Gründung im Jahr 1985 widmet sich das gemeinnützige Institut der Frage, wie Wirtschaft und Gesellschaft ökologisch und sozial zukunftsfähig gestaltet werden können. Das IÖW entwickelt wissenschaftlich fundierte Strategien und Handlungsansätze für eine Ökonomie, die ein gutes Leben ermöglicht und zugleich die natürlichen Lebensgrundlagen bewahrt.

Das IÖW arbeitet im Austausch mit Politik, Wirtschaft, Wissenschaft und Zivilgesellschaft – unter anderem im Rahmen von Forschungsprojekten der Europäischen Union und des UN-Umweltprogramms (UNEP). www.ioew.de

Dieser Artikel ist in forum 04/2025 - Zukunft gestalten erschienen.



     
        
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