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"Frieden mit der Natur - Frieden unter den Menschen"

Die Kirchberger Erklärung zum Frieden ist das wegweisende Ergebnis des IX. World Organic Forums 2026 auf Schloss Kirchberg

Unter dem Leitgedanken „Frieden neu denken – Frieden mit der Natur und unter den Menschen" formuliert sie eine gemeinsame Vision für eine ökologisch intakte, solidarische und sozial gerechte Welt. Denn wahrer Frieden beginnt nicht erst dort, wo Waffen schweigen. Er wächst dort, wo natürliche Lebensgrundlagen bewahrt, Menschenrechte geachtet, Ernährung gesichert und gesellschaftliche Verantwortung übernommen wird. Die Erklärung verbindet ökologische Landwirtschaft, Klimaschutz und den Erhalt der Biodiversität mit globaler Gerechtigkeit, friedlicher Konfliktlösung und einem respektvollen Miteinander. Lesen Sie die Positionen und Forderungen der Referierenden und Teilnehmenden – als entschlossenen Appell für eine lebenswerte, friedliche und zukunftsfähige Welt.
 
Die Teilnehmenden des IX. World Organic Forums 2026 auf Schloss Kirchberg © Akademie Schloss Kirchberg

Präambel

Klimakrise, Verlust an Artenvielfalt, militärische Konflikte, Bürgerkriege, Drogenkriege, gesellschaftliche Spaltungen, Volksverhetzung, Rechtsextremismus und die Verbreitung von Hass in sozialen Medien verdeutlichen, wie gefährdet existentielle Lebensumstände für immer mehr Menschen sind, wie verletzlich ein friedliches Zusammenleben sein kann. Frieden neu zu denken, stellt deshalb tägliche, achtsame Friedenspraxis in den Mittelpunkt. Also die engagierte Suche danach, wie Frieden weltweit im Alltag eines jeden Menschen gestaltet werden kann. Schulen, Familien, Vereine, politische Akteure und die Wirtschaft tragen gemeinsam Verantwortung dafür, Werte wie Toleranz, Gerechtigkeit und Mitmenschlichkeit zu fördern und vor allem die Lebensgrundlagen zu bewahren. Dazu gehört eine Bildung, die ein Bewusstsein globaler Identität in der alltäglichen Lebenswirklichkeit prägt, also die Global Citizen Education.

© Akademie Schloss KirchbergFrieden neu zu denken, bedeutet auch, Frieden mit der Natur zu schließen. Frieden mit der Natur heißt, unsere gemeinsamen Lebensgrundlagen zu regenerieren - auch für nachfolgende Generationen. Biodiversität, ein stabiles Klima, gesunde Böden, sauberes Wasser und nachhaltige Ernährungssysteme sind die Grundlage für Gesundheit, wirtschaftliche Entwicklung und gesellschaftlichen Frieden. Deshalb ist der Schutz dieser Lebensgrundlagen keine alleinige Umweltaufgabe, sondern zentraler Bestandteil präventiver Friedenspolitik. Dauerhafte Lösungen entstehen dort, wo ökologische Verantwortung, wirtschaftliche Perspektiven und die Beteiligung der Menschen vor Ort zusammenkommen.

Industrialisierte, agro-chemische Landbausysteme, tief eingreifende Landnutzungsänderungen, international verflochtene Agrarstrukturen, ausbeuterisches Wirtschaften, der gewaltige Energiehunger, die menschgemachten Verluste an Biodiversität und klimatische Veränderungen mit ihren Folgen, sind neben Kriegen die weltweit schlimmsten Formen der Zerstörung der natürlichen Lebensgrundlagen auf dem Planeten. Frieden mit der Natur zu schließen, setzt weltweit verstärkten Einsatz für den Erhalt der natürlichen Lebensgrundlagen voraus, also Education for Ecological Literacy.
 

1. Unsere Vision:

Wir haben die Vision einer ökologisch intakten und friedlichen, solidarischen und sozial gerechten Welt. Wenn wir erfolgreich sein wollen, müssen wir uns vernetzen und verbünden: Umwelt- und Friedensbewegung, Frauen- und Klimabewegung, Glaubensgemeinschaften, Gewerkschaften, Stiftungen und Bildungseinrichtungen. Gemeinsam wird es uns gelingen, der allgemein vorherrschenden Politik der Destruktion und der Dystopien Schritt für Schritt Einhalt zu gebieten und eine friedvollere Welt zu schaffen. Agrarökologische und vor allem die ökologische Landwirtschaft weltweit zu etablieren, ist konkrete Friedensarbeit.

2. Unsere Forderungen:

Wir fordern: Frieden mit der Natur!
  • Ökologischer Landbau, Agrarökologie, Agroforst und Permakultur müssen primär gefördert werden. Sie sind Grundlage einer Ernährungssicherung weltweit und können zum Frieden zwischen Hirtenvölkern und sesshaften Landbewirtschaftungsformen nachweislich genauso beitragen, wie zu geringeren Eingriffstiefen in Boden, Wasser und Landschaft. Dazu gehört auch der Aufbau regionaler Wertschöpfungsketten rund um die wirtschaftliche Befriedigung der menschlichen Grundbedürfnisse im Sinne einer Ökologie der kurzen Wege.

