66 seconds for the future - forum zeigt Zukunftsgestalter:innen und Nachhaltigkeitspionier:innen
Umwelt | Klima, 09.06.2020

Nationale Wasserstoffstrategie schlägt neues Kapitel für den Klimaschutz auf

dena-Chef fordert eine zügige und konsequente Gestaltung des Markthochlaufs von Wasserstoff

Mehr über
Wasserstoff als alternativen Antrieb der Zukunft lesen Sie in
Zu der Nationalen Wasserstoffstrategie, die am 10. Juni im Kabinett beschlossen werden soll, sagt Andreas Kuhlmann, Vorsitzender der Geschäftsführung der Deutschen Energie-Agentur (dena):
 
"Die Nationale Wasserstoffstrategie ist die lange erwartete Basis für den weiteren Erfolg der Energiewende und auch für die langfristige Erreichbarkeit der Klimaziele. Sie markiert einen echten Wechsel in der bisherigen Energie- und Klimapolitik und ist damit ein schlüssiges Ergebnis der Diskussionen der vergangenen Jahre. Wir freuen uns vor allem auch, weil damit wesentliche Ergebnisse der vor zwei Jahren vorgestellten dena-Leitstudie Integrierte Energiewende nun Teil des Regierungshandelns geworden sind. Die avisierten fünf Gigawatt Elektrolysekapazitäten in Deutschland bis zum Jahr 2030 sind ein gutes erstes Ziel. Sie entsprechen in etwa dem 200fachen der aktuell vorhandenen Kapazitäten. Demzufolge bedarf es eines Wachstums, das noch über dem der Solarenergie zwischen 2000 und 2010 liegen muss. Das ist ambitioniert, aber auch erforderlich, um den auch aus industriepolitischen Gründen erforderlichen Heimatmarkt in Schwung zu bringen. Dennoch ist bereits heute klar, dass diese fünf Gigawatt nur einen Bruchteil der bis zum Jahr 2030 erforderlichen Mengen an klimafreundlichen Wasserstoff in Deutschland erzeugen können.
 
Wasserstofftankstellen als Baustein für die Mobilität der Zukunft? © Felix Krumbholz PhotographyDie in den einzelnen Sektoren und Anwendungen benötigten Mengen an Wasserstoff werden derart groß sein, dass eine verlässliche Planung für die Akteure nur unter Einbeziehung verschiedener, klimafreundlicher Produktionsmethoden im In- und Ausland möglich sein wird. Die in der Strategie vorgesehenen Aktivitäten zur Schaffung eines internationalen Marktes sind daher konsequent und dringlich zugleich. Inmitten einer schweren Wirtschaftskrise und kurz vor Beginn der europäischen Ratspräsidentschaft setzt die Bundesregierung auf die Schaffung eines im Grunde komplett neuen Wirtschaftszweigs - und dabei auf die Wiederbelebung des Wachstums. Das ist bemerkenswert, die dena begrüßt dieses Engagement ausdrücklich. Wo Innovationen und technologische Entwicklungen das Wachstum pushen, können neue qualifizierte Arbeitsplätze entstehen. Das stärkt den Industriestandort Deutschland und gibt dem sektorenübergreifenden Klimaschutz wichtige Impulse. Umso wichtiger ist es, den europäischen Vorsprung bei Wissen, Technologien und Erfahrungen zu halten und gemeinsam mit unseren europäischen Nachbarn eine nachhaltige Strategie zu entwickeln.
 
Besonders erfreulich ist auch: Als eine der weltweit ersten geht die Nationale Wasserstoffstrategie deutlich über die Endanwendung Wasserstoff hinaus und bezieht die gesamte Bandbreite der Powerfuels (strombasierte gas- und flüssigförmige Energieträger und Grundstoffe) ein. Das berücksichtigt die Chancen von beispielsweise synthetischem Methan, Kerosin, Methanol und Ammoniak. So darf die Nationale Wasserstoffstrategie auch als ein klares Bekenntnis für den Aufbau eines europäischen Marktes für Powerfuels gelesen werden. Powerfuels werden eine wichtige Rolle spielen, auch im weltweiten Handel. Vor dem Hintergrund, dass Deutschland den Übergang zu klimaneutral erzeugten Energieträgern und Rohstoffen nicht allein bewältigen kann, sind gute Modelle der internationalen Zusammenarbeit besonders wichtig.
 
