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Timo Herold

Klimarisiken rücken näher!

Deutsche Unternehmen planen erhebliche Investitionen, um Klimarisiken zu minimieren

Eine Studie zeigt: Die Wirtschaft investiert verstärkt in Maßnahmen zur Minimierung von Klimarisiken und erkennt zunehmend das Geschäftspotenzial nachhaltiger Innovationen. Nicht nur Klimaschutz sondern auch Klimaanpassung wird damit zur Schlüsselstrategie für langfristigen Erfolg und Wettbewerbsfähigkeit. Langfristig hilft jedoch nur noch regeneratives Wirtschaften.
 
© Andreas160578, pixabay.comIn den letzten Jahren haben Berichte über extreme Wetterereignisse und den daraus resultierenden massiven Schäden deutlich zugenommen. Diese Katastrophen sind nicht nur für die Bevölkerung eine Gefahr, sondern auch für die Wirtschaft in den betroffenen Gebieten. Dabei sind Unternehmen heute aufgrund ihrer internationalen Vernetzung nicht mehr nur von Wetterphänomenen an den eigenen Produktionsstandorten betroffen, sondern auch von Problemen, die im globalen Zulieferer- und Wertschöpfungsnetzwerk entstehen (Bsp.: Überflutungen in Slowenien 2023, die VW massiv getroffen haben). Laut unserer Studie stellen bereits 42 Prozent der Unternehmen Auswirkungen durch Klimarisiken auf ihre Rohstoff- und Energieversorgung in Deutschland fest. 

Doch obwohl die Folgen des Klimawandels bereits deutlich zu spüren sind und schon jetzt hohe Kosten verursachen, hat die Mehrheit der Industrieunternehmen in Deutschland Klimarisiken und Folgeschäden des Klimawandels nicht vollständig im eigenen Risikomanagementsystem (RMS) berücksichtigt. Hier besteht Handlungsbedarf. Die Versicherungswirtschaft beispielweise hat die Tragweite der Entwicklung inzwischen erkannt und bereits die Diskussion über höhere Prämien oder sogar die Ablehnung von Versicherungsanfragen begonnen. Zudem gilt: um Chancen und Risiken im Zusammenhang mit den Folgeschäden des Klimawandels identifizieren zu können, ist es wichtig, das Produkt- und Serviceportfolio des Unternehmens unter Berücksichtigung teils komplett neuer Aspekte zu analysieren.

Die Studie „Klimarisiken und Folgeschäden des Klimawandels 2023 - Potenziale der deutschen Industrie im Hinblick auf Innovationen und Portfolioanpassungen" wurde von KPMG in Zusammenarbeit mit dem Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbau (VDMA) durchgeführt. 
 
Dazu wurden 235 Entscheiderinnen und Entscheider vor allem aus Unternehmen des Maschinen- und Anlagenbaus und der Automobilbranche in Deutschland befragt und deren Einschätzungen ausgewertet. Die Ergebnisse bieten Einblicke, wie Unternehmen bereits heute im Hinblick auf die Reduzierung der Folgeschäden des Klimawandels aufgestellt sind und welchen Lösungsbeitrag Unternehmen heute oder zukünftig zur Reduzierung der Folgeschäden des Klimawandels leisten können.
Neue Perspektive auf den Klimawandel – vom Kostentreiber zum Treiber neuer Geschäftsmodelle
In diesem Zusammenhang ist eine neue Entwicklung zu beobachten. Im letzten Jahrzehnt standen überwiegend Klimaschutzmaßnahmen im Mittelpunkt der Klimawandeldiskussion und damit vor allem der Erhalt von Unternehmenswerten. Dieser Aspekt war stark von den umfassenden regulatorischen Vorgaben getrieben und lies damit wenig eigenen Entscheidungsspielraum zu. Inzwischen beobachten wir jedoch eine Erweiterung der Diskussion hin zu einem Dreiklang aus Klimaschutzmaßnahmen zur Eindämmung von Klimafolgeschäden, der Vermeidung von Klimarisiken und der strategischen Betrachtung des positiven und negativen Einflusses des Klimawandels und seiner Folgen auf das eigene Geschäftsmodell.

Auf dieser Basis rückt aktuell die Evaluation der Möglichkeiten zur Entwicklung von neuen, innovativen und nachhaltigen Produkten, Services und/oder Geschäftsmodellen stärker in den Fokus. Unternehmen sehen nun zunehmend das Potential zur Wertsteigerung durch die eigenen Aktivitäten und erhalten entsprechend ihren strategischen Entscheidungsspielraum zurück.
 
