Staudämme verschärfen Auswirkungen des Klimawandels auf Fische

Studie macht deutlich, dass die Fischgemeinschaften in stark fragmentierten und vom Klimawandel betroffenen Flüssen besonders vom Artenverlust bedroht sind.

Eine mögliche Anpassung von Flussfischen an Klimaveränderungen ist es, sich neue Lebensräume zu erschließen. Doch was passiert, wenn Staudämme und Wehre den Weg behindern, und sind heimische und gebietsfremde Arten davon gleichermaßen betroffen? Dies haben Forschende vom Leibniz-Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei (IGB) und der spanischen Universität Girona (UdG) untersucht.
 
Staudamm Santa Ana am Fluss Noguera Ribagorzana im Einzugsgebiet des Ebro, Spanien. © Manuel Portero / CC BY-SA Viele Flüsse sind durch Staudämme und Wehre verbaut. Durch diese sogenannte Fragmentierung können einheimische Fische entlang eines Flusses oft keine neuen Lebensräume besiedeln, auch wenn die Auswirkungen des Klimawandels wie Veränderungen der Wassertemperatur und -qualität sie dazu treiben.
 
Gleichzeitig könnte eine Fragmentierung von Flüssen gebietsfremden, invasiven Arten erschweren, sich auszubreiten. Ob das so ist, wie sich Lebensräume von einheimischen und gebietsfremden Fischarten unter verschiedenen Klimaszenarien verändern und welche Rolle Staudämme dabei spielen, hat das Forschungsteam am Beispiel des Flusses Ebro im Nordosten Spaniens untersucht.
 
„Die Fische im Ebro leiden besonders unter den Auswirkungen des Klimawandels und der Invasion gebietsfremder Fischarten. Zusätzlich ist der Ebro durch 300 große Staudämme und viele kleine Querbauwerke unterbrochen, was die Situation für die heimischen Arten verschärft", so Emili García-Berthou, Professor an der Universität Girona und Koautor der Studie.
 
Anhand räumlicher Modelle zeigten die Forschenden, dass der Anteil geeigneter Lebensräume, die unter zukünftigen Klimaszenarien erschlossen werden können, durch Querbauwerke eingeschränkt wird. Bei Klimaveränderungen werden einheimische Arten ihre Lebensräume vor allem am Unter- und Mittellauf größerer Ebrozuflüsse verlieren; gebietsfremde Arten werden dagegen dort voraussichtlich Lebensräume zugewinnen. Ihren Ergebnissen zufolge wird die Mehrheit der Arten ihr Verbreitungsgebiet flussaufwärts verschieben, wobei gebietsfremde invasive Fischarten wie Moskitofisch, Wels und Karpfen sich voraussichtlich stark ausbreiten.
 
„Im Ebro leben viele endemische Fischarten die ausschließlich auf der Iberischen Halbinsel vorkommen. Diese Arten sind besonders bedroht, wenn sie durch Staudämme ihr Verbreitungsgebiet nicht anpassen und somit den Folgen des Klimawandels nicht entgehen können. Staudämme verhindern oft nicht die Ausbreitung invasiver Arten. Tatsächlich können sich gebietsfremde Fische durch die veränderten Strömungs- und Lebensraumbedingungen, die sich durch das Aufstauen von Flüssen ergeben, häufig sogar leichter ansiedeln", sagt IGB-Forscher Johannes Radinger, Hauptautor der Studie.
 
Die Ergebnisse machen deutlich, dass die Fischgemeinschaften in stark fragmentierten und vom Klimawandel betroffenen Flüssen besonders vom Artenverlust bedroht sind. „Das Gewässermanagement sollte sich vor allem auf eine Wiederherstellung des natürlichen Abflussregimes, der Lebensräume und deren Vernetzung, sowie auf die Verhinderung weiterer Einschleppungen nicht heimischer Arten fokussieren", so die Schlussfolgerung der Forschenden. Über das Leibniz-Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei (IGB): „Forschen für die Zukunft unserer Gewässer" ist der Leitspruch des Leibniz-Instituts für Gewässerökologie und Binnenfischerei (IGB). Das IGB ist das bundesweit größte und eines der international führenden Forschungszentren für Binnengewässer. Es verbindet Grundlagen- und Vorsorgeforschung, bildet den wissenschaftlichen Nachwuchs aus und berät Politik und Gesellschaft in Fragen des nachhaltigen Gewässermanagements. Forschungsschwerpunkte sind u. a. die Langzeitentwicklung von Seen, Flüssen und Feuchtgebieten und die Auswirkungen des Klimawandels, die Renaturierung von Ökosystemen, der Erhalt der aquatischen Biodiversität sowie Technologien für eine nachhaltige Aquakultur. Die Arbeiten erfolgen in enger Kooperation mit den Universitäten und Forschungsinstitutionen der Region Berlin-Brandenburg und weltweit. Das IGB gehört zum Forschungsverbund Berlin e. V., einem Zusammenschluss von acht natur-, lebens- und umweltwissenschaftlichen Instituten in Berlin. Die vielfach ausgezeichneten Einrichtungen sind Mitglieder der Leibniz-Gemeinschaft.
 
Kontakt:
Nadja Neumann, Leibniz-Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei (IGB) | nadja.neumann@igb-berlin.de | www.igb-berlin.de

Umwelt | Klima, 14.09.2020
     
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