Angelika Mühleck
Wirtschaft | CSR & Strategie, 01.12.2025
Ready for ESG?
Nachhaltigkeitsmaßnahmen systematisch überblicken
Vom Bauchgefühl zur Strategie: forum begleitet eine mittelständische Unternehmensgruppe auf dem herausfordernden Weg in die systematische Nachhaltigkeit.
Unternehmensführung & Strategie
David Preuß, Nachhaltigkeitsmanager der Koopmann Gruppe, freut sich über seine lange Liste an erfolgreichen Projekten: Photovoltaik auf den Firmendächern, E-Autos im Fuhrpark, energieeffiziente Gebäude, gelebte Work-Life-Balance für die 500 Mitarbeitenden. Was ihm jedoch fehlt: eine Strategie, die all das zusammenführt, belegbar macht und für ein weiteres, gemeinsames zielgerichtetes Engagement im Unternehmen sorgt.
Viele mittelständische Unternehmen stehen an einem ähnlichen Punkt: Den Überblick über alle Nachhaltigkeits-Maßnahmen zu behalten, sie zu messen und zu optimieren, ist ebenso schwierig wie alle Mitarbeitenden für das Thema zu begeistern. An einem solchen Punkt hat sich das Energie- und Elektrotechnik-Unternehmen aus Cloppenburg Unterstützung geholt und geht nun den Schritt von vielen guten Einzelmaßnahmen hin zu einer zielgerichteten Strategie – gefördert über das BAFA-Modul 5.
Hier wird Nachhaltigkeit gelebt – aber noch nicht gesteuert
Der Impuls dazu kam beim monatlichen Online-Event von forum future economy und ESGready. David Preuß folgte dem Aufruf der Moderator:innen, Herausforderungen im ESG-Management mit anderen zu teilen. Er wünschte sich Unterstützung beim Aufbau einer Nachhaltigkeitsstrategie, die das bisherige Engagement bündelt, klare Ziele setzt und zu messbaren Erfolgen führt.
Die Berater vom forum-Partner ESGready befassten sich mit dem Unternehmen: Koopmann plant, baut und wartet Energieinfrastrukturen – und ist somit tief in der Energiewende verwurzelt. Neben den bereits genannten Maßnahmen entwickelte die Firma eigene Netzstationen (Trafohäuschen) in Holzbauweise. Die Substitution von Beton durch Holz spart pro Station rund 5 t CO2e ein.
„Ökologische und soziale Verantwortung werden bei uns in allen Bereichen wirklich gelebt – allen voran von unserer Geschäftsführung", freut sich Jana Pölking, die das Nachhaltigkeitsmanagement zusammen mit David Preuß betreut. Das Unternehmen hat sich bereits mit CO2-Bilanzierung und EU-Taxonomie beschäftigt, auch eine doppelte Wesentlichkeitsanalyse liegt vor. „Trotzdem stehen wir noch am Anfang", sagt Preuß. „Wir sind in den letzten Jahren vom kleinen Elektrobetrieb zum nationalen Akteur gewachsen. Die internen Strukturen konnten dabei nicht immer Schritt halten und viele für die ESRS-Erhebung relevanten Daten existieren nur bedingt."
„Uns fehlten Daten, Ziele, Maßnahmen und KPIs, um die Berichterstattung, Resilienz und Leistungsfähigkeit des Unternehmens auf ein neues Level zu heben.”
David Preuß, Sustainability Koopmann
ESG-Fahrplan erstellt – Fördermittel sinnvoll eingesetzt
Als ESGready mit dem Energie- und Klimaberater Frank Siebke in den Prozess einsteigt, spricht er die Fördermöglichkeiten an – und es zeigt sich: Die Koopmann Gruppe hat bereits staatliche Gelder über das BAFA-Modul 5 bewilligt bekommen. Der Antrag sah unter anderem nur eine oberflächliche CO2-Bilanzierung vor, wurde angepasst, neu eingereicht und fokussiert nun auf eine solide TGH-Bilanzierung für alle Standorte. Damit können die Fördermittel jetzt optimal genutzt werden.
„Die Energieaudits zunächst an den größten Standorten durchzuführen, gibt uns Aufschluss über Maßnahmen zur CO2-Reduzierung", erklärt Frank Siebke das Vorgehen der nächsten Projektphase. „Das konkrete Einsparpotenzial an Treibhausgasen – und damit auch an Kosten – berechnen wir anschließend für alle Betriebe." Mithilfe dieser Daten können weitere kurz- und mittelfristige Reduktionsziele definiert werden. Sie bilden die Grundlage für den Nachhaltigkeitsbericht, der sich an wichtigen Datenpunkten der ESRS orientiert – und damit nicht oberflächlich bleibt, sondern konkrete Fortschritte und Kennzahlen sichtbar macht.
