Neuer Mindestlohn in Bangladesch entspricht Hungerlohn

Obwohl viele Modemarken angeben, sich für existenzsichernde Löhne einzusetzen

Die Regierung von Bangladesch hat am Dienstag den neuen Mindestlohn für die 4,4 Millionen Bekleidungsarbeiter*innen des Landes auf 12.500 Taka pro Monat (106 Euro) festgelegt. Der Betrag liegt weit unter den 23.000 Taka, die Gewerkschaften fordern. Dieser Betrag ist Studien zufolge für ein menschenwürdiges Leben in Bangladesch erforderlich.
 
Arbeiter*innen protestierten, hier am 2.10.2023, in Bangladesch für eine Mindestlohnerhöhung auf 23000 Taka. © Clean Clothes CampaignObwohl viele Modemarken angeben, sich für existenzsichernde Löhne einzusetzen, unterstützen nur wenige die Forderung der Gewerkschaften. Für die Beschäftigten im Bekleidungssektor bedeutet der neue Mindestlohn, dass sie weiterhin ums Überleben kämpfen müssen und gezwungen sind, exzessive Überstunden zu machen, Kredite aufzunehmen, Mahlzeiten ausfallen zu lassen oder sogar ihre Kinder statt in die Schule zur Arbeit zu schicken.

Tote bei wochenlangen Lohnkämpfen
Der äußerst intransparente und parteiische Lohnfindungsprozess wurde nach wochenlangen Unruhen in Bangladesch abgeschlossen. Die Arbeiter*innen in und um Dhaka hatten begonnen zu protestieren, nachdem der Verband der Bekleidungshersteller BGMEA im vergangenen Monat vorgeschlagen hatte, den Mindestlohn auf nur 10.400 Taka (88 Euro) anzuheben. Zwei Arbeiter und eine Arbeiterin wurden während der Proteste getötet, viele wurden verletzt oder aufgrund ihres Protests verklagt. Die Ankündigung des neuen Mindestlohns von 12.500 Taka löst derweil weitere Unruhen in der bangladeschischen Hauptstadt aus, wie die Kampagne für Saubere Kleidung Deutschland mit Berufung auf ihre Partner*innen der internationalen Clean Clothes Campaign (CCC) berichtet.

Verantwortung liegt auch bei Modemarken
Fabrikbesitzer*innen in Bangladesch behaupten, sie hätten keine finanziellen Spielräume für einen Mindestlohn über 12.500 Taka. Doch es sind deren Auftraggeber*innen, die in der Branche die Preise diktieren. "Die internationalen Modemarken müssten mit ihren Einkaufspreisen den Fabrikbesitzer*innen ermöglichen, den Näher*innen existenzsichernde Löhne zu zahlen. Stattdessen aber drücken sie die Einkaufspreise", erklärt Aika Fischbeck von der CCC-Mitgliedsorganisation FEMNET.

Die Kampagne für Saubere Kleidung hat die hiesige Modebranche, die zu einem großen Teil in Bangladesch fertigen lässt, mehrfach aufgefordert, die gewerkschaftliche Forderung nach einem Mindestlohn von 23.000 Taka öffentlich zu unterstützen, aber fast alle Marken weigerten sich bisher. Viele Marken, darunter C&A, H&M, Primark, Esprit, Tchibo, Zalando und Aldi streben angeblich existenzsichernde Löhne an - dies scheinen nur leere Versprechen zu sein. Es liegt an diesen Unternehmen, ihren Worten Taten folgen zu lassen. In ihrer Macht stünde es, dass die Arbeiter*innen in ihrer Lieferkette mindestens 23.000 Taka erhalten, wenngleich dieser Betrag immer noch weit unterhalb des Wertes für einen existenzsichernden Lohn liegt, der von der Asia Floor Wage Alliance berechnet wird.

Kritik am Prozess
Die Gewerkschaften in Bangladesch üben scharfe Kritik am Lohnfindungsprozess - genau wie vor fünf Jahren. Sie fordern eine jährliche Überprüfung des Mindestlohns und weisen darauf hin, dass die Vertretung der Arbeitnehmer*innen im Lohnausschuss aus der größten Gewerkschaft ausgewählt werden müsste. Bei dieser und früheren Lohnverhandlungen wurde diese Vorschrift missachtet. Die Regierung ernannte einen "Arbeitnehmer*innenvertreter", der eher die Interessen der Arbeitgeber*innen und der Regierung vertritt.

Die Gewerkschaften weisen darauf hin, dass ihre Forderung von 23.000 Taka auf Grundlage des bangladeschischen Arbeitsgesetzes und der internationalen Kernarbeitsnormen (ILO-Übereinkommen 131 über die Festsetzung von Mindestlöhnen) berechnet wurde, während der Vorschlag der Arbeitgeber*innen dieser legitimen Grundlage entbehrte. 

Kontakt: Kampagne für Saubere Kleidung Deutschland e.V., Isabell Ullrich | koordination@saubere-kleidung.de | www.saubere-kleidung.de



     
        
Cover des aktuellen Hefts

forum future economy

forum Nachhaltig Wirtschaften heißt jetzt forum future economy.

  • Mit diesem Schritt markiert der Verlag bewusst eine Zeitenwende – hin zu einer Wirtschaft, die Zukunft schafft, statt nur Probleme zu verwalten.
Weiterlesen...
Kaufen...
Abonnieren...
04
DEZ
2025
18. Deutscher Nachhaltigkeitspreis
#DNP25
40221 Düsseldorf
04
DEZ
2025
Nachhaltigkeit als Markenkern im Tourismus
kostenloses Online-Event von forumESGready
online
09
DEZ
2025
Club of Rome Salon: Building the City of the Future (in English)
Cities, World Expos, and Stakeholders Driving Sustainability
10178 Berlin
Alle Veranstaltungen...
Anzeige

Professionelle Klimabilanz, einfach selbst gemacht

Einfache Klimabilanzierung und glaubhafte Nachhaltigkeitskommunikation gemäß GHG-Protocol

Digitalisierung

Smartphones und Philosophie
Werden Handy-Verbote in Schulen und Altersgrenze bei Social Media Nutzung die Probleme lösen?
B.A.U.M. Insights
Hier könnte Ihre Werbung stehen! Gerne unterbreiten wir Ihnen ein Angebot

Jetzt auf forum:

The GREEN MONARCH Awards 2025 Verleihung in Berlin

forum Nachhaltig Wirtschaften heißt jetzt forum future economy

forum future economy

Lkw-Service unterwegs

future economy: Regeneration als neue Fortschrittserzählung

Für Hobby- und professionellen Gartenbau: Label kennzeichnet nachhaltige Substratherstellung

"Was heute vermieden wird, muss später unter massivem Zeit- und Kostendruck nachgeholt werden."

Großzügigkeit und Wohlwollen

  • World Future Council. Stimme zukünftiger Generationen
  • Protect the Planet. Gesellschaft für ökologischen Aufbruch gGmbH
  • circulee GmbH
  • NOW Partners Foundation
  • TÜV SÜD Akademie
  • DGNB - Deutsche Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen
  • BAUM e.V. - Netzwerk für nachhaltiges Wirtschaften
  • Futouris - Tourismus. Gemeinsam. Zukunftsfähig
  • Engagement Global gGmbH
  • Dr. Ing. h.c. F. Porsche AG
  • toom Baumarkt GmbH
  • Global Nature Fund (GNF)
  • Bundesverband Nachhaltige Wirtschaft e.V. (BNW)