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Lieferketten­resilienz – Herausforderung und Notwendigkeit

Ökologische Landwirtschaft überzeugt durch Resilienzvorteile.

Lieferketten der Lebensmittelbranche sind zunehmenden Belastungen ausgesetzt, deren Auswirkungen dauerhaft sind. Klimawandel ist nur ein Element eines ganzen Potpourris an Einflussfaktoren, die zwangsläufig die Frage aufwerfen: Sind unsere Lieferketten resilient (genug)?

© 123rf / ammentorpResilienz ist ein Begriff, der sich in letzter Zeit in unterschiedlichen Disziplinen als neues Schlagwort herauskristallisiert hat und der oft in bester Gesellschaft mit der noch stärker strapazierten „Nachhaltigkeit" auftaucht. Auf unterschiedlichen Ebenen wird plötzlich Resilienz oder vielmehr deren Fehlen zum Thema. Abgeleitet ist der Begriff aus dem Lateinischen: „Resilire" bedeutet „zurückspringen", „abprallen". Und so erklärt sich auch die Verwendung des Begriffs in der Physik für hochelastische Materialien, die nach Verformungen ihre ursprüngliche Form wieder annehmen. Eine Einordnung des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung lautet folgendermaßen: „Bezogen auf den Menschen beschreibt Resilienz die Fähigkeit von Personen oder Gemeinschaften, schwierige Lebenssituationen wie Krisen oder Katastrophen ohne dauerhafte Beeinträchtigung zu überstehen. Resilienz in Bezug auf den Klimawandel bedeutet zum Beispiel, dass der Mensch lernt, mit den Risiken und Folgen der globalen Erwärmung zu leben, sein Verhalten daran anzupassen und künftigen Krisen vorzubeugen."

Und damit sind wir mitten im Thema. Schließlich geht es bei Lieferkettenresilienz genau darum, auch wenn der Fokus auf Erderwärmung nur ein Element eines ganzen Potpourris an Einflussfaktoren darstellt, die zwangsläufig die Frage aufwerfen: Sind unsere Lieferketten resilient (genug)?

Schließlich gibt es neben dem Klimawandel noch viele weitere Szenarien, die auf diesen Sektor erhebliche Auswirkungen haben und meist miteinander zusammenhängen: Wasserknappheit, Verlust von Biodiversität oder degradierte Böden beispielsweise. Viele Branchen waren und sind darüber hinaus durch den Ukraine-Krieg, die Corona-Pandemie und die Störung des weltweiten Handels durch Ereignisse wie die „Ever Given"-Havarie im Suezkanal betroffen. Doch im Gegensatz zu diesen (hoffentlich) zeitlich limitierten Einschränkungen begegnen den an den Lieferketten der Lebensmittelbranche Beteiligten bereits heute Schwierigkeiten, deren Auswirkungen dauerhaft sind und deren Belastung zunimmt. Ein Zurückspringen in den Ursprungszustand (im Sinne des Wortursprungs von „Resilienz") kann es bei agrarischen Lieferketten daher eher nicht geben.

Als führender Hersteller von Babynahrung in Deutschland fühlt sich HiPP besonders für kommende Generationen verantwortlich und beschäftigt sich aus diesem Grund schon seit vielen Jahrzehnten aus Überzeugung mit dem nachhaltigen Anbau agrarischer Rohstoffe. Seit 1956 ist der familieneigene Ehrensberger Hof genau wie Stefan Hipps Bauernhof in Polen ein Öko-Betrieb. HiPP belegt auf diesen Musterhöfen anschaulich: Ökologische Landwirtschaft überzeugt durch Resilienzvorteile.

Vielfalt zählt
Im ökologischen Landbau läuft vieles anders als auf nicht ökologisch bewirtschafteten Feldern. Schon bei der Aussaat setzen Bio-Betriebe auf Vielfalt. Durch sinnvollen Fruchtwechsel, Zwischenfruchtanbau oder Gründüngung erhalten sie die Bodenfruchtbarkeit und gewährleisten dadurch, dass auf ihren Feldern dauerhaft gesunde Lebensmittel wachsen können. Die Nährstoffe, die eine Pflanze dem Boden entzieht, sollten wieder zurückgegeben werden. Dadurch bleibt der Boden lebendig und widerstandsfähig. Gesunder Bio-Boden ist wichtig für den Klimaschutz, da er Kohlendioxid langfristig binden kann. Darüber hinaus ist die Bodenqualität ein wesentlicher Faktor in der Anpassung an das sich verändernde Klima. Denn humusreiche Böden nehmen mehr Wasser auf und speichern es. Dadurch weisen sie sowohl bei extremer Nässe als auch in Trockenperioden weniger Ertragsschwankungen auf. Gesunde Böden sind damit auch in Jahren mit ungünstiger Witterung ertragsstabiler und weniger erosionsgefährdet.

