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Nachhaltigkeitsmanager in Unternehmen: Traumjob oder Sisyphos-Aufgabe?

Nachhaltigkeitsmanager haben die komplexe Aufgabe, Nachhaltigkeitsprinzipien in die Unternehmensstrategie zu integrieren und die Mitarbeitenden für diese Themen zu sensibilisieren. Diese Herausforderung ist deshalb so komplex und riesig, da Nachhaltigkeit alle Bereiche innerhalb einer Organisation betrifft, von der Lieferantenauswahl über Produktion, Rechnungswesen bis hin zum Marketing und Verkauf. Im Grunde bräuchte es in vielen Fällen eine tiefgreifende Veränderung in der Organisationskultur, -struktur sowie in den Geschäftsprozessen. 
 Antoworten in einer Umfrage unter Nachhaltigkeitsmanager:innen auf die Frage, welche die größten Herausforderungen bei der Umsetzung nachhaltiger Praktiken in Unternehmen seien. © Institut für praktische Emergenz GmbH
Die Aufgaben eines Nachhaltigkeitsmanagers sind vielfältig und reichen von der Entwicklung und Implementierung nachhaltiger Geschäftsstrategien über das Stakeholder-Management bis hin zur Berichterstattung und Kommunikation. Sie sind dafür verantwortlich, interne und externe Ressourcen zu mobilisieren, um Nachhaltigkeitsinitiativen voranzutreiben und gleichzeitig Compliance mit regulatorischen Anforderungen sicherzustellen. Ein Schlüsselaspekt ihrer Rolle ist die Fähigkeit, den Wert von Nachhaltigkeit für das Unternehmen klar zu kommunizieren und zu demonstrieren, wie nachhaltige Praktiken nicht nur zur Verbesserung der Umwelt beitragen, sondern auch langfristig wirtschaftlichen Wert schaffen können. 

Dies erfordert ein tiefes Verständnis der Geschäftsprozesse und der Wertschöpfungskette des Unternehmens sowie die Fähigkeit, innovative Lösungen zu identifizieren und umzusetzen, die sowohl umweltfreundlich als auch kosteneffizient sind. Die Schwierigkeiten, denen sie gegenüberstehen, sind nicht nur technischer oder finanzieller Natur, sondern beinhalten auch die Herausforderung, eine Veränderung der Unternehmenskultur zu bewirken. Die Einbettung von Nachhaltigkeit in die DNA eines Unternehmens erfordert Überzeugungsarbeit und ein Umdenken bei Mitarbeitern auf allen Ebenen, von der Führungsebene bis zum operativen Personal. 

Eine äußerst anspruchsvolle Aufgabe
Darüber hinaus erfordert die ständige Entwicklung von Technologien, Marktbedingungen und gesetzlichen Vorschriften eine kontinuierliche Anpassung und Lernbereitschaft von Nachhaltigkeitsmanagern. Sie müssen immer auf dem neuesten Stand der Best Practices in ihrem Bereich und bereit sein, neue und innovative Ansätze zu erkunden. Nachhaltigkeitsmanager müssen also ein sehr breites Spektrum an Fähigkeiten und Kenntnissen abdecken, von Umweltwissenschaften über Change-Management bis hin zu ökonomischer Rentabilität. Sie stehen im Zentrum des Spannungsfeldes zwischen ökologischer Verantwortung und wirtschaftlichem Druck, und haben von daher eine Schlüsselrolle in der großen Transformation.

Das Institut für praktische Emergenz wollte von Nachhaltigkeitsmanagern und -managerinnen (privater und öffentlicher Sektor) im Rahmen einer Online-Befragung wissen, was ihre größten Herausforderungen sind, und was es aus ihrer Sicht bräuchte, damit sie ihre Rolle effektiv auszufüllen können. 27 Nachhaltigkeitsmanager aus Organisationen verschiedener Branchen und Sektoren und unterschiedlicher Größe haben ihre Erfahrung geteilt.

Eine Auswahl bestehender Netzwerke
  • Peer School for Sustainable Development e. V.: Gemeinnützige Organisation in Deutschland, die sich auf die Förderung von Bildung und Austausch im Bereich nachhaltige Entwicklung konzentriert. Die Organisation hat das Ziel, das Bewusstsein für Nachhaltigkeit zu schärfen, Wissen zu vermitteln und die Entwicklung nachhaltiger Lösungen zu fördern.
  • BAUM e. V.:
    Netzwerk von Unternehmen, das sich für umweltbewusstes Management und nachhaltige Entwicklung in der Wirtschaft einsetzt. Der Verein bietet Beratung, Veranstaltungen und Austauschmöglichkeiten für Unternehmen.
  • Deutsches Netzwerk Wirtschaftsethik (DNWE): Interdisziplinäres Netzwerk von Fachleuten aus Wissenschaft, Wirtschaft, Verbänden, NGOs und anderen Bereichen, das sich für eine nachhaltige Entwicklung in Wirtschaft und Gesellschaft einsetzt.
Inspirierende Bücher:
  • "Regeneration: Ending the Climate Crisis in One Generation" von Paul Hawken, 2021
  • "Nachhaltiges Management: Eine Einführung in das Grundlagenfeld und die Perspektiven seiner Disziplinen" von Michael von Hauff, 2015
  • The Green to Gold Business Playbook: How to Implement Sustainability Practices for Bottom-Line Results in Every Business Function" von Daniel C. Esty und P.J. Simmons, 2014
Als die größte Herausforderung in ihrem Job nannten die Befragten das fehlende Nachhaltigkeits-Mindset in ihrer Organisation (31,4%), dicht gefolgt von der fehlenden Unterstützung durch die Führungsebene (27,5%). Als weitere Herausforderungen wurden folgende Aspekte aufgeführt: 
  • Nachhaltigkeit sei in vielen Fällen nur ein „nice to have", am Ende ginge es doch immer um die „Bottom Line" also um die Profitmaximierung und darum, die Aktionäre zufriedenzustellen. 
  • Nachhaltigkeit werde oft als separates Thema oder sogar eigenes Projekt gesehen und nicht übergreifend gedacht. 
  • Man wisse als Nachhaltigkeitsmanager oft nicht, wo man überhaupt anfangen solle bei der Komplexität und Vielfalt an Themen. 
  • Oft seien die Zuständigkeiten völlig unklar, und man schiebe sich die Verantwortung hin und her. 
  • Die ständige Beschäftigung mit der Thematik und Dringlichkeit gehe vielen auch privat an die Nieren. 
  • Fehlendes Wissen um Transformationsprozesse in Organisationen erschwere die Arbeit unnötig. 
  • In vielen Fällen würde viel zu wenig Kapa und Budget bereitgestellt.
  • Zu viele Anforderungen an eine Person, so sagt eine der Befragten: „Als Nachhaltigkeitsmanagerin muss ich Fachexpertin, Change Agent, Motivatorin, Projektmanagerin, Rechtsexpertin und Kommunikationstalent sein." 
Was also würde ihnen helfen? 

