Zertifizierter ESG Reporting Professional. Fit für CSRS & Co. - ESG-Reporting souverän meistern.

Das 30x30-Ziel - Eine Katastrophe für indigene Völker und die Biodiversität

NGO schreibt offenen Brief an Bundeskanzlerin Dr. Angela Merkel

In einem offenen Brief an die deutsche Bundeskanzlerin Dr. Angela Merkel argumentiert Survival International, dass der Kampf gegen den Verlust der Artenvielfalt nicht auf Kosten von indigenen Völkern geführt werden darf. Stattdessen müssen indigene Völker - die besten Hüter der Natur - eine zentrale Rolle beim Erhalt der weltweiten Biodiversität und dem Schutz gesunder Ökosysteme einnehmen.
 
Angehörige der Jenu Kuruba protestieren in Indien gegen illegale Vertreibungen im Namen des 'Naturschutzes'. © SurvivalDer Plan, 30% des Planeten bis 2030 in "Schutzgebiete" umzuwandeln, der auf dem Gipfeltreffen der Biodiversitätskonvention (CBD-COP15) beschlossen werden soll, ist eine große grüne Lüge: Er würde das Leben von etwa 300 Millionen Menschen zerstören und den Planeten nicht retten. Deshalb appelliert Survival an die deutsche Bundeskanzlerin, diesen Plan nicht zu unterstützen und ihre politische Position zu nutzen, um sich für die Rechte indigener Völker einzusetzen.

Offener Brief an Bundeskanzlerin Dr. Angela Merkel

Das 30×30-Ziel: Eine Katastrophe für indigene Völker und die Biodiversität

Berlin, 6. April 2021

Sehr geehrte Frau Bundeskanzlerin Dr. Angela Merkel,

der Plan, 30% des Planeten in "Schutzgebiete" umzuwandeln, wird auf dem IUCN-Kongress im September diskutiert und soll auf dem Gipfeltreffen der Biodiversitätskonvention (CBD-COP15) beschlossen werden.

Sie erklärten kürzlich, dass auch Deutschland sich der "High Ambition Coalition for Nature and People" anschließe und sich dafür einsetze, weltweit 30% der Land- und Meeresflächen in Schutzgebiete umzuwandeln.

Das Ziel wurde als eine der zentralen Maßnahmen zur Eindämmung des Verlusts der biologischen Vielfalt und zur Bekämpfung der Klimakrise dargestellt. Die Umsetzung des Vorhabens wäre jedoch ein großer Fehler mit weitreichenden Folgen. Anstatt ein Patentrezept zu sein, führen Schutzgebiete zu schweren Menschenrechtsverletzungen an indigenen Völkern und lokalen Gemeinschaften. Nichts deutet darauf hin, dass sich dies in Zukunft ändern wird.

Die Einrichtung von Schutzgebieten, speziell in Afrika und Asien, folgt einem kolonialen Modell, das als "Festungsnaturschutz" bekannt ist und auf Landraub basiert. Angehörige indigener Völker, die in diesen Gebieten leben, werden von Rangern - die von großen Naturschutzorganisationen unterstützt und finanziert werden - vertrieben, geschlagen, gefoltert, vergewaltigt und getötet. Die Ausweitung dieses Ansatzes, nur um das 30%-Ziel zu erreichen, würde das Leben von mehr als 300 Millionen Menschen bedrohen, darunter auch die gefährdetsten und am nachhaltigsten lebenden Gesellschaften unseres Planeten.

Darüber hinaus bewahren Naturschutzgebiete die Artenvielfalt nicht, sondern schaden ihr. 80% der weltweiten Biodiversität befinden sich in indigenen Gebieten. Indigene Völker nehmen also eine entscheidende Rolle beim Erhalt dieser Vielfalt und dem Schutz gesunder Ökosysteme ein. Wenn ihre Landrechte gesichert und respektiert werden, sind sie durch ihr Wissen und ihre Lebensweise die besten Hüter der Natur. Die wissenschaftlichen Beweise dafür sind überwältigend. Der aktuell diskutierte Plan zur Ausweitung von Schutzgebieten beinhaltet jedoch keine Schutzklauseln für indigene Völker oder lokale Gemeinschaften. Wir fordern, dass ihr Recht auf Land, Ressourcen und Selbstbestimmung sowie ihr Recht auf freie, vorherige und informierte Zustimmung bei Projekten, die ihr Land betreffen, garantiert und respektiert wird.

