Umwelt | Klima, 11.04.2025

Ernsthafter Einstieg in weltweiten Klimaschutz in internationaler Schifffahrt - aber mit deutlichen Mängeln

Verschmutzer werden erstmals zur Kasse gebeten - allerdings nicht ausreichend und mit Lücken, kritisiert Germanwatch

Das 83. Treffen des Ausschusses für den Schutz der Meeresumwelt (MEPC) der Internationalen Schifffahrtsorganisation der UN (IMO) ist heute zu Ende gegangen. Vereinbart wurde ein Maßnahmenpaket zur Reduktion der Treibhausgasemissionen im internationalen Schiffsverkehr, das im Herbst auf einer Sitzung rechtsverbindlich umgesetzt werden soll. "In diesem Beschluss kommt das Verursacherprinzip erstmals weltweit zur Geltung. Das ist ein echter Durchbruch und stellt einen wichtigen Präzedenzfall auch für andere Sektoren dar. Allerdings ist das Abkommen in wichtigen Punkten unzureichend: Es fehlt an Klarheit, Ambition und ausreichenden Finanzmitteln, um den Wandel zur Klimaneutralität zu unterstützen. Die geplanten Reduktionsziele sind noch kein fairer Anteil an den international zugesagten Klimazielen", sagt Nouhaila Zaki, Referentin für Steuern für Klimafinanzierung bei der Umwelt- und Entwicklungsorganisation Germanwatch.

© mslclicks, pixabay.comDas vereinbarte Maßnahmenpaket sieht konkret neben einem globalen Kraftstoffstandard das weltweit erste System zur Bepreisung von CO2 für die Verursacher von Emissionen in der Schifffahrt vor. Die Einnahmen daraus - geschätzte 10 Milliarden US-Dollar pro Jahr - sollen in einen Fonds zur Förderung emissionsarmer Technologien gehen und sowohl für saubere Energien auf Schiffen als auch für Maßnahmen in Entwicklungsländern verwendet werden.

Enttäuschend war die zögerliche Haltung der EU. In dem Bemühen um einen Konsens hat sie es bis zum Schluss unterlassen, die ehrgeizigeren Positionen der Inselstaaten und mehrerer afrikanischer Staaten zu unterstützen. Zaki: "Mit einer Abgabe oder einer abgabeähnlichen Struktur wäre die Höhe der Einnahmen besser und verlässlicher planbar gewesen. Das wäre ein klareres Investitionssignal gewesen, um die Klimaziele in der Schifffahrt zu erreichen. Dies wurde aber leider versäumt."

Verwendung der Einnahmen wirft noch Fragen auf
Ein weiteres wichtiges Thema ist die Verwendung der Einnahmen. Der neu eingerichtete IMO-Netto-Null-Fonds verfolgt ambitionierte Ziele: die Belohnung der Verwendung von Null- und Fast-Null-Kraftstoffen (ZNZ) sowie die Unterstützung eines gerechten und ausgewogenen Übergangs für gefährdete Staaten und Arbeitnehmer im Seeverkehr. "Der Mechanismus bleibt weit hinter dem zurück, was nötig wäre. Er müsste sowohl sinnvolle Belohnungen für ZNZ-Kraftstoffe als auch eine solide Unterstützung für Klimaanpassung, Widerstandsfähigkeit und Infrastruktur in den am wenigsten entwickelten Ländern und kleinen Inselstaaten bieten. Das wird so nicht funktionieren, auch weil die Bepreisung nur rund 10 Prozent der Gesamtemissionen betrifft. Zudem bleibt die inhaltliche Ausgestaltung vage", kritisiert Zaki.

Ausarbeitung der Details im Herbst wird entscheidend
Unter dem Strich stellt das Ergebnis zwar einen großen Fortschritt in Bezug auf das Verursacherprinzip und das Funktionieren des Multilateralismus dar, ist aber in der konkreten Ausgestaltung bei weitem nicht ausreichend. Mehrere Streitpunkte bleiben. Die nächste MEPC-Sitzung im Oktober wird für die Ausarbeitung der Details entscheidend sein. "Es gilt nun, das Paket innerhalb des aktuellen Rahmens so ehrgeizig wie möglich zu gestalten", so Zaki. 

Kontakt: Germanwatch e.V., Stefan Küper | kueper@germanwatch.org | www.germanwatch.org



     
        
Cover des aktuellen Hefts

Zukunft braucht Frieden

forum 02/2026

  • Militär & Märkte
  • Grüner Wasserstoff
  • Moorschutz als Invest
  • ESG loves KI
Weiterlesen...
Kaufen...
Abonnieren...
28
APR
2026
BootCamp Impact Business Design
Zertifizierter Impact Business Design Master
Köln
21
MAI
2026
Munich Impact Night
Ein Abend ist für alle, die die Zukunft noch nicht aufgegeben haben
81379 München
20
JUN
2026
Woche des Wasserstoffs 2026 (#WDW2026)
Wasserstoff verbindet
deutschlandweit
Alle Veranstaltungen...
forum goes international! Download the international edition for forum free of charge.
Anzeige

Der Mittelstand im ESG-Dschungel. Sie müssen nicht alles machen. Sie müssen nur wissen, was.

Sie erhalten einen klaren Fahrplan: was jetzt zu tun ist, was Sie auf dem Schirm behalten sollten und was Sie getrost ignorieren können.

Wissenschaft & Forschung

Artemis und Orion
Christoph Quarch überlegt, was die Namensgebung über die aktuelle Mondmission sagen kann
B.A.U.M. Insights
Hier könnte Ihre Werbung stehen! Gerne unterbreiten wir Ihnen ein Angebot

Jetzt auf forum:

Neues Buch "Enkelfähigkeit® & ihre Perspektiven"

Ausbau erneuerbarer Energien

Earth Day 2026: Gemeinsam für eine lebenswerte Zukunft

Volvox by ecotec

Biodiversität und die Logik der Kreisläufe

Neue Umfrage zum Welttag des Buches: Nachhaltigkeit wird für Kochbuchfans zum Kaufkriterium

Pro Minute werden 100 Bäume gefällt

Earth Day 2026: 26% Rabatt auf nachhaltige Wirkung

  • Futouris - Tourismus. Gemeinsam. Zukunftsfähig
  • Protect the Planet. Gesellschaft für ökologischen Aufbruch gGmbH
  • circulee GmbH
  • Dr. Ing. h.c. F. Porsche AG
  • NOW Partners Foundation
  • TÜV SÜD Akademie
  • SUSTAYNR GmbH
  • WWF Deutschland
  • BAUM e.V. - Netzwerk für nachhaltiges Wirtschaften
  • 66 seconds for the future
  • ZamWirken e.V.
  • Engagement Global gGmbH
  • Bundesverband Nachhaltige Wirtschaft e.V. (BNW)
  • DGNB - Deutsche Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen
  • World Future Council. Stimme zukünftiger Generationen
  • Global Nature Fund (GNF)