82 Leistungen. Ein Vertrag. Ein Preis. Transformation as a Service - Planungssicherheit statt Projekte

In 96 Prozent der Schokoladenprodukte steckt Ausbeutung

Süßer Genuss, bittere Realität: Armut bleibt die Regel im Kakaoanbau

Die Kakaobohnenpreise brechen auf dem Weltmarkt einen Rekord nach dem anderen. Dennoch leben viele Kakaobäuer*innen weiterhin in großer Armut. Die neue Oxfam-StudieRaising the bar. Supermarkets must urgently adress structural exploitation of cocoa.” analysiert, ob Supermärkte Verantwortung für ihre Lieferkette übernehmen. Die Recherchen ergaben, dass die Versprechen weit von der Realität abweichen: Aldi Nord, Edeka, Lidl und Rewe zahlen für weniger als 4 Prozent der angebotenen Kakaoprodukte dauerhaft existenzsichernde Kakaopreise.
 90 Prozent der befragten Kakaobäuer*innen in Ghana erhalten kein existenzsicherndes Einkommen. © pexels, pixabay.com
Ostern steht vor der Tür und damit Regale voller Schokohasen, -küken und -eier. Doch wer glaubt, mit gutem Gewissen das Osternest füllen zu können, liegt falsch, wie neue Oxfam-Recherchen zeigen.

Kakaobäuer*innen leben seit Jahrzehnten in Armut
Schokoladenmarken und Supermärkte streichen enorme Gewinne ein, während die Bäuer*innen systematisch unterbezahlt bleiben. Wie unabhängige Umfragen in Ghana zeigen, erhalten etwa 90 Prozent der befragten Kakaobäuer*innen kein existenzsicherndes Einkommen. Im Durchschnitt verdienen sie kaum die Hälfte davon, Frauen sogar nur 31 Prozent.

Issifu Issaka, Kakaobauer aus Ghana und Präsident der Ghana Cooperative Cocoa Farmers Association hebt hervor: „Als Kakaobäuer*innen verdienen wir zu wenig, um über die Runden zu kommen. Hinter der Schokolade steht viel menschliches Leid, das für Verbraucher*innen im Supermarkt unsichtbar bleibt.”

Tim Zahn, Referent für globale Lieferketten bei Oxfam, veranschaulicht: „Ein Kakaobauer in Ghana bräuchte mit seinem durchschnittlichen Einkommen etwa 20 Millionen Jahre, um das Vermögen von Lidl- und Kaufland-Eigentümer Dieter Schwarz zu erwirtschaften. Diese Ungerechtigkeit dürfen wir nicht länger in Kauf nehmen."

Die Marktmacht der Supermärkte
Die Supermarktketten Edeka, Lidl und Kaufland, Rewe und Aldi teilen sich mittlerweile 87 Prozent des Marktes untereinander auf. Hinzu kommt, dass ein Großteil (86 Prozent) des Kakaos in Form von Schokolade in Deutschland in Supermärkten verkauft wird. Diese Bedingungen verschaffen den Konzernen großen Einfluss auf die Preis- und Margengestaltung.

Obwohl Supermarktketten sich zum Ziel gesetzt haben, existenzsichernde Kakaopreise zu zahlen, bleiben die Bemühungen bei Weitem unzureichend. Aktuelle Oxfam-Recherchen in deutschen Supermärkten ergaben, dass sich Aldi Nord, Edeka, Lidl und Rewe bei weniger als 4 Prozent der angebotenen Kakaoprodukte verpflichtet haben, dauerhaft existenzsichernde Kakaopreise zu zahlen. Dabei zeigt der größte niederländische Supermarkt Albert Heijn, dass es auch anders geht: Das Unternehmen verpflichtete sich im Oktober 2024, für alle Eigenmarkenprodukte mit Kakaoanteil dauerhaft existenzsichernde Kakaopreise zu zahlen.

„Das traurige Fazit unserer Untersuchung: Zwischen den Versprechen der Supermärkte und der Realität klafft eine riesige Lücke: Wer hierzulande im Supermarktregal nach Schokokeksen oder Osterhasen greift, erhält zum Großteil Produkte, die unter Ausbeutung hergestellt sind”, so Zahn. „Ohnehin sollte die Verantwortung für die Einhaltung von Menschenrechten nicht bei den Verbraucher*innen liegen. Wer von internationalen Märkten profitiert, muss Menschenrechte schützen. Hier sind Politik und Unternehmen gefragt.” Oxfam fordert daher, dass Supermärkte in die Pflicht genommen werden und dauerhaft existenzsichernde Kakaopreise zahlen müssen.
 

