Garten-PV - Stromkosten um fast 80 Prozent gesenkt!
Jürgen Megow

Klimaresilient wirtschaften

Wie Normen und Standards helfen, gesetzliche Klimaanforderungen umzusetzen

Die 1,5-Grad-Marke ist überschritten – die Folgen für Wirtschaft und Infrastruktur sind massiv. Um Schäden in Billionenhöhe zu vermeiden, braucht es mehr als Klimaschutz: Unternehmen müssen jetzt klimafest werden. Normen und Standards bieten dafür konkrete Werkzeuge – und stärken die Wettbewerbsfähigkeit im Wandel.

© Adobe Stock / Branislav KapetanovicAnfang 2025 erklärte der Klimawandeldienst Copernicus 2024 zum wärmsten Jahr seit 1850. Erstmals überschritt die globale Durchschnittstemperatur die 1,5-Grad-Marke. Hitzewellen und Regenfälle brachten weltweit Menschen in Not.
 
Laut einer Studie des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung („The economic commitment of climate change") verursachen die Folgen des Klimawandels weltweit jährlich Schäden von 38 Billionen US-Dollar. Die Zahl verdeutlicht Handlungsbedarf: Wirtschaft und Gesellschaft müssen sich anpassen, um hohe Folgekosten zu vermeiden. Normung und Standardisierung spielen dabei eine entscheidende Rolle.

Weichen stellen für die Zukunft
Das Klimaanpassungsgesetz (KAnG), das seit dem 1. Juli 2024 gilt, bildet die Grundlage für die Klimaanpassungsstrategie. Im Zentrum stehen klare Verpflichtungen: Die Bundesregierung muss eine umfassende Klimaanpassungsstrategie mit überprüfbaren Zielen entwickeln und regelmäßig aktualisieren. Auch die Bundesländer sind angehalten, eigenständige Pläne zu erarbeiten und umzusetzen.
 
Ziel ist es, kritische Infrastrukturen wie Energie- und Wassernetze so zu stärken, dass sie gegen klimatische Extremereignisse gewappnet sind – heute und in Zukunft. Wesentlich für die Umsetzung dieser Maßnahmen sind technische Mindeststandards, die in Normen und Regelwerken festgeschrieben werden. Das Deutsche Institut für Normung e.V. (DIN) arbeitet gemeinsam mit Fachleuten daran, Klimaanpassung systematisch in die Normungsprozesse zu integrieren.

„Extremwetterereignisse nehmen zu, Klimaresilienz wird zum Muss – Normen und Standards liefern das Handwerkszeug, um Gesetze greifbar zu machen und bei der Klimaanpassung nicht im Regen zu stehen.”

So helfen Normen bei Klimaanpassungen
DIN, die Deutsche Kommission Elektrotechnik Elektronik Informationstechnik (DKE) und der Verband der Elektrotechnik Elektronik Informationstechnik (VDE) haben ein Konzept zur Unterstützung der deutschen Anpassungsstrategie erarbeitet, das durch Pilotprojekte wie im Bereich Wasserbau erprobt wird. Normen und Standards definieren Anforderungen, zum Beispiel zur Widerstandsfähigkeit von Infrastrukturen, zu Prüfmethoden oder zur Berücksichtigung klimatischer Einflüsse. Ein Beispiel ist die „Schwammstadt", die Wasser speichert und Überschwemmungen verhindert. Damit solche Konzepte umgesetzt werden können, müssen bestehende Normen für Abwasserleitungen angepasst werden.

Auch extreme Temperaturen machen Änderungen in Normen notwendig, etwa bei DIN V 18599-10 zur energetischen Bewertung von Gebäuden oder bei Vorgaben zum Hitzeschutz. Welche Normen aktualisiert werden müssen, entscheidet sich in den Normungsgremien. DIN hat eine Klima-Toolbox entwickelt, mit der Expertinnen und Experten schnell prüfen können, ob Normen durch den Klimawandel beeinflusst werden. Die Toolbox ermöglicht zudem eine systematische Überprüfung aller Normen auf ihre Relevanz für Klimaschutz und Klimaanpassung.