Pioniere erschließen neu entstehendes Marktpotential
Tatsächlich zeigt die aktuelle Studie, dass die Potenziale hoch sind. Drei von vier Unternehmen (73 Prozent) sehen in der Entwicklung von Produkten und Services zur Minderung von Folgeschäden des Klimawandels zusätzliches Geschäftspotenzial für ihr Unternehmen. Jedes vierte Unternehmen (26 Prozent) hat bereits zusätzliche Absatzmöglichkeiten durch entsprechende Innovationen erschlossen, 34 Prozent planen dies mit Portfolioerweiterungen und weitere 13 Prozent ohne Erweiterung des Portfolios. 

Unternehmen spüren Anpassungsdruck auf das eigene Produkt- und Serviceportfolio
Grundsätzlich ist die Umsetzung von ESG-Kriterien heute nicht mehr nur eine Compliance-Frage, sondern bietet großes Potenzial im Hinblick auf das Unternehmenswachstum und die Wertsteigerung. Darum muss auf Basis von qualitativen und quantitativen Analysen und Bewertungen eine ganzheitliche ESG-Strategie entwickelt werden, die gleichermaßen zum Unternehmen, zum Geschäftsmodell und zu den Bedürfnissen aller Stakeholder passt und langfristig Mehrwert und Wettbewerbsvorteile erzeugt. Verbraucher beispielsweise machen ihre Kaufentscheidung immer häufiger davon abhängig, ob Unternehmen nachhaltig handeln. Nahezu jedes zweite in der Studie befragte Unternehmen (45 Prozent) nimmt bereits eine Veränderung der Nachfrage in Deutschland wahr, die auf Klimarisiken und Folgeschäden des Klimawandels zurückgeführt wird. 
 
Innovative Produkte und Services gegen den Klimawandel
Für gute Qualität und nachhaltige Produkte sind Kunden bereit mehr Geld auszugeben, benötigen dafür aber entsprechende Transparenz über das Produkt, den Ursprung und die Produktionsbedingungen. Von Unternehmen mit direktem Kontakt zum Verbraucher werden innovative und gleichzeitig nachhaltige Produkte und Services verlangt, die den sich wandelnden Verbraucherpräferenzen entsprechen. Diese Unternehmen leiten den Verbraucherdruck an ihre Zulieferer weiter, um durch fortschrittliche Lösungen /z.B. geringerer Energie- und Materialverbrauch oder kreislauffähige Materialien) die Kundenanforderungen erfüllen zu können. Diese Veränderungen sollten als herausragende Chance gesehen werden, um sich bestmöglich im Markt zu positionieren und den Kunden mit marktfähigen Innovationen zu begeistern.

ESG-Themen unter Druck
Die meisten Teilnehmenden unserer Umfrage sind bereit, Klimaschutzmaßnahmen zu unterstützen, aber weniger gewillt, auf Absatz, Umsatz oder Marge zu verzichten. Das ist aktuell eine der Herausforderungen, die alle ESG-Themenstellungen betrifft. Die Unternehmen erkennen auf der einen Seite zwar die Notwendigkeit der Umsetzung der Maßnahmen, überwiegend bei den Vorgaben, die aus der Regulierung kommen. Andererseits sehen sie sich aktuell verschiedenen Krisen und Herausforderungen gegenüber. ESG-Thematiken, die häufig immer noch mit Kosten und Aufwand verbunden werden, geraten dadurch in den Hintergrund. Positiv zu vermerken ist allerdings, dass es für fast die Hälfte der großen Unternehmen denkbar ist, einen erheblichen Umsatzanteil in die „grüne Transformation" zu investieren. Diese Aussage ist wichtig, denn in der augenblicklichen Situation ist es relevanter denn je, nicht mit den Bemühungen nachzulassen. Doch Warnungen vor einer Abkehr von Nachhaltigkeitsthemen reichen allein nicht aus. Aus unserer Sicht muss eine Regulierung bei ESG-Themen – und dies gilt insbesondere für die Umweltthemen – auch mit Anreizen für eine positive Wirtschaftspolitik einhergehen. Erfolgsentscheidend wird dabei sein, dass die nachhaltige Transformation der Wirtschaft und damit der Unternehmen weiterhin ein zentraler Punkt auf der Agenda der politischen Entscheidungsträger in Deutschland und Europa bleibt. 

Insgesamt zeigen die Ergebnisse unserer Befragung, dass es den Pionieren und Vordenkern der Wirtschaft gelingt, sich den Herausforderungen des Klimawandels und seiner Folgen zu stellen und gleichzeitig erfolgreich zu sein. Denn alle Unternehmen haben die Chance, durch nachhaltiges Handeln nicht nur die Umwelt zu schützen, sondern auch langfristig wettbewerbsfähig zu bleiben und sich insgesamt resilienter aufzustellen. 
 

Kontakt: KPMG Deutschland, Timo Herold & Keywan Ghane | info@kpmg.com | www.kpmg.com



     
        
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