  • Keine irreversiblen Eingriffe in das Erbgut von Pflanzen, Tieren, Bodenlebewesen und Menschen vornehmen. Keine industrielle Dominanz über Erbgut gleich welcher Lebensform zulassen.

  • Die Zahl der Nutztiere muss deutlich verringert werden, um unter anderem Flächen- und Nahrungskonkurrenzen zwischen Tier und Mensch signifikant zu reduzieren. Die Tierhaltung ist artgerecht zu gestalten.
Frauen-Podium im Austausch über Solidarität: v.l.n.r. Janet Maro, Geschäftsführerin von ‚Sustainable Agriculture Tanzania‘ (SAT), Journalistin Thalea Nowak, die ehemalige Landwirtschaftsministerin Renate Künast, Carolyn Hutter, Professorin an der Dualen Hochschule Baden-Württemberg (DHBW) Heilbronn, und Moderator Prof. Dr. Franz-Theo Gottwald, Senior Advisor der Akademie Schloss Kirchberg © Akademie Schloss KirchbergWir fordern: Frieden unter den Menschen!
  • Konsequente Einhaltung des Völkerrechts und seiner grundlegenden Prinzipien: die Souveränität jeden Staates, der Respekt vor seinen territorialen Grenzen und die Gleichberechtigung der Staaten untereinander sind essenziell. Wir fordern die Stärkung der UN-Organisationen, um Ökozide, Genozide und Ressourcen-Kriegen als Weltgesellschaft aktiv zu begegnen.

  • Solidarität über die nationalen und historisch gewachsenen Grenzen und der Abbau von Vorurteilen gegenüber Menschen mit anderer kultureller und sozialer Herkunft sind dabei die Leitwerte. Nachhaltige Ernährungssysteme müssen als Bestandteil einer präventiven Friedenspolitik anerkannt werden.

  • Politische Entscheidungen sind zentral an den Zielen Ernährungssicherung, Gesundheit, Klimaresilienz und sozialer Stabilität auszurichten. Das Recht auf Nahrung beinhaltet den Erhalt regional typischer Lebensmittel ohne Patente. Dabei müssen insbesondere Frauen in die Entscheidungen aktiv und gleichberechtigt einbezogen werden, denn sie spüren die Folgen von Klimawandel, Bodendegradation und Wasserknappheit als erste.

  • Weltweite Friedenssicherung setzt ein kohärent gestaltetes Miteinander von Armutsbekämpfung, Ernährungssicherung, Friedensbildung in Familie und in Schule voraus. Faire Zugänge zu knappen Ressourcen natürlicher und technologischer Art sind zu gewährleisten.

  • Gezielte Stärkung bäuerlicher und nachhaltiger Landwirtschaft weltweit braucht faire Marktbedingungen, den Schutz natürlicher Ressourcen sowie Investitionen in Bildung, Forschung und regionale und resiliente Wertschöpfungsketten.

  • Wer Frieden schafft, muss geschützt werden. Menschen, die sich für Dialog, Versöhnung und Gerechtigkeit einsetzen, dürfen nicht zur Zielscheibe gesellschaftlicher Übergriffe werden. Es braucht konkrete Schutzmechanismen und politische Verantwortung für ihre Sicherheit. Geflüchtete sind besonders schutzbedürftig und müssen menschlich behandelt werden.
Im Geiste aller friedensbewegten Menschen, ob jung oder alt, gilt es die rasant voranschreitende Militarisierung und Aufrüstung zu stoppen. Wir unterstützen gewaltfreie Strategien der Konfliktlösung. Sie sind wesentlich erfolgreicher als militärische. Unsere Vision umfasst Frieden mit der Natur und unter den Menschen.

V.i.S.d.P: Rudolf Bühler, Vorsitzender Stiftung Haus der Bauern, Schloss Kirchberg
Prof. Dr. Franz-Theo Gottwald, Senior Advisor, Akademie der Bauern, Schloss Kirchberg

Die Kirchberger Erklärung ist Ergebnis des World Organic Forums 2026. Sie hält Positionen und Forderungen der Referentinnen und Teilnehmerlnnen zu einer erneuerten und erweiterten Friedensarbeit fest.

Thalea Nowak, Redakteurin von forum future economy, gab einen Impuls zum Thema "Frauen und Frieden" und gestaltete ein Panel u.a. mit der Bundesministerin a. D. Renate Künast, Prof. Carolyn Hutter und Prof. Dr. Franz-Theo Gottwald. Lesen Sie auch ihren gleichnamigen Beitrag aus dem aktuellen forum-MagazinFrauen und Frieden. Betroffen und überhört.


     
        
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