Technik | Energie, 15.05.2026

Neue Studie entzaubert „Wunderpflanzen“ für die Herstellung von Kraftstoffen

Deutsche Umwelthilfe fordert Elektrifizierung statt Verbrennung umweltschädlicher Rohstoffe

  • Zwischenfrüchte und Pflanzen von stark degradierten Flächen liefern nur sehr begrenzte Mengen für alternative Kraftstoffe
  • Verfügbare Mengen entsprechen nur einem Bruchteil des Kraftstoffbedarfs selbst bei optimistischen Szenarien
  • DUH warnt vor erheblichen Klima- und Umweltrisiken durch Einsatz dieser Pflanzen als Rohstoff für den Verkehr und fordert stattdessen Elektrifizierung
Die DUH warnt davor, auf sogenannte Zwischenfrüchte und Pflanzen von stark degradierten Flächen wie Raps als neue Wunderlösung für Kraftstoffe im Verkehr zu setzen. © back-inbalance, pixabay.comDie Deutsche Umwelthilfe (DUH) warnt davor, auf sogenannte Zwischenfrüchte und Pflanzen von stark degradierten Flächen wie Rizinus oder Raps als neue Wunderlösung für Kraftstoffe im Verkehr zu setzen. Eine neue Studie von Cerulogy im Auftrag des Europäischen Dachverbands Transport & Environment (T&E), bei dem die DUH Mitglied ist, zeigt: Die Potenziale, diese Rohstoffe in der EU anzubauen, sind äußerst gering. Sie können nicht einmal die Nachfrage in der Luftfahrt ansatzweise decken. Zugleich sind die für Agrokraftstoffe verwendeten Pflanzen mit erheblichen ökologischen Risiken verbunden. Die DUH fordert deshalb von der Bundesregierung, sich nicht von falschen Versprechen blenden zu lassen, die Förderung dieser Rohstoffe für den Straßenverkehr zu stoppen und die Elektrifizierung weiter voranzutreiben.

Die Studie zeigt konkret: Die Umwandlung der Flächen zum Anbau solcher Ölpflanzen kann die Biodiversität schwächen, zusätzlichen Düngemitteleinsatz verursachen und durch direkte oder indirekte Landnutzungsänderungen erhebliche Zusatzemissionen auslösen. Bei Pflanzen von stark degradierten Flächen drohen gegenüber fossilen Kraftstoffen durch Neuerschließung von Anbauflächen bis zu doppelt so hohe Emissionen. Unklare Definitionen, fehlende Kartierungen und schwache Zertifizierungssysteme erhöhen darüber hinaus das Risiko von Betrug, insbesondere bei Importen aus schwer kontrollierbaren Lieferketten. 

Jürgen Resch, Bundesgeschäftsführer der DUH: „Wer aus angeblichen ‚Wunderpflanzen‘ einen Freifahrtschein für neue Verbrenner-Kraftstoffe basteln will, betreibt klimapolitische Irreführung und schafft neue Importabhängigkeiten. Die Studie zeigt glasklar: Diese Rohstoffe sind mit hohen Umweltrisiken verbunden und für den Straßenverkehr schlichtweg nicht verfügbar. Selbst unter optimistischen Annahmen reichen die Mengen nicht einmal aus, um den Bedarf schwer elektrifizierbarer Sektoren wie der Luftfahrt auch nur annähernd zu decken. Mit der Elektrifizierung haben wir eine skalierbare Lösung für den Straßenverkehr – dafür muss die Bundesregierung stärkere Anreize schaffen."

Sascha Müller-Kraenner, Bundesgeschäftsführer der DUH: „Anbaubiomasse im Tank ist und bleibt ein ökologischer Irrweg, auch dann, wenn sie unter neuen Etiketten vermarktet wird. Der Anbau von Energiepflanzen verschärft den Nutzungsdruck auf Böden, Wasser, Artenvielfalt und schwächt natürliche Kohlenstoffspeicher. Wer wertvolle Flächen für Kraftstoffe nutzt, statt sie für Ernährung, Naturschutz oder natürliche Klimaspeicherung zu sichern, verschiebt die Umweltkosten nur in andere Regionen und zukünftige Generationen. Die Politik muss unsere Biodiversität und Artenvielfalt schützen und die Förderung dieser Scheinlösung stoppen."
 
Downloads:

Kontakt: Deutsche Umwelthilfe e. V. (DUH), Jürgen Resch | resch@duh.de | www.duh.de



     
        
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