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Klimakompatible Betriebsabläufe

Der Weg zu einem zeitgemäßen Emissions-Management

Das Pariser Klimaschutzabkommen vom Dezember 2015 markiert einen Meilenstein der internationalen Klimaschutzbemühungen. Erstmals wird darin ein völkerrechtlich verbindliches Klimaziel definiert: Der Anstieg der globalen Temperaturen soll auf höchstens 2 °C begrenzt werden. Doch schon heute ist klar, dass staatliches Handeln allein das Klima nicht retten kann. Dem privaten Sektor und insbesondere den Betrieben kommt deshalb eine wichtige Bedeutung zu. Doch was können Unternehmen tun und wie lässt sich Klimaschutz in die Betriebsabläufe integrieren?

© SarahRichterArt, pixabayBei der Planung des betrieblichen Klimamanagements stellt sich die Frage nach dem Begründungszusammenhang. Warum sollte das Einzelunternehmen aktiv werden? „Aus Verantwortung", ist die naheliegende Antwort. Doch Klima­schutz ist längst kein rein ethisches Thema mehr, sondern untrennbar und ganz direkt mit dem Unternehmenserfolg verbunden. Die öffentliche Diskussion zeigt, dass freiwilliges Engagement von allen Anspruchsgruppen in immer stärkerem Maße erwartet wird. Kein Unternehmen und keine Branche kann es sich mittelfristig leisten, beim Klimaschutz im Abseits zu stehen.
 
Klimaschutz als Managementaufgabe
Klimaschutz ist heute eine Managementaufgabe von strate­gischer Bedeutung. Risiken, die sich aus dem Klimawandel für Produktion, Betriebsabläufe und Lieferketten ergeben, müssen ebenso erkannt und gemanagt werden, wie mögliche Chancen, die sich durch die Veränderung der Rahmen bedingungen bieten.

Wie sollten Unternehmen also auf die Herausforderungen des Klimawandels reagieren und welche Möglichkeiten gibt es, aktiv zu werden? Die Antwort liegt in dem bekannten Dreiklang aus Vermeiden, Reduzieren und Kompensieren. Diese Schritte bilden den Nukleus des unternehmerischen Klimamanagements. Angesichts der Komplexität der Zusam­menhänge sollte der Prozess vor­ und nachgelagert jedoch um weitere Stufen erweitert werden, um ein optimales Ergebnis zu erzielen. Wir schlagen deshalb einen Dekarbo­nisierungs-Prozess vor, der insgesamt sechs Stufen umfasst: Analyse, Planung, Vermeidung/Reduktion, Kompensation/ Neutralisation, Investition und Kommunikation.
 
Der Handlungsrahmen: Strategien und Instrumente des betrieblichen Klimaschutzes
  1. Analyse
    Grundvoraussetzung für ein zeitgemäßes Klimamanage­ment ist die Inventarisierung der eigenen Treibhaus­gas-­Emissionen. Eine professionelle Berechnung des CO2-­Fußabdrucks liefert die notwendige Datengrundla­ge. Daran können sich sinnvollerweise weitere Auswertungen anschließen: Spezifische Hotspot-Analysen legen die zentralen Emissionsquellen in den Betriebsabläufen und der Lieferkette offen und ermöglichen Kosten-/Nutzen­-Abwägungen. Klimastresstests können dabei helfen, das Risikoprofil des eigenen Unternehmens zu ermitteln, und Benchmarking-Untersuchungen geben Auskunft über die Positionierung im Vergleich zum Wettbewerb.

  2. Planung
    In der Planungsphase geht es darum, den eigenen De­karbonisierungs-Zielpfad zu definieren, der für jedes Unternehmen individuell festgelegt werden sollte. Dabei gilt es, die eigenen Klimaschutzambitionen zu hinter­fragen bzw. diese in Abhängigkeit von der Markt-­ und Wettbewerbssituation festzulegen. Die Herausforderung besteht darin, die Klimaziele 2°C-kompatibel zu gestalten und dadurch sicherzustellen, dass der zur Erreichung der Ziele notwendige Klimaschutzbeitrag der individuellen Verantwortung angemessen ist. Die Einführung wissenschaftsbasierter Klimaziele – sogenannter Science Based Targets – ist dafür eine wichtige Voraussetzung. Auf dieser Grundlage lassen sich auch anspruchsvolle Net-­Zero-­Emissionsstrategien umsetzen.