Die in der Wasserstoffstrategie festgehaltenen 38 Maßnahmen geben einen guten Rahmen für den jetzt anstehenden Markthochlauf. Angesichts der ambitionierten Ziele muss die Umsetzung im Grunde unmittelbar nach der Verabschiedung der Strategie beginnen. Ganz vorne stehen dabei die im Konjunkturpaket avisierten Regelungen für die EEG-Umlage und die Realisierung der gegenwärtig im Wesentlichen über die Reallabore geplanten Projekte. Hier können schnell erste Erfahrungen für großtechnische Anlagen und der Einsatz von Wasserstoff in den verschiedenen Sektoren und Geschäftsmodellen erprobt werden. Auch eine ambitionierte Umsetzung der Erneuerbare-Energien-Richtlinie (RED) II und einer Quote für Powerfuels in der Luftfahrt sind von großer Bedeutung und werden richtigerweise betont. Hierbei sollte auch geprüft werden, ob die wenig ambitionierten europäischen Ziele im Rahmen der Treibhausgasminderungsquote so angepasst werden, dass der Anteil von erneuerbaren Kraftstoffen in Deutschland signifikant gesteigert wird.
 
Die Verabschiedung der Nationalen Wasserstoffstrategie ist erst der Beginn einer neuen Phase für den Klimaschutz. Es stellen sich nun auch Fragen bezüglich der Planung und des Ausbaus der Infrastruktur und vor allem auch der dafür erforderlichen erneuerbaren Energien."
 
Kontakt: Deutsche Energie-Agentur GmbH (dena) | beringer@dena.dewww.dena.de


     
        
Cover des aktuellen Hefts

Zukunft braucht Frieden

forum 02/2026 ist erschienen

  • Geopolitische Spannungen, Aufrüstung und Unsicherheit prägen Märkte und Investitionsentscheidungen wie lange nicht. Die neue Ausgabe von forum future economy setzt bewusst einen Kontrapunkt: Sie gibt Stimmen Raum, die für Diplomatie, Deeskalation und zivile Lösungen eintreten – weil wirtschaftliche Stabilität ohne Frieden nicht denkbar ist.
Weiterlesen...
Kaufen...
Abonnieren...
05
MÄR
2026
HAUS® 2026
Die große Baumesse in Dresden
01067 Dresden
10
MÄR
2026
Rechtliche Aspekte der Kreislaufwirtschaft
Kreislaufwirtschaft zwischen Green Deal und Praxis
kostenfreies Webinar
11
MÄR
2026
Circular Valley Convention 2026
Gestalten Sie mit uns die Zukunft der Kreislaufwirtschaft - Ticketrabatt für forum-Leser*innen!
40474 Düsseldorf
Alle Veranstaltungen...
forum goes international! Download the international edition for forum free of charge.
Anzeige

Professionelle Klimabilanz, einfach selbst gemacht

Einfache Klimabilanzierung und glaubhafte Nachhaltigkeitskommunikation gemäß GHG-Protocol

Megatrends

Eine Zeit der "Sinnfinsternis"
Ein Blick auf die neuen Zahlen zur Kindswohlgefährdung macht auch den Philosophen Christoph Quarch sprachlos
B.A.U.M. Insights
Hier könnte Ihre Werbung stehen! Gerne unterbreiten wir Ihnen ein Angebot

Jetzt auf forum:

Gute Politik bedient nicht Partikularinteressen

Zukunft braucht Frieden, Resilienz und Unabhängigkeit

Zukunft braucht Frieden

Starke Partnerschaft für den polnischen Offshore-Markt

Nachhaltigkeit als Wettbewerbsvorteil: Berufsbegleitende Zertifikate zu Dekarbonisierung und Lieferketten

Mercosur und europäische Verpackungsverordnung: Unterschätzte Falle PPWR

Sozial und ökologisch vor Ort – für lebenswerte Städte und Gemeinden in Bayern

Unternehmertum verpflichtet

  • toom Baumarkt GmbH
  • Engagement Global gGmbH
  • World Future Council. Stimme zukünftiger Generationen
  • Global Nature Fund (GNF)
  • Protect the Planet. Gesellschaft für ökologischen Aufbruch gGmbH
  • DGNB - Deutsche Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen
  • circulee GmbH
  • Bundesverband Nachhaltige Wirtschaft e.V. (BNW)
  • TÜV SÜD Akademie
  • Dr. Ing. h.c. F. Porsche AG
  • NOW Partners Foundation
  • SUSTAYNR GmbH
  • Futouris - Tourismus. Gemeinsam. Zukunftsfähig
  • WWF Deutschland
  • BAUM e.V. - Netzwerk für nachhaltiges Wirtschaften