Hinweise
  • Die Berechnung der Einkommen von Kakaobäuer*innen beruhen auf einer Studie (November 2024) des schweizerischen Kakaobündnisses SWISSCO und der ghanaischen staatlichen Kakaoorganisation COCOBOD.
  • Die Daten zu Dieter Schwarz Vermögen beziehen sich auf das Finanzblatt. Die durchschnittlichen Einkommen von Kakaobäuer*innen stammen aus der genannten Studie (S.1).
  • Eine Studie von 2022 kam zu dem Schluss, dass Supermärkte 42 Prozent des Verkaufspreises einstreichen, Kakaobäuer*innen lediglich 9 Prozent bleiben. Insbesondere durch Eigenmarken treiben Supermärkte die Preise: Ende 2024 waren Schoko-Nikoläuse der Eigenmarken um 50 Prozent teurer als im Vorjahr. Bei den Marken wie Lindt (7 Prozent), Kinder (12 Prozent) oder Milka (25 Prozent) war der Preisanstieg deutlich geringer.

Kontakt: Oxfam, Lena Enders | lenders@oxfam.de | www.oxfam.de



     
        
Cover des aktuellen Hefts

Die Natur lebt vom Kreislauf – und wir?

forum 04/2026

  • Kreislaufwirtschaft
  • Biodiversität
  • Bildung
  • Wasserweisheiten
  • Altöl im Kreislauf
Weiterlesen...
Kaufen...
Abonnieren...
18
SEP
2026
Parking Day 2026 in München
Parkplätze werden zu Orten für Menschen, Natur und nachhaltige Mobilität
München
08
OKT
2026
forumESGready - Fortsetzung unserer beliebten Online-Events ab 8. Oktober
Transformation im Mittelstand: Aktuelle relevante Themen in drei Terminen
Online
23
NOV
2026
European Sustainability Week
Built on Trust. Driven by Insight. Focused on Impact. - Ticketrabatt für forum-Leser*innen
53639 Königswinter
Alle Veranstaltungen...
Transformation für den Mittelstand. In vier Wochen wissen, was zu tun ist.
Anzeige

Der Mittelstand im ESG-Dschungel. Sie müssen nicht alles machen. Sie müssen nur wissen, was.

Sie erhalten einen klaren Fahrplan: was jetzt zu tun ist, was Sie auf dem Schirm behalten sollten und was Sie getrost ignorieren können.

Megatrends

Erfolgreicher Kinostart von "The Odyssee" in USA
Der Philosoph und Mythologie-Experte Christoph Quarch analysiert, was uns der Anti-Held heute sagen kann
forum goes international! Download the international edition for forum free of charge.

Jetzt auf forum:

Es brennt! Doch kaum regnet es, ist alles vergessen …

LEEF wird fürs Nachhaltigkeitsmanagement ausgezeichnet

Konkrete Gefahren für Betriebe

Nachhaltigkeit beginnt mit gutem Design

Bereits über 70 Veranstaltungen für Munich Climate Week 2026 angekündigt

Bessere Verpackungen, weniger Müll

Regenwald-Konferenz erhält den "Making a Difference" Award 2026 des Jane Goodall Instituts Deutschland

Bundespreis Ecodesign: Ausstellung, 19.-22. September & Vernissage, 18. September 2026, Berlin

B.A.U.M. Insights
  • Energie- und Klimaschutzagentur Rheinland-Pfalz GmbH
  • Zendure DE GmbH
  • DGNB - Deutsche Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen
  • Futouris - Tourismus. Gemeinsam. Zukunftsfähig
  • Protect the Planet. Gesellschaft für ökologischen Aufbruch gGmbH
  • Bundesverband Nachhaltige Wirtschaft e.V. (BNW)
  • Dr. Ing. h.c. F. Porsche AG
  • ZamWirken e.V.
  • Engagement Global gGmbH
  • WWF Deutschland
  • SUSTAYNR GmbH
  • Global Nature Fund (GNF)
  • World Future Council. Stimme zukünftiger Generationen
  • NOW Partners Foundation
  • BAUM e.V. - Netzwerk für nachhaltiges Wirtschaften
  • 66 seconds for the future
  • Klimabündnis Ebersberg-München