  3. Vermeidung/Reduktion
    Die Vermeidung von Treibhausgasemissionen und das Ausschöpfen vorhandener Reduktionspotenziale sind die zentralen Bestandteile jeder glaubwürdigen Klima­strategie. Dabei sollten insbesondere auch Einspar­- bzw. Vermeidungspotenziale in der Liefer-­ und Wertschöp­fungskette berücksichtigt und die Partner entsprechend eingebunden werden. Neben der Umsetzung von Effizienzmaßnahmen ist die Beschaffung und Nutzung von Grünstrom eine wichtige Möglichkeit, um den unter­ nehmerischen CO2-Fußabdruck nachhaltig und effizient zu reduzieren. Dafür stehen verschiedene Instrumente wie der Kauf von Herkunftsnachweisen oder der Ab­schluss von bilateralen Lieferverträgen mit Betreibern von Erneuerbare-­Energien-­Anlagen – sogenannte Power Purchase Agreements – zur Verfügung.

  4. Kompensation/Neutralisation
    Als Ergänzung zur Reduktion vermeidbarer Treibhaus­gasemissionen spielt der Ausgleich unvermeidbarer Emissionen aus der Geschäftstätigkeit eine wichtige Rolle im unternehmerischen Klimaschutz. Er erfolgt durch den Erwerb von Emissionsminderungsnachweisen aus zerti­fizierten internationalen Klimaschutzprojekten. Für die CO2-Kompensation werden dazu Projekte herangezogen, die vermeiden, dass neue CO2-­Emissionen entstehen. Alternativ können auch CO2-­Senkenprojekte genutzt werden, die der Atmosphäre aktiv CO2 entziehen. Man spricht in diesem Fall von Neutralisation. Durch CO2-­Kom­pensation und -Neutralisation können Unternehmen einen schnell wirksamen und effizienten Beitrag zum Klimaschutz leisten.

  5. Investition
    Die Bereitstellung ausreichender Finanzmittel ist eine unabdingbare Voraussetzung für wirksamen Klimaschutz und auch dazu können Unternehmen einen entscheiden­ den Beitrag leisten. Neben der Investition in neue, effizi­ente Technologien und Prozesse sowie der Unterstützung von Projekten durch den Kauf von CO2-Zertifikaten ist in diesem Zusammenhang auf Unternehmensseite auch an die Entwicklung eigener Klimaschutzprojekte zu denken, die dann zur exklusiven Nutzung zur Verfügung stehen.

  6. Kommunikation
    Zum betrieblichen Klimaschutz gehört schließlich auch die Kommunikation. Sie ist wichtig, um das eigene Unter­nehmen gegenüber Kunden, Investoren und anderen Stakeholdern zu positionieren. Überzeugende Kom­munikation kann außerdem dabei helfen, andere zum Klima-Handeln zu bewegen. Wichtig ist in jedem Fall, auf größtmögliche Transparenz zu achten. Die Berichterstat­tung an bzw. die Zusammenarbeit mit Initiativen wie CDP und RE100 unterstützt die Außenwirkung – ebenso wie die Auditierung des eigenen Engagements durch unabhängige Prüfinstitute.
Fazit
Zeitgemäßes betriebliches Klimamanagement ist ein Ma­rathon, kein Kurzstreckensprint. Unternehmen, die sich in entsprechender Weise engagieren möchten, sollten sich Zeit für eine an die individuelle Situation angepasste Planung nehmen und sich von einem erfahrenen Partner professionell unterstützen lassen. Die Effektivität der eingeleiteten Maß­nahmen zur Reduktion des eigenen CO2-­Fußabdrucks und die Qualität der für den Ausgleich der Emissionen unterstützten Klimaschutzprojekte sind von außerordentlicher Bedeutung für den Erfolg der Maßnahmen. Sie sind maßgebend für die Glaubwürdigkeit des eigenen Klimaschutz­-Engagements, die durch transparente und offene Nachhaltigkeits-Kommuni­kation wirksam unterstützt werden kann.

Mike Hatert ist Head of Renewables und Vertriebschef für den DACH-­Raum bei dem international tätigen Klimaschutzdienstleister First Climate in Bad Vilbel bei Frankfurt a.M. In dieser Funktion berät und unterstützt er Unternehmenskunden bei der Erreichung ihrer Klimaschutzziele. Der ausgewiesene Energiespezialist ist Diplom­-Ingenieur, hochschul­zertifizierter Energiewirtschaftsmanager sowie Energiemanager IHK und verfügt über mehr als 15 Jahre Berufserfahrung.

Quelle: B.A.U.M. e.V. - Netzwerk für nachhaltiges Wirtschaften

Umwelt | Klima, 01.09.2021
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