Was Nachhaltigkeitsmanager brauchen
Die vielfältigen und spannenden Antworten auf diese Frage ließen sich in vier, sich teils überlappende Themenfelder clustern: 
  1. Ressourcen und Unterstützung: Hier kam von mehreren Befragten der Wunsch nach personeller Verstärkung sowie nach Bereitstellung von Ressourcen für Nachhaltigkeitsinitiativen und für die eigene Weiterbildung. Aber nicht nur von aus der Organisation heraus wünsche man sich Unterstützung, sondern auch von der Politik.

  2. Kommunikation: Aus ihrer Sicht sollte intern viel mehr über nachhaltige Praktiken und Best Practice Beispiele von sowohl Mitarbeitenden und Netzwerken IN der Organisation als auch von externen Mitbewerbern berichtet werden. Denn die Dringlichkeit könne durchaus auch zu Reaktanz und Widerstand führen, wohingegen Positivbeispiele eher anspornen und motivieren. Kommunikation umfasst natürlich nicht nur den Informationsfluss, sondern auch die Art und Weise, wie offen in der Belegschaft über Unsicherheiten und Zielkonflikte gesprochen werden kann. Das Thema psychologische Sicherheit wurde mehrfach genannt.

  3. Führung und Unternehmensstruktur: Alle Befragten wünschten sich mehr Rückhalt und einen klaren Auftrag der Geschäftsführung. In manchen Fällen gibt es bereits die Rolle eines Chief Transformation Officers oder eines Chief Sustainability Officers. Allerdings ist auch das kein Garant für eine erfolgreiche Entwicklung in Richtung mehr Nachhaltigkeit, wenn dieser Position wenig Macht und Budget eingeräumt wird. Silostrukturen erschweren in den meisten Organisationen die Arbeit von Nachhaltigkeitsmanagern enorm, gerade weil Nachhaltigkeit ein Querschnittsthema ist, und die Abteilungen im ständigen Austausch stehen müssten.

  4. Mitarbeiterbefähigung: Von einem Großteil der Befragten kamen Vorschläge hinsichtlich der Schulung von Mitarbeitenden und Führungskräften zu Nachhaltigkeitsthemen sowie zu Kooperationsfähigkeiten. Idealerweise gebe es einen Nachhaltigkeitsverantwortlichen je Fachbereich. Darüber hinaus wünschten sich fast alle Befragten mehr Kenntnisse um Veränderungs-Management, agiler Methoden, Kommunikationstools und natürlich die Fähigkeit, diese einzusetzen. 
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Insgesamt ist die Rolle des Nachhaltigkeitsmanagers in Unternehmen eine, die sowohl visionäres Denken als auch praktische Umsetzungsfähigkeit und Hintergrundwissen über Transformationsprozesse erfordert. Im Idealfall sind sie Pioniere in der Umgestaltung von Geschäftsmodellen und -praktiken. Sie brauchen aber Unterstützung, um ihren Job gut machen zu können. 

Vorbildlich sind hier schon Unternehmen wie Patagonia, das den Nachhaltigkeitsmanagern die Autorität und das Budget gibt, um innovative Maßnahmen umzusetzen. Aber auch unter „klassischeren" Unternehmen gibt es Vorzeigebeispiele, wenn auch hier sicher noch Luft nach oben ist. So hat sich der französische Lebensmittelkonzern Danone verpflichtet bis 2030 klimaneutral und bis 2050 vollständig kreislauforientiert zu sein und dafür die Rolle eines Chief Sustainability Officers eingerichtet, um Nachhaltigkeit in alle Geschäftsbereiche zu integrieren. Dass das keine einfache Aufgabe ist, zeigt schon, dass auch Danone noch immer in der Kritik steht, z. B. aufgrund ihrer nicht nachhaltigen Verpackungen. Es ist aber auch wichtig zu sehen, dass Kritik nicht bedeuten muss, dass ein Unternehmen keine positiven Schritte Richtung Nachhaltigkeit unternimmt – solange sie sich mit der Kritik auseinandersetzen und ihre Praktiken laufend verbessern. Schließlich ist das wichtigste, anzufangen oder, um den irischen Dichter W. B. Yeats zu zitieren: „To begin, begin."

Kontakt: Institut für praktische Emergenz GmbH, Rike Pätzold | emergenz-institut.de



     
        
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