Lifestyle | Gesundheit & Wellness, 18.01.2022
Heilsamer Wald
Waldtherapien auf dem Weg in ein deutschlandweites Gesundheitskonzept
Mediziner der Berliner Charité zeigen die klinische Wirksamkeit von Waldtherapien auf. Gemeinsam mit der International Nature and Forest Therapy Alliance wollen sie mit ihrem Forschungsprojekt eine Überführung von Waldtherapien in ein deutschlandweites Gesundheitskonzept voranbringen. Das Projekt wird mit Mitteln des Waldklimafonds der Bundesministerien für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) und für Umwelt, Naturschutz, nukleare Sicherheit und Verbraucherschutz (BMUV) gefördert.
Wer viel im Wald unterwegs ist, schwört längst darauf – auf die heilsame Wirkung von Waldspaziergängen für das seelische und das körperliche Wohlbefinden. Forschende um den Naturheilkundler und Bestseller-Autor Professor Andreas Michalsen von der Berliner Charité und der International Nature and Forest Therapy Alliance (INFTA) wollen im Verbundvorhaben „Waldtherapie" nun auf Basis wissenschaftlicher Erkenntnisse die Wirksamkeit von Klinischen Waldtherapien (KWT) aufzeigen.Gegen Stress, mentale Probleme und chronische Erkrankungen
In Japan wird bereits seit 1983 ein Vorläufer der KWT, das „Eintauchen in den Wald" (Shinrin-Yoku) in mittlerweile über 60 Waldtherapiezentren angeboten. Ausgebildete Waldtherapeuten führen dort Besucher mit gezielten Übungen und begleitenden Erklärungen auf mehrstündigen Waldspaziergängen. Drei Jahrzehnte Erfahrung zeigen, dass mit Waldtherapien Stress, mentalen Problemen und auch chronischen Erkrankungen entgegengewirkt werden kann.
Nun sollen diese positiven Erkenntnisse auch in Deutschland genutzt und in vier Pilotregionen umgesetzt und evaluiert werden. In mehreren begleitenden Studien werden in dem Forschungsprojekt medizinische und psychologische Parameter bei definierten Stichproben erhoben, um den Wirksamkeitsgrad waldtherapeutischer Maßnahmen wissenschaftlich zu evaluieren. Entsprechend soll das Verbundvorhaben „Waldtherapie" aufzeigen, welche Effekte der Aufenthalt im Wald und die von Pflanzen und Bäumen im Wald ausgestoßenen Substanzen haben.
Waldtherapie als präventives Gesundheitskonzept in Deutschland
Ansätze in die Richtung „Waldspaziergang als Medizin" wurden bereits 2017 auf dem Kongress „Gesundheitspotential: Wald" in Heringsdorf initiiert und vom Bäderverband Mecklenburg-Vorpommern e.V. in Zusammenarbeit mit der Landesregierung realisiert. Allerdings liege der Fokus dort eher auf touristischer Ebene, so Michalsen: „Beim Projekt „Waldtherapie" planen wir, in einem abschließenden Symposium Empfehlungen und Leitlinien zu formulieren und damit eine flächendeckende Einführung der KWT als präventives Gesundheitskonzept in Deutschland anzustoßen."
Hintergrund:
Waldtherapie-Boom: Deutschland diente mit seinen Kurorten, dem Ausbau und Schutz seines Waldbestandes und den gesetzgeberischen Grundlagen als Vorbild für die in Japan entwickelten Waldtherapie-Zentren. Anfang der 2000er Jahre wurde das stressreduzierende Konzept von „Shinrin-yoku" in Südkorea und in Taiwan übernommen. Auch in der Volksrepublik China wird ein Ausbau der KWT angestrebt mit dem Ziel, dass jeder Bürger Chinas nicht mehr als zwei Stunden entfernt vom nächstgelegenen Waldtherapie-Zentrum lebt.
Der Waldklimafonds wurde im Juni 2013 als Bestandteil des Energie- und Klimafonds gemeinsam von BMEL und BMU aufgelegt.
Die FNR ist seit 1993 als Projektträger des BMEL für das Förderprogramm Nachwachsende Rohstoffe aktiv. Sie unterstützt seit 01.01.2019 als Projektträger auch Vorhaben der Förderrichtlinie Waldklimafonds.
Zugehörige Dateien:
Verbundvorhaben: Wert und Bedeutung des Waldes für die klinische Waldtherapie als öffentliches Gesundheitskonzept
Teilvorhaben 1: Medizinische Grundlagen
Teilvorhaben 2: Implementierung klinischer Waldtherapie
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