66 seconds for the future - forum zeigt Zukunftsgestalter:innen und Nachhaltigkeitspionier:innen

Trinkwasser direkt aus der Luft gewinnen

"Water from Air" soll allen Menschen Zugang zu sauberem Wasser ermöglichen

Zwei Bachelorabsolventinnen der FH Münster haben ein Konzept für einen mobilen Wassererzeuger- und Speicher gestaltet. Es nutzt Metal-Organic-Framework-Materialien (MOFs), die große Mengen an Wassermolekülen aufnehmen und wieder abgeben können.

Die von den jungen Designerinnen gestaltete mobile Anlage 'Water from Air' nutzt die chemischen Eigenschaften der innovativen Metal-Organic-Framework-Materialien, die Wasser aus der Luft aufnehmen und bei Wärme wieder abgeben können © privatWasserknappheit und der Zugang zu sauberem Trinkwasser sind in vielen Regionen der Welt ein wachsendes Problem. Mit ihrem Bachelorprojekt „Water from Air" möchten Louisa Graupe und Julika Schwarz einen Beitrag zur Lösung leisten: Die Designabsolventinnen der FH Münster haben ein Konzept für einen mobilen Wassererzeuger- und Speicher entwickelt, der sich einfach und kostengünstig herstellen lässt und ohne externe Stromquellen allein mit Sonnenenergie auskommt. Dafür haben sie sich die chemischen Eigenschaften der innovativen Metal-Organic-Framework-Materialien (MOFs) zunutze gemacht, die wie ein Schwamm Wassermoleküle aus der Luft aufsaugen und bei Wärmezufuhr wieder abgeben können.

Louisa Graupe (l.) und Julika Schwarz, Designabsolventinnen der FH Münster, haben den mobilen Wassererzeuger und -Speicher 'Water from Air' gestaltet © privat„Wir haben uns intensiv mit einem Materialchemiker der Universität Wien ausgetauscht und wissenschaftliche Paper zu MOFs studiert, um eine fundierte theoretische Grundlage für unser gestaltetes Produkt zu haben", erklärt Graupe. Ergebnis ist ein etwa 60 Zentimeter hohes Gerät, bei dem sich oben ein Deckel öffnen lässt, wodurch die MOFs das Wasser aus der Luft aufnehmen können. Ist der Deckel geschlossen, erwärmt sich das Innere, die Feuchtigkeit kondensiert zu Flüssigkeit und fließt in einen kleinen Tank am Boden. So produziert das System pro Tag rund sechs Liter frisches Trinkwasser, das ohne Filter oder komplizierte Wartung direkt entnommen werden kann. „Uns war wichtig, dass das Gerät möglichst einfach zu handhaben ist. Es lässt sich leicht säubern und mit einer Hand bedienen, sodass man gut eine Trinkflasche zum Auffüllen darunter halten kann, ohne dass Wasser daneben geht", ergänzt Schwarz.

Die Vision der beiden jungen Designerinnen ist, ihr Konzept so weiterzuentwickeln, dass es tatsächlich umgesetzt wird und vielen Menschen auf der Welt helfen kann. „Das Material, mit dem wir gearbeitet haben, wurde bisher nur in aufwändigen Laborversuchen eingesetzt und befindet sich in einem Patentverfahren, sodass wir es für unseren Prototyp leider noch nicht verwenden konnten. Unser Traum ist auf jeden Fall, unseren Entwurf in der Realität zu testen." Hierzu sind sie nun auf der Suche nach möglichen Kooperationspartner*innen und Fördergeldern. Um dies zu erreichen, haben sie ihr Projekt, auch auf Anraten ihrer beiden Betreuer an der MSD Prof. Steffen Schulz und Jan Wertel, bei verschiedenen nationalen und internationalen Design- und Innovationspreisen eingereicht und dort schon einige Erfolge erzielt: Unter anderem erreichten sie die zweite Runde des Bundespreis Ecodesign – der höchsten Auszeichnung für ökologisches Design in Deutschland – verbunden mit einer Ausstellung im feldfünf in Berlin und haben beim Creative Conscience Award in London in der Kategorie Product and Structural Design den Silber Award erhalten.

Mit Designlösungen für Naturkatastrophen waren die beiden zum ersten Mal während eines gemeinsamen Auslandssemesters an einer Partnerhochschule der FH Münster in Lissabon in Berührung gekommen. „Da haben wir so gut zusammengearbeitet und fanden das Themenfeld so spannend, dass wir auch unser Bachelorprojekt zu einem gesellschaftlich relevanten Thema machen wollten", erinnern sie sich. „Wir möchten zeigen, dass es möglich ist, durch Produktdesign das Leben in Zeiten des Klimawandels nachhaltig zu verändern."

Bachelorprojekt "Water from Air" (Instagram)

Kontakt: FH Münster - University of Applied Sciences | www.fh-muenster.de



     
        
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