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Bündnis der Zivilgesellschaft fordert zukunftsfähige Lebensmittelversorgung

Offener Brief an Julia Klöckner

Corona-Pandemie und Klimakrise zeigen uns, dass es mit der Sicherheit unser Ernährung nicht weit her ist. Die globale Transportkette der "Just-in-Time" Lieferungen stockt, weil Corona die Grenzen schließt, die Lastwagen keine Fahrer mehr haben und das Heer der Arbeitssklaven auf den Feldern und an den Schlachtbändern ausfällt. Hinzu kommt: Das "arten auf Regen, auch 2020 hat es kein Ende und die Ernte ist alles andere als sicher.
 
Corona-Pandemie und Klimakrise zeigen uns, dass es mit der Sicherheit unser Ernährung nicht weit her ist. © olgabochajewska, pixabay.comDie Welt braucht eine neue Landwirtschafts- und Ernährungspolitik. Die Bundesregierung könnte hierbei vorangehen, das fordert ein Bündnis der deutschen Zivilgesellschaft in ihrem offenen Brief an die Ministerin Julia Klöckner. Sie sollte die deutsche Präsidentschaft im Europäischen Rat dafür nutzen. Es geht darum, jetzt ein Zeichen zusetzen und Corona als Chance zu begreifen.

Hier der offene Brief im Wortlaut:
 
Berlin, 7.5.2020
 
Sehr geehrte Frau Ministerin Klöckner,
 
wir schreiben Ihnen, weil nach unserer Einsicht die Sicherheit unserer eigenen, wie der weltweiten Ernährung bedroht ist und dringend politisches Handeln erfordert. Unsere Landwirtschaft durchlebt mit diesem Jahr das dritte Krisenjahr in Folge. 2018 und 2019 haben Wetterextreme gezeigt, wie verletzlich unser Ernährungssystem ist. 2020 führt uns die Corona-Pandemie vor Augen, wie abhängig unsere Ernten vom Arbeitsimport aus Niedriglohnländern sind.
 
Extreme und Unsicherheiten werden weiter wachsen und damit die Risiken für die Ernährungssicherheit. Der massive Artenschwund in Feld und Flur, der Verlust an Bodenfrucht und Wasserqualität, die Zunahme an Resistenzen gegen Agrarchemie und Tiermedizin und die Proteste der Bauern gegen eine ruinöse Preispolitik verlangen eine Neuausrichtung der Agrarpolitik. Die Zunahme an Adipositas und die ungebrochene Wegwerfmentalität bei Lebensmitteln erfordert eine neue Ernährungspolitik.
 
Die Resilienz unseres Ernährungssystems entscheidet über Hunger und satt sein. In seinem gegenwärtigen Zustand ist es den kommenden Herausforderungen nicht gewachsen. Ebenso wie die Gesundheitsvorsorge ist die Sicherheit unserer Ernährung systemrelevant. Diese Systemrelevanz sollte uns jetzt veranlassen, massiv in die Widerstandskraft unserer Land- und Ernährungswirtschaft zu investieren.
 
In diesem Sinne muss die abschließende Diskussion über die zukünftige Gestaltung der Europäischen Subventionen unter deutscher Präsidentschaft geführt werden. Mit diesem Ziel sollten auch die bereits bestehenden Initiativen von Bürgern und Bauern in Ernährungsräten und Projekten der Solidarischen Landwirtschaft, die heute schon regionale Ernährungskonzepte entwickeln, verstärkt unterstützt werden. Deshalb plädieren wir für die Errichtung eines starken Bundesprogramms "Nachhaltige regionale Ernährungskreisläufe".
 
Wir brauchen eine Land- und Ernährungswirtschaft, die regionaler, vielfältiger, ökologischer und fairer wirtschaftet. Die Pandemie fordert uns dringend auf, unsere Agrar- und Ernährungswirtschaft nachhaltiger und krisensicher umzubauen. Der von der Zivilgesellschaft geforderte neue Gesellschaftsvertrag für eine zukunftsfähige Lebensmittelversorgung muss jetzt konkret gemacht und vor Ort umgesetzt werden.
 
Wir, die Unterzeichner, erklären uns bereit daran mitzuwirken.
Kontakt: World Food Institute - Institut für Welternährung e.V. | pr@institut-fuer-welternaehrung.org


     
        
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