Für ein neues Zeitalter von Unternehmertum?! - Wege in ein Resonanz-Unternehmertum. 11. bis 13. Juni 2024

Energiewende

Emissionshandel effizienter als Förderung erneuerbarer Energien

Energiemarktforscher der Wirtschaftsuniversität Wien, der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg und der Fachhochschule Graubünden haben berechnet, welche Strategie den CO2-Ausstoß am effizientesten reduziert. Laut ihrer Studie reduziert die Verteuerung von CO2-Zertifikaten die Emissionen wesentlich stärker als die Förderung erneuerbarer Energien aus Wind und Sonne. Die Ergebnisse der Studie sind im „Journal of Environmental Economics and Management" – einem der führenden Fachjournale für Umweltökonomie – veröffentlicht worden.
 
Laut ihrer Studie reduziert die Verteuerung von CO2-Zertifikaten die Emissionen wesentlich stärker als die Förderung erneuerbarer Energien aus Wind und Sonne. © geralt, pixabay.comBis zum Jahr 2030 will die EU 55 Prozent weniger klimaschädliche Treibhausgase ausstoßen und bis 2050 weitgehend treibhausgasneutral sein. Um diese Ziele zu erreichen, setzen viele Staaten vorrangig auf die Förderung erneuerbarer Energiequellen wie Wind und Sonne. Im Europäischen Emissionshandelssystem (EU ETS) lag der Preis für Emissionszertifikate jedoch lange Zeit deutlich unter 10 Euro pro Tonne CO2. Weniger als 10 Euro pro Tonne Kohlendioxid ist jedoch zu wenig, um Emissionen signifikant zu verringern.
 
Großbritannien geht anderen Weg als die EU
Die Ökonomen Prof. Dr. Klaus Gugler von der Wirtschaftsuniversität Wien, Prof. Mario Liebensteiner von der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg und Dr. Adhurim Haxhimusa von der Fachhochschule Graubünden haben an den Beispielen Deutschlands und Großbritanniens untersucht, welche staatlichen Steuerungsinstrumente die Treibhausgasemissionen bei der Stromproduktion am effizientesten senken können. Die Länder verfolgen dabei unterschiedliche Strategien. Während Deutschland vor allem erneuerbare Energien subventioniert, haben die Briten eine Kohlendioxid-Steuer für den Strommarkt eingeführt. Damit wurde der effektive CO2-Preis auf über 35 Euro pro Tonne angehoben.
 
Welche Maßnahme wirkt besser?
Für ihren Ländervergleich werteten die Forscher die Daten der vergangenen Jahre aus. Dazu gehören tägliche CO2-Emissionen aus dem Stromsektor, CO2-Preise, eingespeiste Elektrizität aus erneuerbaren Energien und andere Variablen wie Stromnachfrage, Kohle- und Gaspreise sowie saisonale Effekte. Das Ergebnis: Während Deutschland seine Emissionen aus dem Stromsektor nur relativ moderat senken konnte, schaffte Großbritannien eine Emissionsminderung von 55 Prozent seit der Einführung der Stromsteuer im Jahr 2013.
 
Gas verdrängt Kohle
Die Forscher führen diesen Unterschied auf zwei zentrale Aspekte zurück: Zum einen kann die Förderung erneuerbarer Energien ihre Wirkung nicht wie gewünscht entfalten. Bei einer geringen CO2-Bepreisung verdrängen Wind- und Sonnenstrom nämlich zuerst die vergleichsweise „sauberen" Gaskraftwerke, während die „schmutzige" Kohle – vor allem Braunkohle – weitgehend im Markt bestehen kann. Erst bei einer sehr hohen Einspeisung erneuerbarer Energien wird auch Kohlestrom aus dem Markt gedrängt.
 
Zum anderen, das zeigt Großbritannien, führt eine höhere Besteuerung von Kohlenstoffdioxid-Emissionen dazu, dass Kohle als Energieträger zunehmend durch Erdgas ersetzt wird. Bei der Stromproduktion emittiert Erdgas aber nur etwa halb so viel CO2 wie Kohle. Schon durch einen moderat hohen CO2-Preis wird Kohle unrentabel und die Emissionen nehmen sprunghaft ab.
 