Siebke rechnet damit, dass die Audits und Analysen bis zum Jahreswechsel abgeschlossen sind: „Dann wissen wir, welche Projekte den größten Hebel haben und wie groß ihr Beitrag zur Emissionsminderung ist. Bereits im Dezember 2025 soll der erste Bericht veröffentlicht werden." David Preuß sieht die Koopmann Gruppe damit gut aufgestellt. Denn die Anforderungen steigen. „In Ausschreibungen werden zunehmend Nachweise zu Umwelt- oder Energiemanagementsystemen verlangt. Wir wollen darauf vorbereitet sein und uns auch der Bewertung durch Ratings und Science-Based-Targets stellen, bevor uns der Markt dazu zwingt."
Kommunikation mit Fachwissen – Lernkurve mit Signalwirkung
Wie wichtig belegbare Umweltaussagen sind, offenbarte sich in der Vergangenheit auch an anderer Stelle: Als die Firma ihre Holz-Trafostationen vorstellte, sorgte die Formulierung „bis zu 100 Prozent CO2-Ersparnis" für Kritik aus dem Feld der Wettbewerber. „Zu vage", sagt Preuß heute. Das ließ sich ändern und wurde durch die Berechnung des Product Carbon Footprint (PCF) konkretisiert. „Kommunikation im Nachhaltigkeitskontext muss präzise sein," ergänzt er, „auch dafür brauchen wir verlässliche Daten und Zahlen!" Mit ihrem Netzwerk an Kommunikationsfachleuten, Juristinnen und Spezialisten, können Berater wie ESGready dabei helfen, dass Werbeversprechen, Produkt- und Verpackungsinformationen die komplexen Anforderungen der Anti-Greenwashing-Verordnung EmpCo, der Green Claims oder PPWR erfüllen.
Das Beispiel der mittelständischen Koopmann Gruppe zeigt, wie Unternehmen ihre Nachhaltigkeitsbestrebungen strukturiert weiterentwickeln können, um einen realen Nutzen daraus zu ziehen. „Wir müssen das, was wir ohnehin tun, jetzt messbar machen – und gezielt ausbauen", fasst David Preuß zusammen, „und dabei lassen wir uns gern helfen."
forum future economy wird als Prozessbegleiter berichten, ob und wie sich der neue ESG-Fahrplan zu einem Wettbewerbsvorteil für das Energieunternehmen entwickelt – als Best Practice-Vorbild für andere Unternehmen.
FactSheet
Lessons Learned aus dem Koopmann Use Case:
- Führung entscheidet: Nachhaltigkeit braucht glaubwürdige Treiber in der Geschäftsleitung – und ihr Mandat für das Nachhaltigkeitsmanagement.
- Struktur bringt Effizienz: Viele Mittelständler handeln nachhaltig aus Überzeugung, aber noch ohne Plan. Ein strukturierter ESG-Fahrplan bringt Klarheit, Effizienz und Einsparungen.
- Fördergelder nutzen: Nachhaltigkeitsprojekte sind oft förderfähig. Um die staatlichen Zuschüsse wirklich zu sichern, überlässt man die Antragstellung am besten Spezialisten. ESGready zum Beispiel arbeitet mit dem Fördermittelberater Leyton Deutschland zusammen.
- Kommunikation mit Bedacht: Green-Claims- und EmpCo-Regeln ernst nehmen, denn Umweltversprechen müssen belegt werden!
- Nachhaltigkeit zahlt sich aus: als Wettbewerbsvorteil bei Ausschreibungen, Recruiting, Kundenbindung, Mitarbeitermotivation und als Kostensenker bei Energiebedarf, Finanzierung, Abfallvermeidung, Prozessoptimierung, etc.
- Best Practice statt Alleingang: Externe Expertise hilft, die Fehler anderer zu vermeiden, vorhandene Stärken zu bündeln und die eigenen Ressourcen zu ergänzen.
Was ist forumESGready?
forumESGready ist das Praxisformat von forum future economy und ESGready:
- Einstündige, monatliche, kostenlose Online-Events zu ESG-Themen mit Praxis-Tipps, Impulsen, Kontakten, FAQs.
- Durchschnittlich 100 qualifizierte Teilnehmende aus Firmen, Verbänden, Medien, Wissenschaft.
- Plattform für fundierte Praxisimpulse, Erfahrungsaustausch und Inspiration rund um die vielfältigen Themen der Unternehmenstransformation.
- Ideal für Nachhaltigkeitsmanager:innen aus dem Mittelstand.
- Dabei sein: www.forum-csr.net/Spotlight/forumESGready
Angelika Mühleck beschäftigt sich als freie Journalistin und Kommunikationsprofi seit vielen Jahren mit ESG in Unternehmen.
Dieser Artikel ist in forum 01/2026 - forum Nachhaltig Wirtschaften heißt jetzt forum future economy erschienen.
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