Mit kleinen Schritten zum großen Ziel

Vier Handlungsfelder auf dem Weg zur klimaneutralen Logistik

Der Verkehrssektor ist in Deutschland nach der Energiewirtschaft und der Industrie mit rund 20 Prozent CO2-Austoß der drittgrößte Verursacher von Treibhausgas-Emissionen. Beim Klimaschutz können Logistikunternehmen gemeinsam mit ihren Auftraggebern aus Industrie und Handel einen besonders wertvollen Beitrag leisten.
 
Der Klimawandel ist mittlerweile allgegenwärtig – auch in Deutschland. Hauptursache sind Treibhausgas-Emissionen, vor allem durch Kohlenstoffdioxid (CO2). Durch sie erwärmt sich die Erdatmosphäre schneller als je zuvor. Höchste Zeit also, mit entsprechenden Maßnahmen entschlossen gegenzusteuern. Denn ohne eine Begrenzung der klimaschädlichen CO2-Emissionen ist Fachleuten zufolge ein Anstieg der globalen Durchschnittstemperatur um mehr als 3 °C wahrscheinlich.
 
Besonders großes Potenzial im Verkehrssektor
Der Weg zur Treibhausgasneutralität führt insgesamt nur über die Reduktion von Emissionen. Besonders großes Potenzial hat dabei der Verkehrssektor. Erst recht, da sich hier laut Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit (BMU) in Sachen CO2-Ausstoß seit 1990 nicht viel getan hat. Der Grund: Zwar sind Fahrzeuge heute deutlich energieeffizienter unterwegs. Aber es fahren auch sehr viel mehr Pkw und Lkw auf den Straßen als noch vor 30 Jahren. Allein der Güterverkehr mit einer stetig wachsenden Anzahl von Sendungen stieg bis 2017 um 74 Prozent, mehr als zwei Drittel der Güter wurden auf der Straße transportiert. Und auch wenn immer mehr moderne, energieeffiziente Lkw auf den Straßen verkehren, so ist doch ein Reboundeffekt ent-standen. Bedeutet: Trotz Reduzierung des CO2-Fußabdrucks pro Sendung (TCF), erhöht sich der Unternehmens-Fußabdruck (CCF). Ursache sind die steigenden Sendungsmengen.
 
Einfach mal machen
Damit Deutschland seine Klimaziele erreicht, hat die Bundesregierung dem Verkehrssektor deshalb einen strengen CO2-Sparkurs verordnet. Bis 2030 sollen die Treibhausgas-Emissionen gegenüber 1990 um 40 bis 42 Prozent sinken. Alternative Kraftstoffe und Antriebe, der Ausbau des Schienenverkehrs und die Digitalisierung sind die wichtigsten Hebel, mit denen die Bundesregierung diese Einsparungen realisieren will. Das ist auf jeden Fall eine wichtige Weichenstellung in die richtige Richtung. Doch reichen diese Maßnahmen aus? Wohl kaum. Denn mit politischen Anstrengungen allein wird sich das Ruder nicht herumreißen lassen. Entsprechend wichtig ist es, dass jedes einzelne Logistikunternehmen aktiv dazu beiträgt, den CO2-Ausstoß zu senken – egal, ob es sich um einen internationalen Konzern oder ein mittelständisches Familienunternehmen handelt: Jede Tonne CO2 zählt. Die folgenden Handlungsfelder gilt es dabei in den Blick zu nehmen.
 
1. Analysieren
Wer seine schädlichen Treibhausgas-Emissionen reduzieren möchte, muss zunächst herausfinden, an welcher Stelle wie viel CO2 in die Atmosphäre gepustet wird. Stichwort: CO2-Fußabdruck. Denn wer seinen CO2-Fußabdruck genau kennt, kann die Wirksamkeit verschiedener Einsparmaßnahmen viel besser beurteilen. Viele Logistiker scheitern jedoch bereits daran. Wie eine aktuelle Studie der Logistik-Initiative Hamburg zeigt, erfasst knapp die Hälfte der Transportunternehmen ihre Emissionen gar nicht oder unvollständig.
 
