Technik | Energie, 26.02.2026

Fossile Hintertür im Wasserstoffhochlauf

Bundestag beschließt Beschleunigungsgesetz mit problematischer Weichenstellung

Der Deutsche Bundestag hat heute das Wasserstoffbeschleunigungsgesetz in zweiter und dritter Lesung verabschiedet. Aus Sicht des Umweltdachverbands Deutscher Naturschutzring (DNR) enthält das Gesetz eine klimapolitisch hochproblematische Weichenstellung. Kurz vor der Abstimmung wurde der Anwendungsbereich des Gesetzes durch einen Änderungsantrag der Koalitionsfraktionen nochmals ausgeweitet: Künftig sollen auch Anlagen für die Produktion von blauem Wasserstoff aus Erdgas mit CO2-Abscheidung und in das „überragende öffentliche Interesse" fallen.

© akitada, pixabayIn einer Phase, in der Deutschland seine Energieversorgung konsequent auf erneuerbare Energien ausrichten müsste, räumen die Regierungsfraktionen einer fossilen Technologie Vorrang ein.

„Wer fossilen Wasserstoff in das überragende öffentliche Interesse stellt, öffnet eine Hintertür für neue Erdgasabhängigkeiten", erklärt DNR-Geschäftsführer Florian Schöne. „Es ist klimapolitisch kontraproduktiv, ausgerechnet Technologien auf Erdgasbasis zu privilegieren. Nur grüner Wasserstoff aus erneuerbaren Energien darf Vorrang erhalten."

Blauer Wasserstoff basiert weiterhin auf fossilem Erdgas. Auch bei CO2-Abscheidung bleiben Methanemissionen, Importabhängigkeiten und langfristige Infrastrukturbindungen bestehen. Eine solche Priorisierung birgt erhebliche Risiken für weitere Abhängigkeiten von Erdgas und konterkariert das Ziel der Klimaneutralität.

Der DNR spricht sich auch für eine Beschleunigung des Hochlaufs von grünem Wasserstoff für die Stahl-, Chemie- und Grundstoffindustrie sowie andere schwer elektrifizierbare Bereiche aus. Jedoch benötigt dieser Hochlauf klare Prioritäten und Investitionssicherheit. Gerade langfristige Abnahme- und Lieferperspektiven sind für die Investitionen in Elektrolyse oder in die Umrüstung von Industieprozessen entscheidend. Diese werden im Gesetzentwurf jedoch nicht adressiert. 

Zudem warnt der DNR vor einem inflationären Gebrauch des Instruments des „überragenden öffentlichen Interesses". Dieser wird nun insgesamt für zahlreiche Infrastrukturen und Vorhaben verwendet. Damit drohen rechtliche Unsicherheiten und zusätzliche Konflikte in Genehmigungsverfahren. „Wenn alles beschleunigt werden soll, wird am Ende nichts beschleunigt. Das könnte die angestrebte Zielsetzung der Bundesregierung ins Gegenteil verkehren”, so Schöne weiter.
 
Der Deutsche Naturschutzring ist der Dachverband von knapp 100 Natur-, Tier- und Umweltschutzorganisationen, die zusammen elf Millionen Menschen erreichen. Die unter dem Dach des DNR zusammengeschlossenen Organisationen eint die Ziele, biologische Vielfalt und natürliche Ressourcen zu schützen, den Klimawandel zu bekämpfen und für eine nachhaltige und umweltgerechte Wirtschaftsweise einzutreten.
 
Kontakt: Deutscher Naturschutzring (DNR), Alexander Kräß | alexander.kraess@dnr.de | www.dnr.de

Mehr zum Thema "Energiewende & Wasserstoff" lesen Sie in forum 02/2026: "Wo ist Wasserstoff sinnvoll, wo nicht? Was kann er leisten und was nicht?", Erscheinungstermin März 2026. Jetzt bestellen.



     
        
Cover des aktuellen Hefts

Zukunft braucht Frieden

forum 02/2026

  • Militär & Märkte
  • Grüner Wasserstoff
  • Moorschutz als Invest
  • ESG loves KI
Weiterlesen...
Kaufen...
Abonnieren...
20
MAI
2026
Bayerischer Batteriekongress 2026
Einblicke, Strategien, Innovationen
81671 München
21
MAI
2026
Munich Impact Night
Dieser Abend ist für alle, die die Zukunft noch nicht aufgegeben haben
81379 München
20
JUN
2026
Woche des Wasserstoffs 2026 (#WDW2026)
Wasserstoff verbindet
deutschlandweit
Alle Veranstaltungen...
forum goes international! Download the international edition for forum free of charge.
Anzeige

Der Mittelstand im ESG-Dschungel. Sie müssen nicht alles machen. Sie müssen nur wissen, was.

Sie erhalten einen klaren Fahrplan: was jetzt zu tun ist, was Sie auf dem Schirm behalten sollten und was Sie getrost ignorieren können.

LOHAS & Ethischer Konsum

"All You Need is Love"
Christoph Quarch verteidigt den Valentinstag als Schutzzeit für die romantische Liebe
B.A.U.M. Insights
Lassen Sie sich begeistern von einem Buch, das Hoffnung macht.

Jetzt auf forum:

Kreislaufwirtschaft am Bau & Energie für die Zukunft

Gastfreundschaftslektionen aus Südtirol

Städte weltweit fordern eine Beschleunigung des Ausstiegs aus fossilen Brennstoffen hin zu erneuerbaren Energien

Koalition von Ländern treibt beschleunigte Abkehr von fossilen Energien während Energiekrise voran

Deutsche Umwelthilfe widerlegt Mythos angeblich hoher Systemkosten Erneuerbarer Energien

Die Energiewende ist kein Kostenblock – sie ist ein Gewinnmodell für die Regionen

Aufbruch in Santa Marta

Ausbau erneuerbarer Energien

  • Engagement Global gGmbH
  • Futouris - Tourismus. Gemeinsam. Zukunftsfähig
  • DGNB - Deutsche Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen
  • Bundesverband Nachhaltige Wirtschaft e.V. (BNW)
  • WWF Deutschland
  • Dr. Ing. h.c. F. Porsche AG
  • World Future Council. Stimme zukünftiger Generationen
  • Global Nature Fund (GNF)
  • SUSTAYNR GmbH
  • Protect the Planet. Gesellschaft für ökologischen Aufbruch gGmbH
  • circulee GmbH
  • TÜV SÜD Akademie
  • 66 seconds for the future
  • ZamWirken e.V.
  • NOW Partners Foundation
  • BAUM e.V. - Netzwerk für nachhaltiges Wirtschaften