25 Jahre EMAS – Perspektiven einer nachhaltigen Unternehmensführung

Einst von der EU eingeführt, um Unternehmen ein Werkzeug zu geben, Umweltschutz auf freiwilliger Basis in ihr Geschäftsmodell zu integrieren

Vor 25 Jahren wurde EMAS von der EU eingeführt, um Unternehmen ein Werkzeug zu geben, Umweltschutz auf freiwilliger Basis in ihr Geschäftsmodell zu integrieren und ihre Umweltleistung kontinuierlich und transparent zu verbessern. Auf der Jubiläumskonferenz des Bundesumweltministeriums am 29. September diskutierten zahlreiche Expert/innen aus Wirtschaft, Politik und Gesellschaft, welche Rolle EMAS in einer nachhaltig transformativen Wirtschaft spielen kann.
 
Yvonne Zwick/Leiterin DNK-Büro, Tanja Busse/Moderation, Prof. Frank Ebinger/UGA bei der Diskussion. © Mario Lodigiani„Wir brauchen Unternehmen, die nachhaltige Geschäftsmodelle aufsetzen. Dazu war EMAS die letzten 25 Jahre eine gute Grundlage. Unter den Bewusstseinsveränderungen, die derzeit stattfinden, wird EMAS auch in Zukunft ein guter Baustein sein, Schritt für Schritt Nachhaltigkeitsziele in Unternehmenspolitiken zu integrieren", resümierte Florian Pronold, Parlamentarischer Staatssekretär beim Bundesumweltministerium in seiner Eröffnungsrede. Etwa 230 Teilnehmende aus Deutschland und Europa führte Moderatorin Tanja Busse durch den Video-Livestream der Konferenz, die pandemie-bedingt eine physische Teilnahme nur für die ReferentInnen ermöglichte.
 
Krise macht Mut: Nachhaltiges Wirtschaften als Motor
Auch in der Corona-Pandemie liegt das Bestreben vieler Unternehmen nicht auf Eis, ihr Geschäftsmodell nachhaltig zu transformieren. Teilweise habe sich dieser Trend sogar verstärkt, erklärte Nadine-Lan Hönighaus, Geschäftsführerin des Wirtschaftsforums econsense. Unternehmen ohne ein nachhaltiges Geschäftsmodell werden Nachteile am Kapitalmarkt erfahren. Für die Bewertung bedarf es einer gemeinsamen Sprache, die EMAS auf europäischer Ebene im Umweltbereich bietet.
 
Klimamanagement zwischen Anspruch und Wirklichkeit
Die weltweiten Emissionen steigen trotz freiwilligen Engagements zahlreicher Unternehmen. Hilke Patzwall, Nachhaltigkeitsmanagerin bei VAUDE, einem Hersteller für Outdoorbekleidung: „Wir wissen nach zehn Jahren Klimabilanzierung, dass wir zwei Drittel unserer Emissionen in der Lieferkette verursachen".
 
Christoph Töpfer vom Umweltbundesamt stellte einen Forschungsbericht vor, der konkrete Wege aufzeigt, wie Maßnahmen und Initiativen im Rahmen eines systematischen Klimamanagements einen wirksamen Beitrag zum Klimaschutz leisten können. Der Bericht kommt zum Ergebnis, dass EMAS sich in besonderem Maße für eine Festschreibung der Anforderungen an ein glaubwürdiges Klimamanagement eignet (Zum Bericht des Umweltbundesamtes).
 
Stärkung einer nachhaltigen Lieferkette
Ist angesichts des beschleunigten Klimawandels ein stärkeres Eingreifen der Politik notwendig? „Das Lieferkettengesetz wird in irgendeiner Form kommen", erklärte Annette Schmidt-Räntsch, Referentin im Bundesumweltministerium.
 
Auch die öffentliche Beschaffung stellt einen Hebel dar, um nachhaltige Produkte und Dienstleistungen zu stärken. Dr. Marina Beermann, Leiterin der Edeka-Partnerschaft beim WWF plädierte für eine gleichrangige Berücksichtigung wirtschaftlicher Kriterien und Kriterien der Nachhaltigkeit bei der Beschaffung.
 
Anforderungen an ein krisenfestes Nachhaltigkeitsmanagement
Das letzte Podium der Konferenz wagte einen Ausblick in die zukünftige Entwicklung und Ausrichtung des Umwelt- und Nachhaltigkeitsmanagements. Frank Ebinger, Professor an der Technischen Hochschule Nürnberg und Vorstandsmitglied im Umweltgutachterausschuss, sieht EMAS als wichtiges und erweiterbares Modul im Sinne eines Nachhaltigkeitsmanagements an. Dr. Ralf Utermöhlen, Umweltgutachter bei AGIMUS sprach sich für eine qualitative Weiterentwicklung von EMAS aus, z.B. durch die abprüfbare Integration der Science Based Targets. Monika Brom, Umweltbundesamt Österreich wandte ein, dass härtere Kriterien einen Rückgang der EMAS-Anwender begünstigen könnten.
 