Bei kleinen Betrieben mit weniger als 250 Mitarbeitenden sind es sogar 64 Prozent. Hier gilt es anzusetzen. Die Grundlage dafür schaffen ein zertifiziertes Umweltmanagementsystem nach ISO 14001 sowie eine Umweltbilanz nach ISO 14064. Sie gibt Aufschluss über den CO2-Fußabdruck des Unternehmens (CCF). Der sendungsbezogene Fußabdruck (TCF) lässt sich nach DIN:EN 16258 ermitteln.
 
2. Reduzieren
Möglichkeiten, CO2-Emisssonen zu senken, ergeben sich an vielen Stellen. In der Verwaltung verbessern ein Dokumentenmanagementsystem und der damit verbundene Verzicht auf Papier sowie die Nutzung regenerativer Energien die CO2-Bilanz deutlich. Darüber hinaus lassen sich durch den Einsatz moderner Lkw (z.B. EURO 6, Wasserstoff-, LNG- und Elektro-Antriebe), durch Digitalisierung und Sendungsbündelung sowie Fahrerschulungen für besonders energieeffizientes Fahren zusätzliche Einsparpotenziale realisieren.
 
Ein weiterer Ansatz ist die Verlagerung von Transporten von der Straße auf die Schiene. So können ganze Lkw auf der Schiene reisen (Rollende Straße) oder einzelne Wechselbrücken (Container) in Kombination von Lkw und Bahn transportiert werden. Logistikunternehmen können so noch einmal deutlich auf die CO2-Bremse treten.
 
3. Kompensieren
Die Kompensation von Emissionen trägt ebenfalls zur Klimaneutralität bei – zum Beispiel mit Hilfe der weltweit tätigen Organisation myclimate. Sie gehört zu den Qualitätsführern (Gold Standard) von freiwilligen CO2-Kompensationsmaßnahmen. In verschiedenen Projekten engagiert sich myclimate – aber auch andere Organisationen – dafür, fossile Energiequellen durch erneuerbare Energien zu ersetzten, Wälder aufzuforsten und energieeffiziente Technologien zu implementieren. Alle diese Maßnahmen helfen, Treibhausgase einzusparen.
 
Ein weiterer Vorteil: Durch eine Investition in derartige Projekte lassen sich die eigenen CO2-Emissionen an anderer Stelle ausgleichen – und so der gesamte Unternehmensfußabdruck positiv beeinflussen. Zudem haben die Gold-Standard-Projekte auch eine soziale Komponente: Sie ermöglichen für die Menschen ein besseres Leben und fördern die Entwicklung.
 
4. Kommunizieren
Logistikdienstleister agieren grundsätzlich in einem engen Netzwerk aus Kunden und Partnern. Deshalb ist es wichtig, auch beim Klimaschutz zusammenzuarbeiten. Heißt konkret: Ohne die Mithilfe aller Akteure können selbst die wirksamsten Maßnahmen nicht ihr volles Potenzial entfalten. Es gilt also, Kunden und Partner mit ins Boot zu holen. Eine transparente Kommunikation schafft dafür die Basis. Denn nur wenn Kunden und Partner informiert sind, können sie zu aktiven Unterstützern werden. Geeignetes Informations-Instrument ist beispielsweise der Nachhaltigkeitsbericht, der darüber hinaus auch verdeutlicht, wie weit der eigene Weg zur Klimaneutralität noch ist.
 
Christian Faggin ist Geschäftsführer des Logistikunternehmens Alpensped GmbH. Das Mannheimer Familienunternehmen gilt seit Jahren als Vorreiter in Sachen grüner Logistik. 2020 wurde Christian Faggin für sein jahrelanges vorbildliches Engagement für den Klimaschutz mit dem B.A.U.M. | Umwelt- und Nachhaltigkeitspreis ausgezeichnet.

Quelle: B.A.U.M. e.V. - Netzwerk für nachhaltiges Wirtschaften

Technik | Mobilität & Transport, 01.03.2021
Dieser Artikel ist in forum 01/2021 - SOS – Rettet unsere Böden! erschienen.
     
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