Technik | Mobilität & Transport, 16.01.2025
Fliegen ist die klimaschädlichste Form des Reisens
Verbände fordern "Roadmap klimaneutraler Flugverkehr" von künftiger Bundesregierung
Das vergangene Jahr war das heißeste seit Beginn der
Wetteraufzeichnungen, die Erderwärmung lag erstmals ganzjährig über 1,5
Grad. Der Flugverkehr trägt erheblich zu diesem Temperaturanstieg bei.
Die Umweltverbände DNR und Germanwatch, der ökologische Verkehrsclub VCD
sowie die Bundesvereinigung gegen Fluglärm und T&E fordern von der
künftigen Bundesregierung eine "Roadmap für einen klimaneutralen
Flugverkehr" und Maßnahmen zur Reduzierung von Fluglärm und
Luftverschmutzung.
Fliegen ist die klimaschädlichste Form des Reisens. Global trägt der
Flugverkehr mit einem Anteil von mehr als sieben Prozent zur globalen
Erwärmung bei. Die Passagierzahlen haben wieder das Vor-Corona-Niveau
erreicht und in den kommenden Jahren wird ohne Gegenmaßnahmen ein immer
weiteres starkes Wachstum der Flugemissionen erwartet. Auch die
Luftfahrt muss die nationalen Klimaziele bis 2045 und das EU-Ziel der
Klimaneutralität bis 2050 einhalten. Darüber hinaus beeinträchtigt der
Flugverkehr durch Lärm und Luftschadstoffe auch die Gesundheit von
Menschen im Umfeld von Flughäfen. Um die negativen Folgen des Fliegens zu verringern, braucht es nicht nur die Umstellung auf klimaneutrale Flugtreibstoffe, technische Maßnahmen an Flugzeugen oder optimierte Flugrouten. Auch die Verlagerung von Kurz- und Mittelstreckenflügen auf die Bahn und eine Reduktion der Flugleistung sind notwendig - nicht aus ideologischen Gründen, sondern weil klimaneutrale Kraftstoffe begrenzt und teuer sind und technische Maßnahmen erst langfristig wirken.
Konkret fordern die Verbände von der künftigen Bundesregierung:
- Eine "Roadmap klimaneutraler Luftverkehr", die die Maßnahmen skizziert, mit denen der Luftverkehr bis 2045 das Ziel der Klimaneutralität erreichen kann.
- Eine Strategie zur Reduzierung des Fluglärms mit dem Ziel, bis 2040 eine Minderung um mindestens 30 Prozent zu erreichen.
- Ein Handlungskonzept zur Verringerung der Luftverschmutzung im Umfeld von Flughäfen.
Um innerdeutsche Flüge sowie Flüge ins europäische Ausland auf die Bahn zu verlagern, sind attraktive Zugangebote nötig. Die künftige Regierung muss den notwendigen Rahmen für den Ausbau von Bahnverbindungen auf den Hauptflugrouten schaffen - mit attraktiven Tag- und Nachtzugverbindungen.
Darüber hinaus müssen auch die Lärmbelastung sowie der Ausstoß von Ultrafeinstaub durch Flugzeuge verringert werden. Dazu wird ein strengeres Fluglärmschutzgesetz benötigt, das die Anwohner:innen in der Nähe von Flughäfen besser schützt. Außerdem fordern die Verbände eine Initiative auf europäischer Ebene, um den Schwefel- und Aromaten-Gehalt von Kerosin zu begrenzen. Schwefelarmes Kerosin verringert nicht nur den Feinstaubausstoß, sondern auch die Nicht-CO2-Effekte vor allem durch verminderte Bildung von Kondensstreifen.
Statt die Herausforderungen anzugehen, jammert die Luftfahrtindustrie über angeblich hohe Kosten und fordert die Abschaffung der Luftverkehrsteuer. Dabei erhöht diese den Ticketpreis für europäische Flüge um gerade einmal drei Euro, was niemanden vom Fliegen abhält. Die Politik darf sich nicht zum Steigbügelhalter kurzsichtiger Profitinteressen der Luftfahrtbranche machen, sondern sollte mit einem klugen Gesamtkonzept den Weg für klimaneutrales Fliegen ebnen sowie die Lärm- und Abgasbelastung reduzieren. Anknüpfungspunkte hierfür liegen in den Wahlprogrammen der demokratischen Parteien vor.
Die Forderungen der Umweltverbände für eine "Roadmap klimaneutraler Flugverkehr".
Kontakt: Germanwatch e.V., Stefan Küper | kueper@germanwatch.org | www.germanwatch.org
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