10. Internationaler Cradle to Cradle Congress 2026

Staatsschulden in Afrika

Große Zinsunterschiede je nach Gläubiger, private und chinesische Kredite am teuersten

Ein neuer Datensatz des IfW Kiel zeichnet erstmals ein detailliertes Bild der Schulden Afrikas. Diese sind seit dem Kreditboom ab 2010 sehr stark angewachsen. Dabei wird deutlich, dass afrikanische Staaten privaten und chinesischen Geldgebern sehr viel höhere Zinssätze bezahlen als öffentlichen Finanzinstitutionen wie der Weltbank. „Da sich viele Länder gleichzeitig Geld von privaten und von öffentlichen Gläubigern leihen, bedeutet dies, dass am Ende Steuerzahler die Rendite privater Investoren und chinesischer Banken bezahlen", sagt Christoph Trebesch, Forschungsdirektor und Schuldenforscher am IfW Kiel.

© Mihalyi, Trebesch: 'Who Lends to Africa and How? Introducing the Africa Debt Database', Kiel Working Paper 2217, ifw-kiel.de/africadebtDemnach erhalten private Geldgeber von afrikanischen Staaten Kreditzinsen von bis zu 10 Prozent. Dies sind in erster Linie die Käufer afrikanischer Staatsanleihen, etwa Investmentfonds. Im Durchschnitt liegt die Verzinsung privater Investoren bei 6,2 Prozent.
 
Dagegen erhalten öffentliche Gläubiger im Schnitt nur 1,1 Prozent, zu ihnen zählen etwa die Weltbank, der Internationale Währungsfonds oder einzelne Staaten. Dabei sind Kredite aus Deutschland und Frankreich mit durchschnittlich 1,7 Prozent verhältnismäßig teuer, am günstigsten sind Darlehen aus Japan mit 0,5 Prozent.
 
China nimmt als Gläubiger eine Sonderrolle ein. Obwohl die Kredite ebenfalls aus staatlicher Hand bzw. über staatliche Banken vergeben werden, setzt Peking mit durchschnittlich 3,2 Prozent deutlich höhere Zinsen an als die übrigen öffentlichen Gläubiger.

Grundlage der Auswertung ist der neue und frei zugängliche Datensatz Africa Debt Database (Who Lends to Africa and How? Introducing the Africa Debt Database) des Kiel Instituts für Weltwirtschaft (IfW Kiel). Darin enthalten sind über 7.400 Darlehen und Anleihen von über 50 verschiedenen öffentlichen und privaten Geldgebern zwischen den Jahren 2000 und 2020 mit einem Gesamtvolumen von 790 Mrd. US-Dollar.

Bislang sind die Daten zu Schulden afrikanischer Staaten recht grob und vor allem in aggregierter Form zugänglich, also etwa mit Informationen zu durchschnittlichen Zinssätzen gegenüber allen Gläubigern. Informationen zu den Bedingungen einzelner Kontrakte und einzelner Gläubiger fehlten oder waren lückenhaft.
 
„Ein Hauptziel der Africa Debt Database ist es, die Transparenz von Afrikas Staatsschulden zu erhöhen. Einzelne Kredittitel sind enorm hoch verzinst, viele andere hingegen haben kaum oder keine Zinskosten. Wie stark die Unterschiede über verschiedene Gläubiger hinweg wirklich sind, hat uns überrascht und war in den bislang vorliegenden Daten praktisch nicht erkennbar", so Trebesch. © Mihalyi, Trebesch: 'Who Lends to Africa and How? Introducing the Africa Debt Database', Kiel Working Paper 2217, ifw-kiel.de/africadebtPrivate Investoren aus dem Westen und chinesische Banken profitieren von subventionierten Entwicklungskrediten
Die Zinslücke zwischen privaten und öffentlichen Krediten an afrikanische Staaten wuchs in den letzten 20 Jahren deutlich an. In den 2000er Jahren betrug der Abstand durchschnittlich nur 0,5 bis 1 Prozentpunkte, in den letzten Jahren dagegen rund 5 Prozentpunkte. Grund ist, dass die afrikanischen Anleihezinsen am Kapitalmarkt deutlich stiegen, während öffentliche Geldgeber heute sogar geringere Zinssätze verlangen als damals.
 
„Die steigende Zinslast auf private Anleihen setzt die Staatshaushalte gerade ärmerer afrikanischer Länder zunehmend unter Druck. Bemerkenswert ist dabei weniger die Differenz der Kreditzinsen, denn öffentliche Geldgeber haben oftmals auch einen politischen Auftrag und das Ziel, afrikanischen Staaten in ihrer Entwicklung zu helfen. Dagegen steht bei privaten Investoren die finanzielle Rendite im Vordergrund", so Trebesch. 

„Bedenklich ist vielmehr, dass zahlreiche Länder wie etwa Ägypten oder Kenia sich gleichzeitig Geld sowohl bei privaten Anlegern als auch in großem Umfang bei öffentlichen Geldgebern leihen, so dass mit den günstigen Krediten aus öffentlicher Hand – also letztlich Steuergeld – die hohen Renditen privater Investoren wie Hedgefonds querfinanziert werden. Dasselbe gilt für chinesische Kredite afrikanischer Länder, die teilweise mithilfe günstiger Entwicklungskredite aus dem Westen bedient werden." 
 
