Recycling von Altreifen

Weltweit fallen jährlich 17 Millionen Tonnen Altreifen und auch Anhängerreifen an, allein in Deutschland jedes Jahr 584.000 Tonnen. Die Reifen bestehen im Wesentlichen aus Gummi und schwarzem Kohlenstoff. Effektives Recycling ist eine extrem lohnende Aufgabe. Aber welche Möglichkeiten gibt es auf dem Markt?

Pyrolyse

© Stux, pixabay.comDurch die Pyrolyse wird schwarzer Kohlenstoff und Öl, das sogenannte Bunkeröl, extrahiert. Der schwarze Kohlenstoff wird als Rohstoff verwendet. Die Funktionsweise? Altreifen werden zu feinem Granulat gemahlen, in einen Reaktor gefüllt, luftdicht verschlossen und in einen Thermoofen eingestellt. Ab einer gewissen Temperatur vergasen die im Reaktor befindlichen Stoffe. Reifen werden, bei einer Temperatur von etwa 700°C, in Öl, Koks und Gas umgewandelt.

Das Gas wird über angeschlossene Rohrleitungen wird in ein Kühlsystem geleitet, dort schlägt es sich nieder und fließt als Pyrolyseöl in den vorgesehenen Tank. Die Temperatur muss im gesamten Reaktor konstant bleiben, nur so bekommt man Produkte von gleichbleibender Qualität

Pyrolyseöl lässt sich mit Rohöl vergleichen. Jede Art von Kunststoff kann daraus hergestellt werden, aber es muss durch Chemiekonzerne weiterverarbeitet werden. BASF beispielsweise verwendet Pyrolyseöl zur Herstellung von Kühlschrankteilen, Lebensmittelverpackungen und Styroporboxen. Material, das nicht mechanisch beseitigt werden kann, lässt sich chemisch recyceln. Das ist eine Verbesserung, denn neues Rohöl wird eingespart.

Die Endprodukte und ihre Verwendungszwecke:
  • Lösungsmittel
  • Treibstoff (Diesel und Benzin)
  • Kohlenstoff für hochwertige Kohlefaser für Flugzeug- oder Autobau oder Schutzhelme oder Diamanten
  • Kohlenstoff und Natursteingemisch als mineralischer Dünger
Die Vorteile: umweltfreundliche Rohstoffrückgewinnung, emissionsfreie Produktion, kostengünstige Beschaffung der Ausgangsprodukte, dezentral aufstellbar, außergewöhnlich hohe Wertschöpfung durch echtes Recyceln.

Bislang wird bei der Produktion mit Pyrolyseöl frisches Öl in geringen Mengen beigemischt. Die zusätzlichen Schritte jedoch kosten Geld. Schätzungen zufolge ist Pyrolyseöl zwei- bis viermal so teuer wie natives Rohöl. 100%iges Recycling ist bisher nicht möglich, einige fossile Ressourcen werden immer benötigt werden. Doch die Prozesse lassen sich technologisch weiterentwickeln, die Möglichkeiten sich vergrößern.

Stoffliches Recycling

Die Altreifengranulierung ist ein weiterer wichtiger Beitrag zum Umweltschutz. Die vorsortierten Altreifen werden in allen anfallenden Größen und Arten bis zur gewünschten Korngröße geschreddert. Das Verfahren der sogenannten Warmvermahlung teilt die Reifen in die Bestandteile Gummi, Textil und Stahl. im Verhältnis 69% Gummi, 30% Eisen und 1% textile Rohstoffe. Reifendraht und Textilfasern werden separiert und aussortiert. Die Textilfasern können als Isolierung, der Stahl zu neuem Stahl geschmolzen werden.

Gummigranulate und Gummimehl aus dem Altreifen-Recycling werden an die Industrie verkauft. Dort ersetzen Sie teure, umwelt- und ressourcenbelastende Gummigranulate. Sie dienen beispielsweise, für elastische Beläge verarbeitet, in Form von Fallschutzplatten für den Bautenschutz oder als Antirutschmatten. Die etwas feineren Gummimehle kommen in der Bauchemie zum Einsatz, in Vergussmassen, Beschichtungen oder auch zu Modifizierung von Bitumen. Sie fungieren als Additiv im Straßenbelag oder als hochwertiger Belag für Spiel- und Sportplätze. Sie lassen sich im Bereich der Lärm- und Wärmeisolierung einsetzen oder in der Gummiindustrie.

Ein geeigneter Kohlenstoff lässt sich auch in die Deckschicht von Asphalt einarbeiten. Dann wirkt er als Leiter und kann zusätzlich Wärme von der Oberfläche in die unteren Schichten ableiten. Hier findet sie mehr Volumen, um sich zu verteilen und abzukühlen.


     
        
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