Hamburger Umweltinstitut fordert: Ein Neues Bio

Gesunde Ernährung für 10 Milliarden Menschen im Einklang mit Natur und Umwelt

Der jetzige Bio-Begriff ist über 100 Jahre alt. Wesentliche Reformen haben nicht stattgefunden. Nach wie vor sind Denkweisen vom Anfang des letzten Jahrhunderts die Grundlage des heutigen Begriffs. Dies hat verheerende Auswirkungen: Weder ein aktiver Schutz der Artenvielfalt noch der Erhalt des Bodens ist mit dem bestehenden Bio möglich. Die dem heutigen Bio zugrundeliegenden Denkweisen romantisieren die Natur und ermöglichen es nicht, eine echte Partnerschaft zwischen Menschen und anderen Lebewesen einzugehen. Selbst die striktesten Bio-Siegel, wie zum Beispiel Demeter, bedeuten den Verlust von bis zu 2 Tonnen Humusboden pro Hektar und Jahr. 

Wenn es gelingt, den Boden durch Landwirtschaft aufzubauen, kann dieser einen wesentlichen Beitrag zur Lösung des Klimaproblems leisten. © Goran Horvat, pixabay.comNatürlich ist dies kein Vergleich zu sogenannter konventioneller Landwirtschaft, in welcher bis zu 40 Tonnen Boden durch Maisanbau pro Hektar und Jahr verloren gehen können, wie Messungen des Hamburger Umweltinstituts und mehrere andere Untersuchungen, vor allem in den Niederlanden, belegen. Doch auch der jetzige Bio-Begriff hat fundamentale Schwächen. In einer Untersuchung des Hamburger Umweltinstituts, in Verbindung mit der Leuphana-Universität Lüneburg und Studierenden der Universität wird gezeigt, dass der jetzige Bio-Begriff zentrale Lücken aufweist. So dürfen zum Beispiel im Biolandbau Pestizide verwendet werden, die für Umwelt und Gesundheit erhebliche Gefährdungen darstellen. Ein besonders offensichtliches Beispiel dafür ist die Verwendung von Kupferpräparaten im Weinbau und in anderen landwirtschaftlichen Kulturen. Als der jetzige Bio-Begriff entwickelt wurde, war Kupfer ein Mangel-Element. Inzwischen ist Kupfer allerdings in großen Mengen in die Umwelt gelangt und reichert sich dort an, zerstört die Bodenfruchtbarkeit und verändert aquatische Systeme. Kupferpräparate sind extrem aquatoxisch. 

Die Untersuchungen der Studierenden des Seminars „Ein neues Bio" an der Leuphana Universität Lüneburg zeigen zusätzlich, dass es bei keinem existierenden Bio-Siegel (selbst im entlegenen Bhutan nicht), erlaubt ist, menschliche Nährstoffe wieder einzusetzen. Wir Menschen müssen täglich circa zwei Gramm Phosphat über die Nahrung aufnehmen und wieder an die Umwelt abgeben, um damit Zähne, Knochen und die Energiespeicherung im Körper zu ermöglichen. Es gibt jedoch „in der ganzen Welt kein einziges Bio-Siegel, welches es erlaubt, dass menschliche Fäkalien wieder eingesetzt werden. Es gilt nur als Bio, wenn wir nicht dabei sind", so der Vorsitzende des Hamburger Umweltinstituts, Prof. Michael Braungart. 

Wir Menschen bedauern unsere Existenz auf der Welt offenbar so sehr, dass wir denken, es sei nur Bio, wenn die Menschen daran nicht beteiligt sind. Dem liegt ein fatales, völlig einseitiges Rollenverständnis der Menschen auf der Erde zu Grunde: Die Menschen werden oftmals als „Schädlinge" verstanden, deren „Schädlichkeit" am besten dadurch minimiert wird, indem sie in möglichst wenig Wechselwirkung mit den anderen Lebewesen treten. Bei einer anderen Sichtweise, in der die Menschen Teil des Ganzen sind, müssen Nährstoffe wieder in biologische Kreisläufe zurückgelangen. 

Gleichzeitig muss es möglich sein, die Kontamination mit Mikroplastik zu unterbinden. Auch zu diesem Bereich gibt es keine vernünftigen, messbaren Aussagen im Biolandbau. Die Forschung des Hamburger Umweltinstituts und der Studierenden zeigt einen drastischen Reformbedarf. Themen wie Bodenerosion, Artenvielfalt sowie die Unterstützung von Bodenlebewesen werden bislang nur in ganz geringen Teilbereichen betrachtet. 

