Digitale Suffizienz
Der fehlende Baustein für eine nachhaltige Digitalisierung
Autonomes Fahren wird als nachhaltige Lösung für effizientere Verkehrsführung angepriesen; Smart Farming und Precision Farming sollen eine effizientere Landwirtschaft mit gezielterem und dadurch geringerem Pestizideinsatz ermöglichen, während Smart Homes den Komfort im Haus erhöhen und gleichzeitig den Energieverbrauch optimieren sollen. Dabei ist die Hoffnung stets, dass digitale Innovationen Prozesse verbessern und Effizienz steigern.
Bei Software-Suffizienz geht es darum, das Datenvolumen, den Datenverkehr und die Nachfrage nach Rechenleistung durch energieeffizientes und datensparsames Softwaredesign zu minimieren. Dabei bietet die Vermeidung unnötiger Datentransfers durch ungewollte Werbe- und Tracking-Dienste von Drittanbietern großes Potenzial. Bei Smartphone-Apps können so 3–8 Tonnen CO?-Äquivalente pro Jahr eingespart werden (Uijttewaal et al., 2021). Darüber hinaus bedeutet Software-Suffizienz, Rechenkapazitäten der aktuellen Nachfrage anzupassen, z.B. indem Software nicht benötigte Netzwerkinfrastruktur in einen Schlafmodus versetzt. Auch Free- und Open-Source-Software sowie Open-Data-Ansätze können einen suffizienten Umgang mit Daten und Rechenkapazitäten begünstigen.- Dr. Vivian Frick ist wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für ökologische Wirtschaftsforschung. Der Forschungsschwerpunkt der Sozial- und Umweltpsychologin liegt auf sozial-ökologischer Transformation, digitalem Wandel und Verhaltensveränderung für einen suffizienten Lebensstil.
- Dr. Mareike Gossen ist wissenschaftliche Mitarbeiterin am Fachgebiet Sozial-ökologische Transformation der TU Berlin. Sie forscht und lehrt zu den Themen nachhaltiger Konsum, suffizienzförderndes Marketing und sozial-ökologische Transformation.
Quellen:
Lange, S., Pohl, J. & Santarius, T. (2020): Digitalization and energy consumption. Does ICT reduce energy demand? Ecological Economics, 176, 106760. DOI: 10.1016/j.ecolecon.2020.106760.
Pohl, J., Frick, V., Hoefner, A., Santarius, T. & Finkbeiner, M. (2021): Environmental saving potentials of a smart home system from a life cycle perspective: How green is the smart home? Journal of Cleaner Production, 312, 127845. DOI: 10.1016/j.jclepro.2021.127845.
Santarius, T., Bieser, J.C.T., Frick, V., Höjer, M., Gossen, M., Hilty, L. M., Kern, E., Pohl, J., Rohde, F., Lange, S. (2022): Digital sufficiency: conceptual considerations for ICTs on a finite planet. Annals of telecommunications. DOI: 10.1007/s12243-022-00914-x.
Uijttewaal, Meis, Bergsma, Geert & Scholten, Thijs (2021): Carbon footprint of unwanted data-use by smartphones: An analysis for the EU. https://cedelft.eu/publications/carbon-footprint-of-unwanted-data-use-by-smartphones-an-analysis-for-the-eu/
Quelle: BAUM e.V. - Netzwerk für nachhaltiges Wirtschaften
Dieser Artikel ist in forum Nachhaltig Wirtschaften 03/2022 mit dem Schwerpunkt: Transformation von Wirtschaft und Gesellschaft - Ist die Party vorbei? erschienen.
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