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„Es gibt keinen Plan B zu einer klimaneutralen, zirkulären Wirtschaft.“

Das RAL Forum 2023 überzeugt mit inspirierenden Vorträgen und Diskussionen sowie einem hybriden Veranstaltungskonzept

  • Bild: alle freiheit Werbeagentur GmbH
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Circular Economy und nachhaltiges Wirtschaften waren die Themen beim aktuellen RAL Forum „Kreislaufwirtschaft für den Mittelstand". Mehr als Recycling und Kunststoffverpackungen!" in aller Munde. Knapp 50 Menschen in Bonn sowie über 100 Online-Teilnehmer:innen folgten am 21.09.2023 der halbtägigen Veranstaltung mit einem spannenden Mix an Speakern aus Wirtschaft, Politik und Wissenschaft.

„Beginnen wir mit einem kleinen Gedankenspiel", begrüßte Moderator und Nachhaltigkeitsexperte Sven Fischer um Punkt 10 Uhr die Teilnehmenden. „Schauen Sie doch alle mal nach links und versuchen Sie, ein Gespräch mit ihrem Sitznachbarn zu starten. Da passiert nicht viel. Schauen wir uns aber gegenseitig an und denken im Kreis, kommen wir auch ins Machen."

Ins Machen kommen – dies sollte der Grundtenor der Veranstaltung werden.
Prof. Dr. Thomas Müller Kirschbaum, Berater für innovative Nachhaltigkeit, Chief Scientist beim Circular Valley und langjähriger Forschungschef sowie Nachhaltigkeitsverantwortlicher der Henkel AG und Co. KGaA, betrat als erster Keynote-Speaker die Bühne. „Klimaneutral und wirtschaftlich – geht das?" der Titel seines Vortrages und ein erstes Resümee: Es ginge – mit z. B. 4 Cent Mehrkosten pro Flüssigwaschmittelflasche wäre ein vollständig geschlossener, nicht-fossil basierter Rohstoffkreislauf für die Verpackung möglich. Müller-Kirschbaum forderte Pioniergeist und Zuversicht und folgerte: „Es gibt keinen Plan B zu einer klimaneutralen, zirkulären Wirtschaft."

Nach ihm ging das Mikrofon an Dr. Manuel Bickel, Umweltingenieur am Wuppertal Institut für Klima, Umwelt, Energie gGmbH und Co-Leiter des Forschungsbereichs Produkt- und Konsumsysteme, Abteilung Nachhaltiges Produzieren und Konsumieren. Sein Vortrag: „Die Zukunft braucht neue Ideen! Nachhaltiges Gestalten im Fokus." beschäftigte sich mit Materialkonsum, Stoffströmen und brachte viele Living-Lab-Beispiele. Ein Fazit: Nicht immer ist Recycling die beste Lösung. Beim Recycling von industriellen Kreismessern beispielsweise würde das Recyclen ein Einschmelzen bedeuten, wobei hochwertige Legierungsmetalle ganz verloren gingen und der Werkstoff neu gefertigt werden müsste. Die bessere Alternative hier ist Remanufacturing: Die Weiterverarbeitung des großen Kreismessers zu kleineren Kreismessern oder Handwerkzeugen. „Zack, macht mal alle zirkulär und innovativ – das geht nicht", beendete der Wissenschaftler seinen Vortrag. „Unternehmen brauchen Kompetenzen in nachhaltigem und resilientem Geschäftsaufbau, sie brauchen Unterstützung für die interne Weiterbildung. Ohne entsprechende Kompetenzen gibt es keine Transformation."

Der dritte Vortrag des Tages kam aus den Reihen von RAL. Nach den spannenden Impulsen aus Wirtschaft und Wissenschaft schloss RAL Geschäftsführer RA Thomas Roßbach an mit „RAL Gütezeichen für die Kreislaufwirtschaft". Seine Botschaft: Eine nachhaltige und wirtschaftliche Circular Economy braucht neue Standards, um Ressourcen effizienter zu nutzen und Abfall zu reduzieren – und genau da können die privatrechtlichen, freiwilligen und objektiven Standards der RAL Gütesicherung in allen Bereichen der Wertschöpfungskette helfen.