Yvonne Zwick, Leiterin des Büros Deutscher Nachhaltigkeitskodex (DNK) hob die Expertise der Umweltgutachter/innen hervor, die zukünftig auch beim DNK als Drittprüfer zum Einsatz kommen.
 
EMAS spielt für die umweltgerechte Transformation von Unternehmen eine wichtige Rolle, denn es stellt einen wirksamen Ansatz zur kontinuierlichen Verbesserung der Umweltleistung dar, erklärte K?stutis Sadauskas, Direktor der Abteilung Kreislaufwirtschaft und Grünes Wachstum bei der Europäischen Kommission, in seinem Abschluss-Statement. Für mehr Breitenwirkung beim Klimaschutz bedarf es jedoch eines größeren Anwenderkreises.
 
Unter dem Hashtag #EMAS25 diskutierten Teilnehmende und Referenten Kernaussagen der vier Podiumsdiskussionen auf Twitter. Eine Veröffentlichung der Konferenzergebnisse ist in den kommenden Wochen geplant.
 
Zahlreiche EMAS-registrierte Unternehmen und Organisationen in ganz Europa gratulierten zum 25-jährigen EMAS-Jubiläum und posteten auf Twitter und Facebook ihre Erfolge im Umweltmanagement unter dem Hashtag #ecoflagship #EMAS.
 
Zwei Kurzfilme, die das Bundesumweltministerium im Rahmen der Konferenz veröffentlichte, zeigen, wie Unternehmen mit EMAS aktuelle Herausforderungen bei Klimaschutz, Sorgfaltspflichten und für eine nachhaltige Unternehmensführung meistern.
 
 
EMAS steht für Eco-Management and Audit Scheme und ist das europäische Premium-System zur Umsetzung von Klimaschutz und Nachhaltigkeit in Organisationen sämtlicher Branchen. Es besitzt einen konsequenten Stakeholder-Ansatz, eine Ausrichtung aller Prozesse auf Nachhaltigkeitsaspekte und eine gesetzlich geregelte, prüfbare Nachhaltigkeitsberichterstattung.
 
Als unabhängiges Beratungsgremium des Bundesumweltministeriums führt der Umweltgutachterausschuss (UGA) unterschiedliche Interessengruppen im Bereich Umwelt- und Nachhaltigkeitsmanagement zusammen und setzt sich aktiv für die Umsetzung und Verbreitung von EMAS ein. Der UGA unterstützt mit seiner Arbeit das Ziel der Bundesregierung 5000 EMAS-Standorte bis 2030 zu erreichen.
  
Kontakt: Frank Kermann, UGA-Geschäftsstelle | frank.kermann@uga.de | www.emas.de

Wirtschaft | CSR & Strategie, 05.10.2020
     
Cover des aktuellen Hefts

Systemwandel - wie wird die große Transformation zur Realität?

forum Nachhaltig 04/2021 stellt sich grundlegenden Fragen zur Veränderung

  • Bildung & SDG
  • Gesellschaft & Politik
  • Finanzen & Klimaschutz
  • Kreislaufwirtschaft & Lieferketten
Weiterlesen...
Kaufen...
Abonnieren...
01
APR
2022
SensAbility - The WHU Impact Summit
Invest. Innovate. Inspire.
56179 Vallendar & online
18
APR
2022
Bundespreis Ecodesign 2022
Wettbewerb um herausragendes ökologisches Design - jetzt bewerben!
online
Alle Veranstaltungen...

Gemeinsam ist es Klimaschutz

natureOffice nimmt Sie mit auf die Reise durch den Klimakosmos - gleich YouTube-Kanal abonnieren und Baum pflanzen!

Megatrends

(Weihnachts-)rituale boostern das gesellschaftliche Miteinander
Christoph Quarch plädiert dafür, statt Weihnachtsfeiern abzusagen, pandemie-konforme Formen zu finden
B.A.U.M. Insights

Jetzt auf forum:

Erholung, Wellness und Co. auf Kosten des Arbeitgebers

Abgeordnete fordern Homöopathie-Reform als "klares Bekenntnis zu Medizin und Wissenschaft"

Startup Cozero macht Energieversorger LichtBlick klimatransparent

Französischer Uranatlas zeigt Daten und Fakten zu den oft verdrängten Gefahren der Atomindustrie

Eine neue Zeit… braucht neue Skills

Diversität und Frauenförderung

Wiener KI-Spezialist in der Weltspitze bei Sprachverarbeitung angekommen

Regelsystem PAUL wird weiter von der BAFA gefördert

  • Telefónica Germany GmbH & Co. OHG
  • Futouris - Tourismus. Gemeinsam. Zukunftsfähig
  • Dr. Ing. h.c. F. Porsche AG
  • TourCert gGmbH
  • SÜDWIND e.V. - Institut für Ökonomie und Ökumene
  • DGNB - Deutsche Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen
  • PEFC Deutschland e. V.
  • Energieagentur Rheinland-Pfalz GmbH
  • B.A.U.M. e.V. - Netzwerk für nachhaltiges Wirtschaften
  • Global Nature Fund (GNF)
  • World Future Council. Stimme zukünftiger Generationen
  • Verka VK Kirchliche Vorsorge VVaG