„Die jetzige konventionelle Landwirtschaft ist zerstörerisch für Natur und Umwelt. Aber auch die Bio-Landwirtschaft löst in keiner Weise die Ernährungsprobleme für 10 Milliarden Menschen und verursacht zudem erhebliche Umweltzerstörungen", erklärt dazu Prof. Michael Braungart. 
Was benötigt wird, ist eine Landwirtschaft, die aktiv die Artenvielfalt unterstützt, den Boden aufbaut und die menschlichen Nährstoffe wieder zurückbringt. Das vom unlängst verstorbenen Nobelpreisträger Paul Crutzen ausgerufene Anthropozän bedeutet, dass die Menschen ihre Rolle als wesentliche Biomasse und Verwender von Nährstoffen akzeptieren. Wenn es gelingt, den Boden durch Landwirtschaft aufzubauen, kann dieser einen wesentlichen Beitrag zur Lösung des Klimaproblems leisten. Mehr als die Hälfte des gesamten Kohlenstoffs ist im Boden gespeichert. Darum ist eine Landwirtschaft notwendig, die für 10 Milliarden Menschen unter völlig anderen Bedingungen wirtschaftet. 

Die Untersuchung des Hamburger Umweltinstituts und der Studierenden zeigt, wie ein solcher Weg möglich sein kann. Die jetzt beginnende BIOFACH in Nürnberg, die unter erschwerten Corona-Bedingungen digital stattfinden muss, könnte für ein solches Neues Bio ein echtes Diskussionsforum sein. 

Weiterlesen: Ein Neues Bio: Gesunde Ernährung für 10 Milliarden Menschen im Einklang mit Natur und Umwelt (Prof. Michael Braungart, Hamburger Umweltinstitut) 

Kontakt: Hamburger Umweltinstitut e.V., Patrick Meiß | hui@hamburger-umweltinst.org | hamburger-umweltinst.org 


     
        
Cover des aktuellen Hefts

Zukunft braucht Frieden

forum 02/2026

  • Militär & Märkte
  • Grüner Wasserstoff
  • Moorschutz als Invest
  • ESG loves KI
Weiterlesen...
Kaufen...
Abonnieren...
20
MAI
2026
Bayerischer Batteriekongress 2026
Einblicke, Strategien, Innovationen
81671 München
21
MAI
2026
Munich Impact Night
Dieser Abend ist für alle, die die Zukunft noch nicht aufgegeben haben
81379 München
16
JUN
2026
BootCamp Impact Business Design
Zertifizierter Impact Business Design Master
Hamburg
Alle Veranstaltungen...
forum goes international! Download the international edition for forum free of charge.
Anzeige

Der Mittelstand im ESG-Dschungel. Sie müssen nicht alles machen. Sie müssen nur wissen, was.

Sie erhalten einen klaren Fahrplan: was jetzt zu tun ist, was Sie auf dem Schirm behalten sollten und was Sie getrost ignorieren können.

Megatrends

Der Zauber von Olympia - und Geschichten von Hass und Hetze
Christoph Quarch wünscht sich einen Fokuswechsel in der Berichterstattung von den Olympischen Spielen
B.A.U.M. Insights
Hier könnte Ihre Werbung stehen! Gerne unterbreiten wir Ihnen ein Angebot

Jetzt auf forum:

KOSTAL Wechselrichter und Batterie kompatibel mit Heartbeat AI

Dekarbonisierung als Wettbewerbsfaktor und Innovationstreiber aktiv steuern

Sharena Fabrika kündigt Kurs zum Erwerb des Permakultur-Design-Zertifikats an

Kleine Geschenke erhalten die Freundschaft…

EU-Verpackungsverordnung (EU) 2025/40

Rollen und Verantwortlichkeit in der PPWR: Wer ist wofür zuständig?

GWÖ Rheinland Summit 2026, 23./24. Juni in Köln

Pirelli als weltweiter Spitzenreiter in den Sektoren Automobilkomponenten und Automobile der S&P Dow Jones Best-in-Class (DJ BiC) Inzizes bestätigt

  • Protect the Planet. Gesellschaft für ökologischen Aufbruch gGmbH
  • SUSTAYNR GmbH
  • WWF Deutschland
  • ZamWirken e.V.
  • TÜV SÜD Akademie
  • Dr. Ing. h.c. F. Porsche AG
  • Energieagentur Rheinland-Pfalz GmbH
  • circulee GmbH
  • Bundesverband Nachhaltige Wirtschaft e.V. (BNW)
  • Global Nature Fund (GNF)
  • Engagement Global gGmbH
  • 66 seconds for the future
  • Futouris - Tourismus. Gemeinsam. Zukunftsfähig
  • BAUM e.V. - Netzwerk für nachhaltiges Wirtschaften
  • World Future Council. Stimme zukünftiger Generationen
  • NOW Partners Foundation
  • DGNB - Deutsche Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen