Landwirtschaft: Förderung lenken, Klimaschutz denken

Naturefund empfiehlt Arbeitsgruppe mit breiter Beteiligung - Landwirtschaft im Zeichen des Klimawandels umbauen

Eine Milliarde Euro hat die Koalition den Bauern in Deutschland innerhalb der nächsten vier Jahre versprochen. Damit sollen Agrarumweltprogramme und Investitionen finanziert werden. Katja Wiese, Vorstand der Naturschutzorganisation Naturefund, sagt dazu: "Wir müssen gemeinsam an einem Strang ziehen, um die Landwirtschaft fit für den Klimawandel zu machen. Das können weder Politiker noch Landwirte allein und nur mit Geld lässt sich diese Herausforderung nicht lösen."
 
Eine Milliarde Euro hat die Koalition den Bauern in Deutschland innerhalb der nächsten vier Jahre versprochen. © Zonc_Photos, pixabay.comDie Proteste der Landwirte in den vergangenen Monaten zeigen, so Wiese, dass die Bauern sich in dem Prozess nicht mitgenommen fühlten. Sie empfiehlt daher, eine oder auch mehrere Arbeitsgruppen mit breiter Beteiligung zu bilden, in der Landwirte, Politikerinnen, Naturschützer, Bürgerinnen und weitere Interessensgruppen vertreten seien. In diesen Gruppen könnten landwirtschaftspolitische Maßnahmen diskutiert, Ideen und Konzepte entwickelt und Pilotprojekte vereinbart werden. "Es gibt nicht die eine Lösung für alle landwirtschaftlichen Betriebe", sagt Wiese, "Vielmehr müssen wir ein lernendes System aufbauen, indem wir ausprobieren, Fehler machen, miteinander Lösungen entwickeln, Ansätze verbessern, Neues entdecken und Wege finden, welche es der Landwirtschaft ermöglicht, produktive und zugleich ressourcenschonende Systeme aufzubauen.
 
Ein wichtiger Aspekt beim Umbau der Landwirtschaft in Zeiten des Klimawandels sei dabei der Aufbau von Humus im Boden. Mehr Humus im Boden hat viele Vorteile: Humusreiche Böden können mehr Wasser aufnehmen, versorgen die Pflanzen besser mit Nährstoffen und speichern große Mengen Kohlenstoff langfristig im Boden. Die Einführung von Agroforstsystemen, in denen Feldfrüchte und Bäume auf einem Acker gepflanzt werden, zeigt ebenfalls gute Ergebnisse. So reduzieren Agroforstsysteme die Erosion auf Feldern deutlich, während gleichzeitig der Schädlingsbefall insgesamt abnimmt. Naturefund praktiziert diese Methode selbst seit Jahren erfolgreich zum Beispiel in Bolivien und auf Madagaskar. Auch sogenannte "cover crops", Zwischenfrüchte mit dem Ziel, den Boden zu bedecken und ihn so vor Austrocknung zu schützen und das Bodenleben zu fördern, sind hier eine Möglichkeit. Dazu kann auch eine in Deutschland nicht verbreitete Form der Weidehaltung beitragen: Ganzheitliches Weidemanagement, bei dem Tiere in hoher Dichte für nur kurze Zeit Flächen beweiden und dabei nicht nur mit ihrem tierischen Dünger den Boden anreichern, sondern durch den Tritt Pflanzenreste förmlich in den Boden einmassieren und so ebenfalls zum Humusaufbau beitragen.
 
Alle diese Punkte erhöhen vor allem die Artenvielfalt im und auf dem Boden. "Je vielfältiger ein System ist, desto besser kann es auf sich verändernde Umstände reagieren", erklärt Wiese. Entscheidend sei auch, dass durch höhere Vielfalt wieder mehr Nährstoffe in unsere Nahrung gelangen - ein wichtiger Faktor in Sachen Gesundheit.
 
Schließlich gehe es auch um eine generelle Kehrtwende in der landwirtschaftlichen Produktion "Wir müssen wegkommen, von immer mehr Ertrag, kostet es, was es wolle. Davon profitiert nur die Lebensmittelindustrie, da sie günstig Rohware einkauft, die sie dann verarbeitet teuer weiter verkauft." sagt Wiese abschließend und findet: "Das muss ein Ende haben." Es geht nicht um mehr Ertrag, wir haben genug Lebensmittel, es geht um mehr Profit für die Landwirte, damit sie ein gutes Auskommen haben.
 
Naturefund bietet deshalb - wie bereits im vergangenen Jahr in Frankfurt und Elsfeth/Niedersachsen sowie kürzlich auf Fuerteventura/Spanien - am 20.3. einen Workshop in Rumänien und am 18.4. bei Gießen an und lädt alle Interessierten ein, über neue Wege für die Landwirtschaft zu diskutieren. Die Ergebnisse werden an die entsprechenden Repräsentantinnen und Repräsentanten in der EU-Kommission weitergeleitet, damit durch diesen partizipativen Prozess die Meinungen der Bürger und Bürgerinnen in die Diskussionen um die EU-Agrarreform mit einfließen.
 
Kontakt: Naturefund e. V. | presse@naturefund.de | www.naturefund.de


     
        
Cover des aktuellen Hefts

Zukunft braucht Frieden

forum 02/2026

  • Militär & Märkte
  • Grüner Wasserstoff
  • Moorschutz als Invest
  • ESG loves KI
Weiterlesen...
Kaufen...
Abonnieren...
20
MAI
2026
Bayerischer Batteriekongress 2026
Einblicke, Strategien, Innovationen
81671 München
21
MAI
2026
Munich Impact Night
Dieser Abend ist für alle, die die Zukunft noch nicht aufgegeben haben
81379 München
20
JUN
2026
Woche des Wasserstoffs 2026 (#WDW2026)
Wasserstoff verbindet
deutschlandweit
Alle Veranstaltungen...
forum goes international! Download the international edition for forum free of charge.
Anzeige

Der Mittelstand im ESG-Dschungel. Sie müssen nicht alles machen. Sie müssen nur wissen, was.

Sie erhalten einen klaren Fahrplan: was jetzt zu tun ist, was Sie auf dem Schirm behalten sollten und was Sie getrost ignorieren können.

Pioniere & Visionen

Innovation und Kreativität brauchen Spielräume
Christoph Quarchs Gedanken zum Frühlingserwachen
B.A.U.M. Insights
Lassen Sie sich begeistern von einem Buch, das Hoffnung macht.

Jetzt auf forum:

Virgin Islands Climate Change Trust Fund launched at Global Sustainable Islands Summit in Gran Canaria, marking new era in climate finance innovation for islands

Kreislaufwirtschaft am Bau & Energie für die Zukunft

Gastfreundschaftslektionen aus Südtirol

Städte weltweit fordern eine Beschleunigung des Ausstiegs aus fossilen Brennstoffen hin zu erneuerbaren Energien

Koalition von Ländern treibt beschleunigte Abkehr von fossilen Energien während Energiekrise voran

Deutsche Umwelthilfe widerlegt Mythos angeblich hoher Systemkosten Erneuerbarer Energien

Die Energiewende ist kein Kostenblock – sie ist ein Gewinnmodell für die Regionen

Aufbruch in Santa Marta

  • Global Nature Fund (GNF)
  • ZamWirken e.V.
  • Energieagentur Rheinland-Pfalz GmbH
  • Protect the Planet. Gesellschaft für ökologischen Aufbruch gGmbH
  • circulee GmbH
  • World Future Council. Stimme zukünftiger Generationen
  • BAUM e.V. - Netzwerk für nachhaltiges Wirtschaften
  • DGNB - Deutsche Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen
  • 66 seconds for the future
  • WWF Deutschland
  • NOW Partners Foundation
  • TÜV SÜD Akademie
  • Futouris - Tourismus. Gemeinsam. Zukunftsfähig
  • Engagement Global gGmbH
  • Bundesverband Nachhaltige Wirtschaft e.V. (BNW)
  • Dr. Ing. h.c. F. Porsche AG
  • SUSTAYNR GmbH