Rechenbeispiel: Was kann man mit einer Milliarde Euro erreichen?
Das Modell der Forscher ist geeignet, die Kosten klimapolitischer Ansätze zu kalkulieren. Die Ökonomen haben berechnet, wie viel Emissionsminderung der Staat beispielsweise mit einer Milliarde Euro „kaufen" kann. In Deutschland könnte man demnach für diese Summe zum niedrigen Zertifikatpreis von acht Euro pro Tonne rund 20 Millionen Tonnen CO2 reduzieren. Investiert man das Geld in Wind- beziehungsweise Solarenergie, kann man den CO2-Ausstoß um gerade einmal fünf Millionen Tonnen CO2 beziehungsweise eine Million Tonnen CO2 senken. In Großbritannien ist der Effekt ungleich größer: Zu einem moderat hohen CO2-Preis von 36 Euro pro Tonne könnte man mit einer Milliarde Euro 33 Millionen Tonnen CO2 reduzieren, mittels derzeitiger Einspeisetarife für Windenergie etwa 18,5 Millionen Tonnen.
 
Marktbasierte Anreize fördern Brückentechnologien
Der entscheidende Vorteil der britischen Strategie besteht nach Einschätzung der Forscher darin, dass die CO2-Bepreisung marktbasierte Anreize setzt und nicht vorgibt, welche Technologie zum Zug kommt. Damit kann beispielsweise relativ sauberes Gas die wesentlich problematischere Kohle weitgehend vom Markt verdrängen. Eine starke Subventionierung erneuerbarer Energien führt momentan hingegen dazu, dass vorwiegend zuerst Gas verdrängt wird, während Kohlekraftwerke weiterhin betrieben werden. Die Ergebnisse zeigen, dass selbst ein moderat hoher CO2-Preis helfen kann, kurzfristig und kostengünstig große Mengen an CO2 zu reduzieren, sofern Gaskraftwerke als Brückentechnologie vorhanden sind.
 
Kontakt: Wirtschaftsuniversität Wien | alexander.viess@wu.ac.atwww.wu.ac.at

Umwelt | Klima, 08.02.2021

     
Cover des aktuellen Hefts

Jede Menge gute Nachrichten

forum Nachhaltig Wirtschaften 02/2024 mit dem Schwerpunkt "Der Weg zum Mehrweg – Transport und Logistik"

  • Circular Cities
  • Kllimagerecht bauen
  • Kreislaufwirtschaft für Batterien
  • ToGo-Mehrwegverpackungen
Weiterlesen...
Kaufen...
Abonnieren...
30
MAI
2024
Klimacamp München
Mach mit!
80333 München, Königsplatz
06
JUN
2024
Change Makers Dialogues #2 an der KLU in Hamburg
Nachhaltigkeit messen, zählen, wiegen.
20457 Hamburg
13
JUN
2024
Kommunale Wärmeplanung München – Stand und Ausblick
In der Reihe "Klima - neue Heizung?"
81379 München und online
Alle Veranstaltungen...
The VinylPlus Sustainability Forum 2024. Together towards higher ambitions

Professionelle Klimabilanz, einfach selbst gemacht

Einfache Klimabilanzierung und glaubhafte Nachhaltigkeitskommunikation gemäß GHG-Protocol

Politik

Rückwärtsgewandte Alte-Weiße-Männer-Politik
Christoph Quarch wünscht sich von der FDP eine zeitgemäße und zukunftsfähige Version des Liberalismus
B.A.U.M. Insights

Jetzt auf forum:

Millionenfache Kontakte:

Neven Subotic erhält Preis des Bundesentwicklungsministeriums

FarmInsect schmiedet strategische Partnerschaft mit AGRAVIS

Sparda-Bank München setzt sich für Inklusion und Diversität am Arbeitsplatz ein

"The Sustainable Quest" auf der re:publica

Accelerating Integrated Energy Solutions

Wissenstransfer in der Porsche Classic Werksrestaurierung: Die einzigartige Erfahrung der Mitarbeiter bleibt erhalten

Musik. Kunst. Kulinarisches. Diskurs. Inspiration.

  • circulee GmbH
  • ECOFLOW EUROPE S.R.O.
  • Futouris - Tourismus. Gemeinsam. Zukunftsfähig
  • B.A.U.M. e.V. - Netzwerk für nachhaltiges Wirtschaften
  • Engagement Global gGmbH
  • World Future Council. Stimme zukünftiger Generationen
  • Energieagentur Rheinland-Pfalz GmbH
  • DGNB - Deutsche Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen
  • Kärnten Standortmarketing
  • Dr. Ing. h.c. F. Porsche AG
  • Global Nature Fund (GNF)