Hoffnung pflanzen ist wirtschaftlich
Wie Sekem die Wahat Wüste begrünt
Auf 1.000 Hektar ergrünt die Wüste: Im trockenen Klima der ägyptischen Region Wahat Bahareya entsteht eine Oase. Hier, etwa 370 km südwestlich von Kairo, wagt das Unternehmen Sekem das scheinbar Unmögliche. Etwa 60 Menschen arbeiten daran, biologisch-dynamische Landwirtschaft einzuführen: Mithilfe von Kompost machen sie die Wüste wieder fruchtbar und bauen Feldfrüchte wie Minze, Kamille, Calendula, Jojoba und Datteln an. Ungefähr drei Monate dauert es, den Kompost vorzubereiten. Und davon braucht Sekem jede Menge: Denn um einen Hektar Wüstenland in fruchtbares Land zu verwandeln, sind mehr als 70 Tonnen Kompost nötig – allein im ersten Jahr. Sekem rechnet damit, dass die Wahat Farm mit der neu geschaffenen Anlage mehr als 12.000 Tonnen Kompost jährlich produzieren kann. Bis Ende 2025 soll das Projekt mehr als 100.000 Hektar Wüstenfläche landwirtschaftlich nutzbar machen.
Das „Wunder in der Wüste" trägt zum Klimaschutz bei: Die Wahat Farm arbeitet daran die Qualität ihres Komposts weiter zu verbessern, um mehr CO2 zu binden. Dafür experimentieren die Mitarbeiter*innen damit, ihrem Kompost unterschiedliche Mengen Basalt beizumischen. Die Wirkung dieses mineralstoffreichen Gesteins testen sie dann an unterschiedlichen Feldfrüchten. Zudem pflanzen sie zahlreiche trockenheitsrobuste Bäume, um nach und nach das Mikroklima zu verändern und lokale Ökosysteme zu regenerieren. 400.000 sind es bisher. Arten wie die der Kasuarinen gedeihen hier besonders schnell. Mit neun Metern pro Jahr kann man ihnen regelrecht beim Wachsen zuschauen. Die Überlebensrate von 65 Prozent in den ersten zwei Jahren ist hoch – gerade unter den trockenen Bedingungen. Durch diese Bemühungen konnte die Wahat Farm die lokale Biodiversität schon drastisch steigern: Um 397 Prozent bei Fluginsekten, 430 Prozent bei Vögeln und 667 Prozent bei Pflanzen. Auch zur Erhaltung der bedrohten ägyptischen Lamarckii-Biene wurde ein Projekt gestartet.- 410 kg produzierter Kompost
- 13 gepflanzte Bäume
- 545 qm Boden angereichert mit gebundenem Kohlenstoff
- 100 % Boden- und Ökosystemheilung durch biodynamische Ansätze
- 10 % der Flächen sind der biologischen Vielfalt gewidmet
- 3 % der Einnahmen sind für die Innovationen der Landwirt*innen bestimmt
- 10 % der Arbeitszeit ist der Kunst und der persönlichen Entwicklung gewidmet
- 100 % der Vollzeitbeschäftigten erhalten eine Krankenversicherung (Ziel: bis 2025 auch alle Aushilfskräfte mitversichern)
- 100 % faire Löhne durch Economy of Love-Wertschöpfungsketten
- 100 % weniger Einsatz synthetischer Pestizide

- Inspiration: Menschen Hoffnung und ein Gefühl der Sinnhaftigkeit geben
- Soziales Kapital: Arbeitsplätze und Wirtschaftsaktivitäten, Bildung und Sicherheit schaffen
- Naturkapital: Wiederherstellung von Biodiversität, fruchtbaren Böden, Wasserqualität und Treibhausgasbindung
- Finanzielles Kapital: Die Realisierung von langfristig nachhaltigem Ertrag
Neben den Klimaextremen der Wüste mit sehr hohen Temperaturunterschieden stellt der Wassermangel die Wahat Farm vor Herausforderungen. Zwar ist Wasser vorhanden, allerdings als fossiles Wasser aus dem Nubian Einzugsgebiet, das seit langer Zeit nicht mehr am atmosphärischen Wasserkreislauf teilgenommen hat. Dazu kommen schlechte Infrastruktur und Bildungsstand in der Region und der „verzerrte" Lebensmittelmarkt, da Gemüse v.a. aus Kairo zugekauft wird. Von den 250 Millionen Tonnen CO2, die Ägypten emittiert, stammen allein 50 Millionen Tonnen aus der Landwirtschaft. Hier besteht also ein enormes Potenzial für den Klimaschutz.Dieser Artikel ist in forum Nachhaltig Wirtschaften 02/2023 mit dem Schwerpunkt: Künstliche Intelligenz - Künstliche Intelligenz oder natürliche Dummheit? erschienen.
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