Widerstandskraft als Wettbewerbsfaktor
Unternehmen, die gemäß ESRS E1 (European Sustainability Reporting Standard) berichtspflichtig sind, müssen Risiken und Chancen im Zusammenhang mit dem Klimawandel offenlegen. Normen und Standards bilden dabei die Grundlage für eine vergleichbare, zuverlässige und transparente Berichterstattung. Hier liefert die DIN EN ISO 14064-1 Anleitungen, um Treibhausgasemissionen zu ermitteln und unterstützt bei der zugehörigen Berichterstattung. Und Normen wie DIN ISO 31000 zum Thema Risikomanagement helfen Unternehmen auch bei der Analyse von Klimarisiken und Chancen. Das heißt: Normen und Standards reduzieren den Aufwand für die Entwicklung eigener Methoden, erhöhen die Glaub­würdigkeit der Berichterstattung und tragen zu einer besseren Vergleichbarkeit auch auf internationaler Ebene bei.

Dr. Jörg Megow ist promovierter Physiker und beim Deutschen Institut für Normung (DIN) Projektkoordinator Climate Action. Die von ihm koordinierte DIN-Aktionsgruppe Klima hat die Aufgabe, Fachgremien in die Lage zu versetzen, Klimaschutz, Anpassung an den Klimawandel und zirkuläre Konzepte in ihrer Normungsarbeit zu berücksichtigen

Dieser Artikel ist in forum 02/2026 - Zukunft braucht Frieden erschienen.



     
        
Cover des aktuellen Hefts

Frau Reiche – es reicht!

forum 03/2026

  • Resilienz
  • Klimafinanzierung
  • Wald
  • Startups
Weiterlesen...
Kaufen...
Abonnieren...
12
JUL
2026
IX. World Organic Forum 2026
Frieden neu denken!
74592 Schloss Kirchberg/Jagst
15
JUL
2026
Dialogkiosk / Dolce Città im Ruffini Mercato
Partizipative Werk.Stadt am Rindermarkt
80331 München
28
SEP
2026
Zertifikatskurs „Sustainability Management“
Wir verbinden Nachhaltigkeit und Wirtschaftlichkeit!
95447 Bayreuth
Alle Veranstaltungen...
POWTECH TECHNOPHARM 2026
Anzeige

Der Mittelstand im ESG-Dschungel. Sie müssen nicht alles machen. Sie müssen nur wissen, was.

Sie erhalten einen klaren Fahrplan: was jetzt zu tun ist, was Sie auf dem Schirm behalten sollten und was Sie getrost ignorieren können.

Digitalisierung

Magnifica Humanitas - Über die Bewahrung des Menschen im Zeitalter der Künstlichen Intelligenz
Christoph Quarch begrüßt die Enzyklika von Papst Leo XIV. als wertvollen Debatten-Beitrag
B.A.U.M. Insights
Hier könnte Ihre Werbung stehen! Gerne unterbreiten wir Ihnen ein Angebot

Jetzt auf forum:

BNW zum Gebäudemodernisierungsgesetz: Kaum Konsequenz trotz breiter Kritik

BEINAHE - Wenn Funktionieren zum Dauerzustand wird

Gefahr für europäische Schutzstandards

Sucht und Psyche sprechen dieselbe Sprache – nur die Systeme nicht

New Certificate Makes Fossil-Free Materials Competitive

Frieden neu denken!

KPX Chemical & Chinyang Polyurethane erschließen das Geschäftsfeld des Recyclings von Polyurethan-Weichschaum

500 Milliarden Euro und eine Hitzewelle später: Deutschland muss jetzt liefern

  • ZamWirken e.V.
  • Klimabündnis Ebersberg-München
  • BAUM e.V. - Netzwerk für nachhaltiges Wirtschaften
  • DGNB - Deutsche Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen
  • Engagement Global gGmbH
  • WWF Deutschland
  • Energie- und Klimaschutzagentur Rheinland-Pfalz GmbH
  • Futouris - Tourismus. Gemeinsam. Zukunftsfähig
  • World Future Council. Stimme zukünftiger Generationen
  • Protect the Planet. Gesellschaft für ökologischen Aufbruch gGmbH
  • 66 seconds for the future
  • Dr. Ing. h.c. F. Porsche AG
  • TÜV SÜD Akademie
  • Global Nature Fund (GNF)
  • SUSTAYNR GmbH
  • Bundesverband Nachhaltige Wirtschaft e.V. (BNW)
  • NOW Partners Foundation