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Staatsfonds - die neuen Player im Finanzmarkt

Norwegischer Government Pension Fund schließt Waffenproduzenten aus

Zur Zeit erlebt die Welt eine dramatische Verlagerung des Kapitals. Waren es bisher die industrialisierten Nationen westlicher Prägung, die auch den Kapitalmarkt nach Belieben bestimmen konnten, so werden jetzt zunehmend Staatsfonds aus Schwellenländern zu Global Playern. Insbesondere die Rohstoffhausse und der wirtschaftliche Aufschwung hat enorme Geldmengen in diese Regionen gelenkt, die angelegt sein wollen.

Die gebildeten Staatsfonds werden in den westlichen Industrieländern zunehmend mit Unbehagen betrachtet. Die Haltung ist dabei durchaus ambivalent. Gerade haben etliche Großbanken Finanzspritzen aus Singapur oder den Ölländern erhalten. Man kann davon ausgehen, dass damit und mit zukünftigen Investitionen das Bankensystem vor enormen Verwerfungen wenn nicht sogar vor einem Crash bewahrt wurde und wird.

Während die Finanzbranche also dankbar die helfende Hand ergreift, übt sich die Politik in Abwehrbemühungen. Auch in Deutschland wird über eine Einschränkung des freien Kapitalmarktverkehrs nachgedacht, da man politische Einflussnahme von Staatsfonds fürchtet. Man kann vor diesem Schritt nur warnen, denn die Akkumulierung von Kapital in den Schwellen- und Rohstoffländern wird sich voraussichtlich auf absehbare Zeit fortsetzen. Und es zeigt sich immer wieder: In Zeiten politischer Instabiliät kann eine enge Verflechtung über den Kapitalmarkt durchaus stabilisierend wirken.

Einflussnahme durch Staatsfonds - der norwegische Pensionsfonds
Investoren aus arabischen Ländern sind schon länger auch an deutschen DAX-Unternehmen beteiligt. Die Unternehmen schätzen ihre Teilhaber, denn diese sind in erster Linie an einer Kapitalinvestition interessiert, und nehmen nur wenig Einfluss auf das operative Geschäft. Dies kann sich natürlich ändern.

Aktuell zeigt gerade der bedeutende norwegische Pensionsfonds, wie mit Anlageentscheidungen Unternehmen in bestimmter Weise bewertet werden können. Der Fonds investiert in die Zukunft. Seit einiger Zeit wird das Management bei seinen Anlageentscheidungen durch einen Ethikrat beraten, der bestimmte Firmen aus dem Anlageuniversum ausschließt. Dazu gehören z. B. die Produktion von Landminen, Clusterbomben oder Atomwaffen, aber auch Rüstung in weiterem Sinne - so hält der Fonds beispielsweise keine Aktien von EADS oder Boeing.

Aufsehen erregte die Entscheidung, Wal-Mart wegen Vorwürfen der Verletzung von Arbeiterrechten auszulisten. Wal-Mart nahm die Anfragen des Ethikrates zunächst nicht besonders ernst, aber als die Bank die Aktien verkaufte, wurde dann doch schnell nachgerfragt, wie das Unternehmen reagieren müsse, um wieder auf die Positivliste zu kommen.

Am Freitag hat der Fonds bekannt gegeben, dass er sich von Investitionen in Aktien dreier Firmen trennen wird, weil diese Unternehmen Streu- beziehungsweise Kernwaffen produzieren. Auch die deutsche Rheinmetall sollte ursprünglich wegen der Produktion von Streugeschossen für die Artillerie auf die schwarze Liste kommen. Die Firma konnte aber gegenüber dem Ethirat nachweisen, dass sie diese At von Munition nicht mehr produziert und erwirkte so eine Neubewertung.

Staatsfonds werden in Zukunft nicht mehr wegzudenkende Teilnehmer des Kapitalmarktes sein. Sie sind jetzt schon ein stabilisierender Faktor des Geldmarktes, eine politische Ausgrenzung wird kaum noch möglich sein. Politik und Unternehmen sind zu einem konstruktiven Dialog aufgerufen. Eine Einfussnahme der Fonds wird nicht immer vermeidbar sein und das Beispiel des norwegischen Staatsfonds zeigt, dass dies keineswegs schlecht sein muss.
Mathias Prange


Link zur offiziellen Seite des Government Pension Fund

Quelle:



     
        
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