Um die Bedeutung gesunder Böden ins Bewusstsein politischer Akteure zu rufen und die Notwendigkeit eines darauf abzielenden Gesetzes zu unterstreichen, hat HiPP einen offenen Brief an die EU-Kommission unterzeichnet, der sich für ein ehrgeizigeres EU-Bodengesundheitsgesetz einsetzt. Außerdem unterstützen wir unsere Partner in der Lieferkette fortlaufend dabei, Risiken zu erkennen und geeignete Maßnahmen abzuleiten. Denn die Resilienz agrarischer Lieferketten beginnt auf dem Acker.

Bio-Rindfleisch als Resilienz-Garant
Am vermeintlichen Klimakiller Rindfleisch lässt sich zeigen, wie, basierend auf den Prinzipien des Ökolandbaus, mit graslandbasierter Wiederkäuerhaltung ein Beitrag zu resilienten Strukturen gelingen kann. Bei nachhaltiger Weidehaltung sind Rinder in einen natürlichen Kreislauf eingebunden, der elementar für eine ertragreiche Landwirtschaft ohne künstliche, klimaschädliche Düngemittel ist. Auch im Bio-Anbau können wir natürlich noch viel verbessern, doch diese Art der Landwirtschaft ist bereits heute durch ihre zahlreichen positiven Effekte für Menschen, Tiere und Natur aus unserer Sicht die richtige Anbauform, um Resilienz und Regeneration zu fördern und langfristig zu gewährleisten. HiPP ist sich dabei durchaus bewusst, dass es in naher Zukunft zu Zielkonflikten kommen kann. Neue Anbaumethoden und Agrartechnologien haben das Potenzial, abseits einer Bio-Produktion im Sinne der EU-Ökoverordnung zukunftsorientierter, nachhaltiger und durchaus resilienter zu sein.

Klimaschutz als ein wichtiger Hebel
HiPP hat sich zum Ziel gesetzt, im Rahmen seiner Nachhaltigkeitsstrategie den fortschreitenden Klimawandel positiv zu beeinflussen. Die bereits genannten weiteren agrarischen Resilienzfaktoren Wasserknappheit und Biodiversitätsverlust sind hochgradig abhängig von den klimatischen Bedingungen. Die Klimabilanz der gesamten Lieferkette verdeutlicht, dass mit rund 60 Prozent ein Großteil der Gesamtemissionen der Produkte von HiPP bei der Herstellung agrarischer Rohstoffen entsteht. Daher binden wir unsere Lieferanten in die eigene Reduktions- und Dekarbonisierungsstrategie aktiv ein. Die hierfür erforderliche Datengrundlage liefert in Form detaillierter und vergleichbarer Informationen über den Klimareifegrad der einzelnen Lieferanten ein Software-Tool des Start-ups THE CLIMATE CHOICE. Die Kooperation mit THE CLIMATE CHOICE ermöglicht es HiPP, dem Ziel einer emissionsarmen Lieferkette näher zu kommen.
 
„Die Herausforderungen für die Widerstandsfähigkeit und Robustheit der Lieferketten [sind] in jedem Glied der Kette zu finden, einschließlich der Phasen der Lebensmittelproduktion, der Lagerung, des Transports und des Endvertriebs."
 
So fasst eine Stellungnahme des Ausschusses für Landwirtschaft und ländliche Entwicklung des EU-Parlaments vom 26.10.2022 die Komplexität des Themas zusammen, das hier nur in einem kleinen Schulterblick beleuchtet werden kann.

Lebensmittelhersteller können und sollten Teil der Lösung sein, um ihre eigenen Lieferketten resilient zu gestalten. Gerade Babynahrungshersteller stehen hier unter besonderem Druck: Die vulnerable Zielgruppe erlaubt keine Kompromisse – weder bei Qualität noch bei flächendeckender Produktverfügbarkeit.

Evi Weichenrieder ist Diplom-Kauffrau univ. und Diplom-Musikerin. Beim Babynahrungshersteller HiPP mit Stammsitz in Pfaffenhofen an der Ilm leitet sie die Nachhaltigkeitskommunikation. Im Rahmen dieser Tätigkeit vertritt sie in der Assoziation ökologischer Lebensmittelhersteller e.V. (AöL) als Sprecherin den Arbeitskreis Nachhaltigkeit.

Quelle: B.A.U.M. e.V. - Netzwerk für nachhaltiges Wirtschaften

Lifestyle | Essen & Trinken, 01.06.2023
Dieser Artikel ist in forum Nachhaltig Wirtschaften 02/2023 mit dem Schwerpunkt: Künstliche Intelligenz - Künstliche Intelligenz oder natürliche Dummheit? erschienen.
     
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