Umwelt | Biodiversität, 20.05.2026
Ausbau von Chinas Seidenstraße gefährdet Artenvielfalt weltweit
Neue Studie von Pro Wildlife: Auch TCM-Produkte in Europa enthalten bedrohte Arten
Eine neue Studie von Pro Wildlife, die soeben in der Fachzeitschrift Chinesische Medizin (Springer-Verlag) erschienen ist, zeigt: Die Traditionelle Chinesische Medizin (TCM) wird über die Neue Seidenstraße Chinas gezielt weltweit verbreitet – mit dramatischen Folgen für den globalen Artenschutz, denn für die Rezepturen werden Millionen Wildtiere verarbeitet: „Ein fataler Teufelskreis: Kaum wird eine Art seltener oder strenger geschützt, gerät die nächste ins Visier und die Nachfrage verlagert sich”, warnt Dr. Sandra Altherr, Hauptautorin der Studie. „Damit sind immer neue Spezies und immer entferntere Regionen betroffen – von Löwen in Afrika über Ozelots und Jaguare in Südamerika bis hin zu Umberfischen aus aller Welt.”
Alte und neue Trends in der TCMNashornhorn gegen Fieber, Schildkrötenpanzer gegen Menstruationsbeschwerden, Kiemenplatten von Teufelsrochen als Krebsmittel: TCM-Rezepturen treiben den globalen Wildtierhandel weiter voran – trotz Fortschritten im internationalen Artenschutzrecht.
„Die Wilderei ist für Nashörner bis heute die größte Bedrohung. Und auch die Saiga-Antilope, deren Horn als Ersatz propagiert wurde, ist längst im Fokus der Wilderer", berichtet Zweitautorin Daniela Freyer. Nashorn- wie auch Saiga-Horn gilt in der TCM als Substanz zur Fiebersenkung und Entgiftung, obwohl es hauptsächlich aus Keratin besteht – dem gleichen Material wie menschliche Fingernägel.
Ein neuer Trend in der eigentlich Traditionellen Medizin sind getrocknete Schwimmblasen von Umberfischen, die tausende Euro pro Stück erzielen können. Weil die seit wenigen Jahrzehnten begehrten Fischarten Totoaba und Bahaba fast ausgerottet sind, werden aktuell weltweit v.a. große Umberfische gefangen. Die Studie von Pro Wildlife zeigt: Inzwischen sind mehr als 110 Länder in den weltweiten Handel mit Schwimmblasen involviert – ein Handel, der immer neue Fischarten bedroht.
Neue Seidenstraße verschärft das Artenschutzproblem – auch in der EU
Die globale Reichweite der TCM wächst rasant – auch durch den Ausbau der "Neuen Seidenstraße”. Die chinesische Regierung fördert die Verbreitung traditioneller Medizin systematisch im Rahmen ihres weltweiten Handels- und Infrastruktur-Netzes und verpflichtet Partnerländer, die TCM ebenfalls zu fördern. So wurden bereits mehr als 100 TCM-Arzneimittel in Partnerländern registriert. Im Sommer 2025 war die TCM laut Chinas nationaler Gesundheitskommission bereits in 196 Ländern verbreitet.
In der Europäischen Union wurden allein im Zeitraum 2021-2023 mehr als 100.000 medizinische Präparate mit Bestandteilen international geschützter Tierarten beschlagnahmt. „Aus Artenschutzsicht ist die Expansion von TCM-Produkten höchst besorgniserregend. Auch in Deutschland, Österreich, Luxemburg und der Schweiz sind Präparate mit Wildtierbestandteilen in TCM-Praxen und Online-Apotheken erhältlich – von Schildkrötenpanzern bis zu Seepferdchen", so Altherr.
Die Autorinnen und Mitbegründerinnen der Artenschutzorganisation Pro Wildlife sehen drei Hebel zur Reduktion der Nachfrage nach TCM-Produkten, die bedrohte Arten enthalten: „Wir brauchen strikte Gesetze, einen konsequenten Vollzug, und Aufklärung der TCM-Praktiker und Konsumenten – genau da setzt unsere Studie an", erläutert Altherr abschließend.
Hintergrundinfos:
Über Pro Wildlife
Pro Wildlife ist eine gemeinnützige Organisation, die sich weltweit für den Schutz von Wildtieren und ihren Lebensräumen einsetzt. Unser Ziel ist es, die Artenvielfalt zu erhalten und Tiere zu retten. Dabei ist uns das Überleben der Arten in ihrem Lebensraum, aber auch der Schutz des einzelnen Tieres wichtig. Wir setzen uns für bessere Gesetze und effektive Schutzmaßnahmen für Wildtiere ein. In verschiedenen Ländern unterstützen wir Hilfsprojekte für Tiere in Not, helfen bei der Erhaltung von Lebensräumen und setzen uns für die Koexistenz von Mensch und Wildtier ein.
Kontakt: Pro Wildlife e.V., Dr. Sandra Altherr | sandra.altherr@prowildlife.de | www.prowildlife.de
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