Für ein neues Zeitalter von Unternehmertum?! - Wege in ein Resonanz-Unternehmertum. 11. bis 13. Juni 2024

Labels für Leder und Schuhe im Check

Qualitätssiegel informieren unzureichend und haben klare Defizite im Bereich Arbeitsrechte und Sozialstandards

Arbeitsrechte und soziale Kriterien werden von den gängigsten Leder- und Schuhsiegeln vernachlässigt. Die Schuh- und Lederbranche setzt die Anforderungen des deutschen Lieferkettengesetzes nicht ausreichend um, sondern versteckt sich hinter freiwilligen Siegeln. Das ist das Ergebnis einer gemeinsamen Untersuchung der entwicklungspolitischen Organisationen INKOTA und Südwind Österreich.

© OpenClipart-Vectors, pixabay.com "Verbraucherinnen und Verbraucher erfahren beim Kauf von Lederwaren und Schuhen nichts über die Arbeitsbedingungen und Sozialstandards. Ein eklatanter Mangel an Verbraucherinformation! Unternehmen werben mit Siegeln, die nicht verpflichtend sind. Noch ist ausreichend transparent, wie die selbstdefinierten Kriterien überprüft werden. Standards, die für sich Qualität beanspruchen, jedoch keine Informationen der Öffentlichkeit zur Verfügung stellen sind kein ausreichender Beleg für die Erfüllung der gesetzlichen Sorgfaltspflicht, die durch das deutsche Lieferkettengesetz seit Anfang des Jahres festgeschrieben ist. Die Politik muss umfassende Kriterien für Standards und Initiativen festlegen. Dazu zählen ambitionierte Kriterien bzgl. der Transparenz und Qualität sowie Integrität.", erklärte Berndt Hinzmann, Referent für Wirtschaft und Menschenrechte bei INKOTA.

Zu den sechs untersuchten Qualitäts-Labels gehören das "Umweltzeichen Blauer Engel für Schuhe", "Oeko-Tex Leather Standard", "Naturleder IVN zertifiziert", das "Österreichische Umweltzeichen" sowie die beiden Business-to-Business- Zertifizierungssysteme "Leather Working Group (LWG)" und "Higg Brand and Retail Module (HiggBRM)". Lediglich zwei, der Blaue Engel und das Österreichische Umweltzeichen beruhen auf gesetzlichen Regelungen. Vier weitere Systeme orientieren sich bei der Auswahl ihrer technischen, ökologischen oder sozialen Kriterien vornehmlich an den Interessen der beteiligten Unternehmen. Die Mehrzahl der beschriebenen Zertifizierungssysteme legt ihr Augenmerk auf die Erfassung umwelt- und materialbezogener Indikatoren.

Keines der Siegel beinhaltet Angaben zu existenzsichernden Löhnen oder zum risikobasierten Ansatz von Sorgfaltspflichten. Auch bei sozialen Kriterien weisen die Zertifizierungen große Mängel auf: Bei der Leather Working Group, dem Oeko-Tex Leather Standard und HiggBRM sind sie für die Vergabe des Siegels nicht nötig. Bei der Leather Working Group ist es sogar möglich, ohne ein Sozial-Audit die Kennzeichnung "Gold-Medaille" zu erhalten. Der HiggBRM stellt überhaupt keine Informationen öffentlich, die Einblick in die Risikoanalyse und die Maßnahmen geben, die Unternehmen zur Minimierung oder Vermeidung der Risiken entlang der Lieferkette ergreifen.

"Es besteht dringender Handlungsbedarf, um die strukturell bedingten Risiken für Leder- und Schuharbeiter*innen abzustellen. Anerkennung von selbst gemachten, intransparenten Industrie-Standards ist keine Lösung.", erklärt Berndt Hinzmann.

Der Decent Leather Label Check untersucht eine Auswahl von Qualitätssiegeln, auf die Unternehmen in der Unternehmensbefragung "Menschenrechtliche Sorgfaltspflicht in der Praxis" verwiesen haben. Die Unternehmen gaben an, über sogenannte Business-to-Business-Standards die Anforderungen des Lieferkettensorgfaltspflichtengesetzes in Deutschland zu erfüllen.

Die Grundlage für die Analyse bilden öffentlich zugängliche Informationen. Das Fazit: "Wer ein Gütesiegel sucht, das umfassende nachhaltige Produktionsbedingungen kennzeichnet, wird bei den auf dem Markt bestehenden Zertifizierungen für Leder, Lederwaren und Schuhen nicht fündig", so Berndt Hinzmann, INKOTA. "Denn die zentralen Säulen der Nachhaltigkeit - soziale und ökologische Kriterien - sind nicht gleichwertig im Fokus und weisen Lücken auf."