Die Missachtung dieser Rechte verstößt gegen UN-Normen und internationales Recht. Gerade im Hinblick auf die bevorstehende Ratifizierung der ILO-169 durch Deutschland, wäre dies mehr als ein Schlag ins Gesicht für indigene Völker und lokale Gemeinschaften. Deshalb fordern wir Sie mit Nachdruck auf, diesen kolonialen, rassistischen, menschenfeindlichen und ökologisch höchst fragwürdigen Ansatz aufzugeben. Es ist entscheidend, dass Sie Ihre politische Position nutzen, um sicherzustellen, dass die Rechte indigener Völker respektiert werden, zusammen mit starken, durchsetzbaren Garantien. Das Leben von Hunderten von Millionen von Menschen steht auf dem Spiel.

Indigene Völker sind die besten Naturschützer und die Wahrung ihrer Rechte muss das zentrale Instrument zum Schutz der Natur und der biologischen Vielfalt sein. Für indigene Völker, für die Natur und für die ganze Menschheit.

Hochachtungsvoll,

Linda Poppe
Koordinatorin, Survival International Deutschland
 
Kontakt: Survival International Deutschland, Niklas Ennen | presse@survivalinternational.de| www.survivalinternational.de


     
        
Cover des aktuellen Hefts

Frau Reiche – es reicht!

forum 03/2026

  • Resilienz
  • Klimafinanzierung
  • Wald
  • Startups
Weiterlesen...
Kaufen...
Abonnieren...
11
SEP
2026
Den Demokratie-Muskel stärken – Zusammen für das Gemeinwohl!
Training mit Christian Felber & Roman Huber
38489 Beetzendorf
11
SEP
2026
Den Demokratie-Muskel stärken
Live-Online-Training in Echtzeit mit Grit Bümann, Roman Huber, Christian Felber
online
22
OKT
2026
csrTAG 2026 – Nachhaltigkeit als Wirtschaftsfaktor
R³essourcen. R³esilienz. R³entabilität. - Ticketverkauf gestartet
A-6236 Alpbach
Alle Veranstaltungen...
Transformation as a Service. Engegie | KI | Cyber | ESG - aus einer Hand | Zum Festpreis.
Anzeige

Der Mittelstand im ESG-Dschungel. Sie müssen nicht alles machen. Sie müssen nur wissen, was.

Sie erhalten einen klaren Fahrplan: was jetzt zu tun ist, was Sie auf dem Schirm behalten sollten und was Sie getrost ignorieren können.

Pioniere & Visionen

By the dawn's early light
Christoph Quarchs Überlegungen zum 250. Jahrestag der Unterzeichnung der Unabhängigkeitserklärung der Vereinigten Staaten von Amerika
Lassen Sie sich begeistern von einem Buch, das Hoffnung macht.
Hier könnte Ihre Werbung stehen! Gerne unterbreiten wir Ihnen ein Angebot

Jetzt auf forum:

Klimarisiken erkennen und handeln

Bio wächst trotz Konsumflaute

Frankreich stoppt Trophäen-Importe bedrohter Arten

Kurze Wege, volle Regale: Verkaufsautomaten machen regionale Produkte rund um die Uhr verfügbar

Soziale Effekte von Solardächern fördern die Energiewende

Hitze gefährdet die Trinkwasserversorgung

Neue Rechte für die Reparierbarkeit

Erneute Extremhitze: Verbände fordern Hitzegipfel

B.A.U.M. Insights
  • Bundesverband Nachhaltige Wirtschaft e.V. (BNW)
  • WWF Deutschland
  • Energie- und Klimaschutzagentur Rheinland-Pfalz GmbH
  • 66 seconds for the future
  • World Future Council. Stimme zukünftiger Generationen
  • Dr. Ing. h.c. F. Porsche AG
  • NOW Partners Foundation
  • Protect the Planet. Gesellschaft für ökologischen Aufbruch gGmbH
  • Futouris - Tourismus. Gemeinsam. Zukunftsfähig
  • DGNB - Deutsche Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen
  • BAUM e.V. - Netzwerk für nachhaltiges Wirtschaften
  • Global Nature Fund (GNF)
  • Klimabündnis Ebersberg-München
  • Engagement Global gGmbH
  • SUSTAYNR GmbH
  • TÜV SÜD Akademie
  • ZamWirken e.V.