Nach den Einzelvorträgen folgte die Panel-Diskussion. Helmut Wiesner, Dezernent für Planung, Umwelt und Verkehr der Bundesstadt Bonn, Dr. Oliver Mertens aus der Gütegemeinschaft CO2-senkende Holzbauwerke, Torben Knöß aus der Gütegemeinschaft Kunststoffverpackungen für gefährliche Güter sowie RAL Hauptgeschäftsführer RA Rüdiger Wollmann gesellten sich zu Prof. Dr. Thomas Müller-Kirschbaum, Dr. Manuel Bickel und Sven Fischer auf die Bühne. Unter reger Beteiligung des Publikums online und vor Ort wurde in den kommenden 90 Minuten das Thema Kreislaufwirtschaft aus vielen unterschiedlichen Perspektiven beleuchtet.

Sollte beim Bau eines Produktes immer auch der Rückbau mitgedacht werden? Wie viel Bequemlichkeit sind wir als Einzelpersonen bereit, für „die gute Sache Nachhaltigkeit" aufzugeben? Wie können über Unternehmensgrenzen hinweg nachhaltige Produkte wirtschaftsfähig werden? Und wie kann ein Kennzeichnungssystem verlässlich bei Kaufentscheidungen helfen? All diese Fragen und mehr wurden diskutiert und durch die verschiedenen Blickwinkel entstanden viele Aha-Momente.

Pünktlich um 13 Uhr beendete Sven Fischer zusammen mit RAL Präsidentin Doris Möller die Veranstaltung. „Ich nehme mit, dass wir große Chancen im Bereich Nachhaltigkeit haben, dass es aber auch nicht einfach ist", so Doris Möller. „,One size fits all‘ gibt es nicht. Wir müssen uns auch darüber klar werden, dass es Nachhaltigkeit nicht kostenlos gibt. Ich denke aber auch, dass wir in Zukunft ganz viele Innovationen bekommen werden. Packen wir’s an – auch in den Gütegemeinschaften. Es hat sich gezeigt, dass es ganz viele Bereiche gibt, wo wir mit Gütezeichen ein Zeichen setzen können!"

Die positive Stimmung wurde von allen Teilnehmer:innen vor Ort mitgetragen und zog sich durch den anschließenden Netzwerk-Lunch.
„Es hat mir sehr gut gefallen. Wir nehmen spannende Insights in das Thema Kreislaufwirtschaft mit für unsere eigene Arbeit im Rahmen der Wirtschaftsförderung", so Daniela Scherhag-Godlinski von der Wirtschaftsförderung der Stadt Köln. Ihre Kollegin Marlies Knodel ergänzte: „Ein großer Mehrwert war für mich heute, dass so viele Kompetenzen, so viele Wissensebenen vertreten waren, die ermöglicht haben, das Thema Kreislaufwirtschaft von mehreren Seiten zu betrachten. Diese geballte Power war mit der größte Vorteil für mich. Das an einem Ort zentriert in so kurzer Zeit ist schon ein gelungenes Meisterstück."

Auch Gerald Feigenbutz von der Gütegemeinschaft Kunststoff-Fensterprofilsysteme zeigte sich begeistert von der Veranstaltung. „Es hat mir sehr gut gefallen, weil das Thema Kreislaufwirtschaft von RAL als wichtiges strategisches Thema an die Gütegemeinschaften weitergegeben wird. Mit der Erwartung bin ich heute auch gekommen – um zu hören, wie andere Gütegemeinschaften dieses Thema aufnehmen und dann an ihre Mitgliedsunternehmen weiterkommunizieren. Die Gütegemeinschaften sind ja eine Plattform, sie haben den direkten Zugang zu ihren Mitgliedsunternehmen und können Attribute wie Kreislauffähigkeit in die gütebestimmenden Merkmale, die sind ja die Basis für die Vergabe eines Gütezeichens, gut einbauen. Da ist die Möglichkeit für Fortschritt, für Innovation."

Auch RAL Hauptgeschäftsführer RA Rüdiger Wollmann zog ein positives Fazit: „Wir haben viel über das Themenfeld Circular Economy und Enkeltaugliches Wirtschaften gelernt und auch erkannt, welche wichtige Rolle die RAL Gütesicherung dabei spielen kann. Das RAL Forum Kreislaufwirtschaft hat aber nicht nur inhaltlich überzeugt, sondern auch mit seinem hybriden Veranstaltungsmodell. Daran kann und sollte angeknüpft werden!"

Kontakt: RAL Deutsches Institut für Gütesicherung und Kennzeichnung e. V. | www.ral-guetezeichen.de/



     
        
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