Umwelt | Klima, 14.03.2025
Welchen finanziellen Ausgleich braucht der CO2-Preis für Wärme und Verkehr im Rahmen einer akzeptierten und gerechten Klimapolitik?
Klimageld-Studie liefert wertvolle Impulse für Klimapolitik der neuen Bundesregierung
Mit dieser Frage hat der Rat für Nachhaltige Entwicklung (RNE) das
Forum Ökologisch-Soziale Marktwirtschaft (FÖS) und das Deutschen
Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) beauftragt. Die Studie "Regionales Klimageld in Deutschland: Potenziale, Herausforderungen und Verteilungswirkungen" leistet
einen Beitrag zur Debatte um eine Klimapolitik, die gleichzeitig
soziale Gerechtigkeit und gesellschaftlichen Zusammenhalt in den Blick
nimmt.
Hintergrund ist die Frage, wie eine ambitionierte Klimapolitik aussehen
muss, die von den Menschen gut angenommen wird und soziale Härten
abfedert. Wissenschaftliche Erkenntnisse zeigen, dass die Bevölkerung
bei moderaten CO2-Preisen eher Investitionen in nachhaltige
Infrastruktur bevorzugt, während mit steigenden Preisen der Wunsch nach
direkter finanzieller Entlastung zunimmt. Und die Situation wird sich
voraussichtlich weiter verschärfen, wenn ab 2027 das Gesetz zum
EU-Emissionshandel ETS-II greift: Es ist unklar, wie sich der CO2-Preis
entwickeln wird und wie schnell die Dekarbonisierung in den Bereichen
Verkehr und Wärme voranschreitet."Müssen setzt Können voraus. Eine Klimapolitik mit einer wirksamen CO2-Bepreisung braucht deshalb nicht nur Investitionen, sondern Entlastungen für diejenigen, die nicht ein und aus wissen. Hier kann ein regional oder sozial gestaffeltes Klimageld Abhilfe schaffen. Um unbürokratisch und schnell zu handeln, sollten bestehende Wege wie das Wohngeld oder eine Mobilitätsprämie zur Entlastung genutzt und vereinfacht werden.", sagt RNE-Mitglied Kai Niebert.
Die AutorInnen der Studie haben Kompensationsmöglichkeiten von Mehrbelastungen aus der CO2-Bepreisung analysiert und geben Impulse für die Ausgestaltung der Klimapolitik in Deutschland unter einer neuen Bundesregierung. Im Zentrum stand die Frage, inwiefern ein regional differenziertes Klimageld nach österreichischem Vorbild auch in Deutschland umgesetzt werden könnte und welche anderen zielgerichteten Kompensationsmöglichkeiten es gibt.
Die wichtigsten Ergebnisse in Kürze:
- Zur Verhinderung
fossiler Lock-in-Effekte müssen Investitionen und Förderprogramme in
klimaneutrale Infrastrukturen und Technologien im Fokus stehen, also in
die Dekarbonisierung investiert werden.
- Daneben sollten soziale Härten aus der CO2-Bepreisungung ausgeglichen werden.
- Es gibt verschiedene Möglichkeiten, Härten differenziert
abzufedern: Zum Beispiel kann ein Teil der Einnahmen als Klimageld
zurückgezahlt werden, entweder nach Einkommen oder regional gestaffelt.
Beide Varianten führen zu unterschiedlichen Verteilungseffekten und
haben jeweils Vor- und Nachteile. Auch hier findet sich keine Silver
Bullet.
- Die CO2-Bepreisung belastet die Bevölkerung auf dem Land
spürbar stärker als in der Stadt. Eine regionale Staffelung des
Klimageldes kann diese Belastungsunterschiede zwischen Stadt- und
Landbevölkerung ausgleichen. Allerdings werden dann ärmere
Bevölkerungsschichten in der Stadt stärker belastet als auf dem Land.
Insgesamt bleiben ähnlich viele Härtefälle bestehen wie bei einem
pauschalen Klimageld.
- Für eine gezieltere Abfederung sozialer Härten bieten sich
vor allem Weiterentwicklungen bestehender Instrumente an, etwa beim
Wohngeld oder durch die Umwandlung der Entfernungspauschale in ein
Mobilitätsgeld etc. Allerdings gibt es auch bei diesen Instrumenten
Herausforderungen und die administrative Abwicklung würde vorerst eine
individuelle Prüfung erfordern.
- Unabhängig vom gewählten Modell braucht es beim Ausgleich von Härten weniger Bürokratie, mehr Digitalisierung und eine einfachere Umsetzung als heute.
Hier finden Sie die vollständige Studie.
Kontakt: Forum Ökologisch-Soziale Marktwirtschaft (FÖS) e.V., Swantje Fiedler | swantje.fiedler@foes.de | www.foes.de
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