Riesiger Kapitalbedarf in einem aufstrebenden Afrika
Afrikanische Staaten verzeichneten in den letzten 20 Jahren teils sehr hohe Wachstumsraten, die typischerweise auch mit einem sehr hohen Kapitalbedarf, etwa für grundlegende Infrastruktur, einhergehen. Während im Jahr 2000 gut 50 Kredite mit einem Gesamtvolumen von rund 10 Mrd. US-Dollar aufgenommen wurden, waren es 2020 über 80 Kredite mit einem Volumen von über 80 Mrd. US-Dollar.

Staatsanleihen am freien Kapitalmarkt und Kredite aus China spielten in den 2000ern nur eine geringe Rolle, waren dann aber maßgeblich für den afrikanischen Kreditboom ab 2010 verantwortlich. In einzelnen Jahren machen sie jeweils rund ein Viertel bis fast die Hälfte der Kreditaufnahme afrikanischer Staaten aus. 

„Unsere Mikrodaten ermöglichen eine systematische Neubewertung der Staatsverschuldung in Afrika und beantworten die zentralen Fragen: Wer leiht den afrikanischen Regierungen Geld und zu welchen Konditionen? Dank dieser neuen Transparenz sind Analysen zur Schuldentragfähigkeit und zu möglichen Staatsbankrotten in Afrika einfacher durchzuführen."

Jetzt Forschungspapier lesen und Datenbank entdecken: 

Kontakt: Kiel Iinstitut für Weltwirtschaft, Prof. Dr. Christoph Trebesch | christoph.trebesch@ifw-kiel.de | www.ifw-kiel.de


     
        
Cover des aktuellen Hefts

Frau Reiche – es reicht!

forum 03/2026

  • Resilienz
  • Klimafinanzierung
  • Wald
  • Startups
Weiterlesen...
Kaufen...
Abonnieren...
28
AUG
2026
Neues Amt Altona - Eröffnungswochenende mit naa-Festival
Erster genossenschaftlich organisierter Co-Working-Neubau Hamburgs
22767 Hamburg
23
SEP
2026
BootCamp Impact Business Design
Zertifizierter Impact Business Design Master
Berlin
06
OKT
2026
Zertifizierter ESG Reporting Professional
Fit für CSRD, ESRS & Co. – ESG-Reporting souverän meistern
Online-Lehrgang in vier Modulen
Alle Veranstaltungen...
Zertifizierter ESG Reporting Professional. Fit für CSRS & Co. - ESG-Reporting souverän meistern.
Anzeige

Der Mittelstand im ESG-Dschungel. Sie müssen nicht alles machen. Sie müssen nur wissen, was.

Sie erhalten einen klaren Fahrplan: was jetzt zu tun ist, was Sie auf dem Schirm behalten sollten und was Sie getrost ignorieren können.

Bildung

Spielerischer Wettbewerb oder klassischer Wettkampf?
Christoph Quarchs philosophischer Blick auf die Bundesjugendspiele
Lassen Sie sich begeistern von einem Buch, das Hoffnung macht.
Hier könnte Ihre Werbung stehen! Gerne unterbreiten wir Ihnen ein Angebot

Jetzt auf forum:

Deutsche Umwelthilfe fordert Aufnahme von Klimaanpassung und Naturschutz ins Grundgesetz und Korrektur klima- und naturschädlicher Gesetze

Erntebericht für Baden-Württemberg: Nicht Diesel und Dünger subventionieren, sondern Klimaanpassung

Zieldebatten beenden, Führungsanspruch beim Klima-Thema in konkrete Beschlüsse übersetzen

Digital vernetzt vom Wald bis zum Gebäude

#demokratierelevant

Mertesdorf prüft Nahwärmeversorgung aus Abwasser

"Wirtschaftliche und gesundheitliche Schäden sind viel zu hoch"

Entscheiden Sie jetzt bewusst: Haut und Gelenke gezielt unterstützen

B.A.U.M. Insights
  • Engagement Global gGmbH
  • Protect the Planet. Gesellschaft für ökologischen Aufbruch gGmbH
  • Dr. Ing. h.c. F. Porsche AG
  • NOW Partners Foundation
  • BAUM e.V. - Netzwerk für nachhaltiges Wirtschaften
  • Energie- und Klimaschutzagentur Rheinland-Pfalz GmbH
  • Futouris - Tourismus. Gemeinsam. Zukunftsfähig
  • Klimabündnis Ebersberg-München
  • Global Nature Fund (GNF)
  • TÜV SÜD Akademie
  • Bundesverband Nachhaltige Wirtschaft e.V. (BNW)
  • ZamWirken e.V.
  • World Future Council. Stimme zukünftiger Generationen
  • DGNB - Deutsche Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen
  • SUSTAYNR GmbH
  • WWF Deutschland
  • 66 seconds for the future