Die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) hat die Lederproduktion als besonderen Risikosektor ausgewiesen. Bei der Produktion von Lederwaren und Schuhen sind massive Arbeitsrechtsverletzungen keine Seltenheit. Geringe Löhne, extrem lange Arbeitstage und kaum regulierte Arbeitsbedingungen sind die Regel. Dazu kommen ein intensiver Einsatz gefährlicher Chemikalien, mangelhafte Schutzausrüstung und weitreichende Umweltrisiken.

Hintergrundinformationen
Together for decent leather ist ein dreijähriges Programm von sieben zivilgesellschaftlichen Organisationen aus Asien und Europa. Das Programm will zur Verbesserung der Arbeitsbedingungen in der Lederwaren- und Schuhindustrie Südasiens mit Fokus auf Indien, Pakistan und Bangladesch beizutragen und Arbeitsrechtsverstöße zu reduzieren. Das Konsortium arbeitet daran, eine stärkere Verbindlichkeit für die Erfüllung ihrer menschenrechtlichen Sorgfaltspflicht von Unternehmen zu etablieren und fordert von Regierungen Regelungen und Schutzmechanismen zu errichten, um die Einhaltung internationaler Arbeitsrechte zu verbessern: www.togetherfordecentleather.org

Bericht "Qualitätsstandards und menschenrechtliche Sorgfaltspflichten. Label Check: Leder und Lederschuhe"

Unternehmensbefragung: "Menschenrechtliche Sorgfaltspflicht in der Praxis": Wie kommen Unternehmen ihrer Verantwortung für Menschenrechte in der globalen Lieferkette von Leder(waren) und Schuhen nach?

Kontakt: INKOTA-netzwerk e.V., Bernd Hinzmann | hinzmann@inkota.de | www.inkota.de

Lifestyle | Mode & Kosmetik, 29.03.2023

     
Cover des aktuellen Hefts

Jede Menge gute Nachrichten

forum Nachhaltig Wirtschaften 02/2024 mit dem Schwerpunkt "Der Weg zum Mehrweg – Transport und Logistik"

  • Circular Cities
  • Kllimagerecht bauen
  • Kreislaufwirtschaft für Batterien
  • ToGo-Mehrwegverpackungen
Weiterlesen...
Kaufen...
Abonnieren...
22
MAI
2024
VinylPlus® Sustainability Forum 2024
Together Towards Higher Ambitions
50668 Köln
24
MAI
2024
Lunch & Learn: "Speak like a Speaker"
Wie Sie auf Ihrer eigenen Konferenz überzeugen.
online
30
MAI
2024
Klimacamp München
Mach mit!
80333 München, Königsplatz
Alle Veranstaltungen...
The VinylPlus Sustainability Forum 2024. Together towards higher ambitions

Professionelle Klimabilanz, einfach selbst gemacht

Einfache Klimabilanzierung und glaubhafte Nachhaltigkeitskommunikation gemäß GHG-Protocol

Politik

Warum nimmt die Radikalisierung beim Thema Abtreibung wieder zu?
Christoph Quarch ist der Ampel dankbar für ihre Gesetzesinitiative
B.A.U.M. Insights

Jetzt auf forum:

Rekord IFAT Munich, 13. - 17. Mai 2024

Fahrrad-Leasinganbieter Company Bike gewinnt Giesecke+Devrient als Neukunden und baut damit sein Portfolio an Großunternehmen am Standort München weiter aus.

TK Elevator veröffentlicht dritten Nachhaltigkeitsreport „Moved by What Moves People":

Grüner Kraftwerksgipfel in Berlin am Brandenburger Tor

Sonne gewinnt - Öl ist von gestern!

Wie Seven Senders mit dem End-of-Life-Service von circulee Kosten und Emissionen spart

Die Bedeutung nachhaltiger Verpackungen in der Gesellschaft

Solarstrom für Automobilhersteller: Sunrock setzt Wachstumskurs fort

  • Futouris - Tourismus. Gemeinsam. Zukunftsfähig
  • Dr. Ing. h.c. F. Porsche AG
  • DGNB - Deutsche Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen
  • circulee GmbH
  • Energieagentur Rheinland-Pfalz GmbH
  • Kärnten Standortmarketing
  • B.A.U.M. e.V. - Netzwerk für nachhaltiges Wirtschaften
  • Global Nature Fund (GNF)
  • ECOFLOW EUROPE S.R.O.
  • Engagement Global gGmbH
  • World Future Council. Stimme zukünftiger Generationen