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Ausbeutung der Meere hat alarmierende Dimension erreicht

Verhandlungen zum Tiefseebergbau schreiten voran

Die Belastung der Meere beschränkt sich nicht länger nur auf Überfischung, Plastikmüll oder die Folgen des Klimawandels. Im Zuge der laufenden Verhandlungen zum Tiefseebergbau wird ein neuer Wirtschaftszweig geschaffen, der neue und weitreichende Gefahren für die Meeresökologie mit sich bringt. Während die deutsche Industrie bereits aktiv in diese Prozesse eingebunden ist, weiß die Öffentlichkeit kaum etwas von den Aktivitäten der Bundesregierung zum Tiefseebergbau. Umwelt- und Entwicklungsverbände kritisieren den intransparenten Prozess und fordern wirksamen Schutz der Meere statt immer neuer Unterstützung für High-Tech-Wirtschaft. 
 
Mittlerweile gibt es zahlreiche Explorations- und Forschungsprojekte für Bergbau in der Tiefsee. Bedenken von Umwelt- und Entwicklungsverbänden werden weitestgehend ignoriert. © mkayak85, pixabayDerzeit wird bei der Internationalen Meeresbodenbehörde der Vereinten Nationen ein Abkommen zum Bergbau am Meeresboden verhandelt. Deutschland hat derzeit die Rolle des Vizepräsidenten in dem einflussreichen Rat inne, dem lediglich 36 Länder angehören und der besonderen Einfluss auf die Verhandlungen hat. In der Öffentlichkeit sind diese Verhandlungen kaum bekannt, obwohl bereits Steuergelder geflossen sind und die deutsche Industrie eingebunden wird. Mittlerweile gibt es zahlreiche Explorations- und Forschungsprojekte für Bergbau in der Tiefsee. Bedenken von Umwelt- und Entwicklungsverbänden werden weitestgehend ignoriert. Die Verbände fordern daher deutlich mehr Transparenz bezüglich der Verhandlungsposition der Bundesregierung, der Bewilligung von Forschungsvorhaben in der Tiefsee und Lobbygesprächen mit der deutschen maritimen Industrie. Erneut machen diese Verbände deutlich, dass Tiefseebergbau katastrophal für Umwelt und Menschen sein wird und die Triebkräfte dahinter offengelegt werden müssen: 
 
Marie-Luise Abshagen, Referentin für nachhaltige Entwicklung vom Forum Umwelt und Entwicklung kritisiert: „Wir können es uns als Menschheit nicht leisten, in den Meeren noch mehr Schaden anzurichten. Doch genau das wird mit Tiefseebergbau passieren. Damit wird einen Teil der Meere unwiederbringlich zerstört -mit Auswirkungen, die unseren derzeitigen Wissenstand über die Ozeane und ihre Ökosysteme weit überschreiten. Selbst ein internationales Regelwerk für Tiefseebergbau, das Umweltschutz beinhaltet, wird die Zerstörung der Abbaugebiete in Kauf nehmen müssen. Anders geht Tiefseebergbau nicht. Und wofür das Ganze? Für die Weiterführung eines High-Tech basierten Wirtschaftswachstums, von dem schon jetzt nur eine kleine Elite weltweit und in Deutschland wirklich profitiert."

Kai Kaschinski, Projektkoordinator von Fair Oceans, gibt zudem zu bedenken: „Abgesehen von den katastrophalen Auswirkungen auf der Hohen See, müssen wir davon ausgehen, dass der Tiefseebergbau auch nahe der Küsten stattfinden wird, wie es vor Papua-Neuguinea geplant ist und Menschen von den Auswirkungen direkt betroffen sein werden. Weltweit wurden auf der Hohen See wie auch in den Küstengewässern schon mehr als 1 Mio. km² an Lizenzgebieten für den Tiefseebergbau erworben. Sowohl unsere Partnerorganisationen vor Ort wie auch unsere Studie zum Tiefseebergbau haben uns gezeigt wie groß die damit verbundenen sozialen und ökologischen Gefahren sind. Wie schon im Offshore-Ölgeschäft geschehen ist zu erwarten, dass auch der Tiefseebergbau weit über die jeweiligen Lizenzgebiete hinaus und gerade im globalen Süden zu Menschenrechtsverletzungen und einer ungerechten Ressourcenverteilung beitragen wird. Wollen wir hierfür wirklich in Deutschland eine Vorreiterrolle übernehmen?"

„Seit Jahren fordern wir die Bundesregierung auf, Umwelt- und Entwicklungspolitik in ihren Meeresstrategien zusammenzudenken. Unser Lebensstil wirkt sich jetzt schon negativ auf die Menschen aus, die weltweit an Küsten und vom Meer leben. Sie bekommen jetzt schon den Klimawandel, die Überfischung und die Vermüllung der Meere ab. Nur wenn wir politisch und ökonomisch in Deutschland einen anderen Kurs einschlagen, können diese Menschen ein Leben in Würde führen. Das heißt, Fischereifangquoten reduzieren, Kreislaufwirtschaft umsetzen, eine deutlich ambitioniertere Klimapolitik verwirklichen.  Ähnlich wie in der Klimakrise sind wir längst an dem Punkt angekommen, dass wir sofortiges politisches Handeln brauchen, das verbindlich den Schutz der Meere und die Lebensperspektiven von Küsten- und Fischereigemeinschaften in den Vordergrund stellt", fasst Francisco Marí, Referent für Meerespolitik bei Brot für die Welt zusammen.

Kontakt: Ramona Bruck, Forum Umwelt und Entwicklung |  bruck@forumue.de | www.forumue.de


     
        
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