Technik | Energie, 02.02.2022
EU-Taxonomie droht viel Glaubwürdigkeit zu verlieren
Europaparlament ist nun gefordert
Germanwatch kritisiert finalen EU-Kommissionsentwurf zur Einstufung von Erdgas und Atom als „nachhaltig" scharf / Ampel-Koalition gibt mit Forderung nach Aufweichung der Gaskriterien klimapolitisch schlechte Figur ab / EU-Parlament entscheidet nun über Zukunft des Instruments
Bundesregierung bei erstem klimapolitischen Test mangelhaft
Die Kriterien für die Aufnahme von Erdgas in die Taxonomie wurden von der Kommission gegenüber dem vorherigen Entwurf noch weiter abgeschwächt. Die im Dezember-Entwurf noch enthaltenen Beimischungszwischenziele für Biogas und Wasserstoff wurden ganz gestrichen. Damit entspricht die finale Fassung exakt den nach Brüssel geschickten Forderungen der Bundesregierung zur Taxonomie. Dazu Christoph Hoffmann, Referent für klimakompatible Finanzflüsse bei Germanwatch: „Die neue Bundesregierung macht auf internationaler klimapolitischer Bühne da weiter, wo die letzte aufgehört hat: Aufgrund der Notwendigkeit eines begrenzten und vorübergehenden Einsatzes von Erdgas tritt Deutschland als edler Ritter des Brennstoffs auf. Dabei rechtfertigt die zeitweise Notwendigkeit, es im Strombereich einzusetzen, keinesfalls, es als nachhaltig einzustufen. Erdgas ist maximal eine kurze Brücke, kein grüner Energieträger."
Christoph Bals weiter: „Es liegt nun einerseits am EU-Parlament, gegen diesen Rechtsakt zu stimmen. Wir setzen auf Gegenstimmen aus den Reihen der Parteien, die in Deutschland die Regierung tragen. Wenn dies nicht reicht, sind wir gespannt was die angekündigte Klage von Österreich und Luxemburg ergibt. Die Kläger haben gute Argumente: Die Kommission hätte ein Gesetz, nicht einen einfachen delegierten Rechtsakt vorlegen müssen. Sie widerspricht hier den eigenen wissenschaftsbasierten Kriterien. Und sie verstößt vermutlich auch gegen das völkerrechtlich bindende Pariser Klimaabkommen."
Frau Reiche – es reicht!
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