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CSR und oder CPR – das ist die Frage?

Leserbrief von Theresa Lankes zum Thema CSR

Ist genügend politische Verantwortung im Konzept der Corporate Social Responsibility verankert? Der Beitrag im aktuellen Heft hat dazu viel Staub aufgewirbelt. Hier ein weiterer Leserbrief von Theresa Lankes mit der Kernaussage: CSR beinhaltet durch die Unternehmensverantwortung für Menschenrechte bereits alle Vorteile von CPR. 

„Unternehmen sollten in diese Grundlage ihres wirtschaftlichen Erfolgs investieren: stabile demokratische Institutionen, Rechtsstaatlichkeit, eine engagierte Zivilgesellschaft, öffentliche Debatten, gut ausgebildete Arbeitskräfte, moderne Infrastruktur und nicht zuletzt eine starke EU."

Theresa Lankes © privat Ich stimme Dr. Bohnen in dieser Forderung zu, die er in einem Artikel in forum Nachhaltig Wirtschaften 01/2019 - Time to eat the dog, online am 27.03.2019 erschienen, äußerte. Seiner Schlussfolgerung, dass Corporate Social Responsibility (CSR) durch Corporate Political Responsibility (CPR) zu ergänzen sei, muss ich jedoch widersprechen. Zum einen, weil CSR in der gängigen Definition ausreichend weit verstanden wird. Zum anderen, weil der Begriff Unternehmensverantwortung für Menschenrechte in Deutschland bereits bekannter und als weltweit geltender Mindeststandard juristisch definiert ist. 

Ja, CSR wird von vielen Unternehmen in Deutschland weiterhin viel zu eng verstanden. Dabei hat die EU-Kommission CSR bereits 2011 definiert als „die Verantwortung von Unternehmen für ihre Auswirkungen auf die Gesellschaft" (A renewed EU strategy 2011-14 for Corporate Social Responsibility; KOM(2011) 681; 25.10.2011). Über die EU hinaus ist bekannt, dass ein sehr einflussreicher Teil deutscher Unternehmen CSR bevorzugt, die weiterhin ausschließlich als freiwillige Spende für Sportplätze verstanden wird. Unternehmer*innen, die am Puls der Zeit sind, stechen schnell aus der Masse hervor. Sie wissen: Die größte Hebelwirkung für die Reputation ihres Unternehmens liegt nicht darin, im allgemeinen Informationsüberfluss Politik und Gesellschaft zu erzählen, welchen Werten das Unternehmen seine Aufmerksamkeit schenkt. Es interessiert auch kaum jemanden, wofür das Unternehmen sein Geld ausgibt. Kaufstarke Bevölkerungsschichten und Entscheider*innen in Politik und Gesellschaft beschäftigt vorrangig, wie Unternehmen eine ganz andere Frage beantworten: „Wie verdienen Sie im Kerngeschäft Ihr Geld?"

Mit dieser Frage suchen an Nachhaltigkeit Interessierte die Antwort darauf, wie ein Unternehmen Mensch und Umwelt – und ja, das beinhaltet auch die jeweilige Gesellschaft und ihre politische Struktur – beeinflusst. 

Die Frage wird angetrieben durch denselben internationalen Konsens, der auch Grundlage für die CSR-Definition der EU-Kommission ist: die Leitprinzipien für Wirtschaft und Menschenrechte (UNGPs), die der Menschenrechtsrat der Vereinten Nationen am 16. Juni 2011 einstimmig verabschiedete. Was technisch klingt, entpuppt sich als schlankes Dokument, das viele Kernfragen klarstellt, die das CPR-Konzept in seinen zehn Thesen zu verwischen droht:
  1. Es ist weiterhin Hauptaufgabe des Staates, für den Schutz der Menschen in seinem Hoheitsgebiet, z.B. durch die Schließung entsprechender Governance-Lücken, zu sorgen – inklusive der Finanzierung von Sportplätzen.

  2. Unternehmen haben Verantwortung für die Auswirkungen, die sie auf Menschen, deren Zusammenleben und die Umwelt nehmen – sie müssen Menschenrechte in juristisch definiertem Umfang respektieren.

  3. Es ist Aufgabe des Staates, wirksamen Zugang zu Recht sicherzustellen, wenn wirtschaftliches Handeln, ob durch öffentliche oder private Organisationen, Menschen in ihren Rechten verletzt oder schädigt. 
Die Menschenrechte im Konstrukt der CSR
Im 20. Jahrhundert begleitete CSR unterschwellig die Frage „Wie können Unternehmen andere gesellschaftliche Akteure so beeinflussen, dass sich das gut für das Unternehmen auswirkt?". Mit den UNGPs und ihrer nationalen Umsetzung durch Aktionspläne, wie den deutschen Aktionsplan für Wirtschaft und Menschenrechte, verschiebt sich der Fokus um 180° von Unternehmen auf Menschen. Menschen, die selbstverständlich in Abhängigkeit und Wechselwirkung von anderen Menschen und politischen Strukturen sowie der Umwelt, leben. Unternehmen müssen sich heute fragen: „Welche Auswirkungen haben unsere Handlungen? Und wie können wir dafür sorgen, dass durch uns Menschen nicht in ihren Rechten verletzt werden?" 

Auch wenn sich das Gerücht hartnäckig hält: Unternehmen sind nicht für die Umsetzung von allen Menschenrechten verantwortlich. Es wird auch nicht von ihnen verlangt, alle negativen Auswirkungen auf einen Schlag zu beseitigen. Das UNGP Reporting Framework erklärt Schritt für Schritt, wie die Leitprinzipien Unternehmen eine rechtskonforme Priorisierung ermöglichen. 

„Die Stärkung der politischen Grundlagen des wirtschaftlichen Wohlstands ist dringend." Dr. Bohnens Ansicht teilen viele deutsche Unternehmen. Die Initiativen Made by Vielfalt und Enterpreneurs for Future sind nur zwei tagesaktuelle Beispiele. Sie zeigen auch, dass Unternehmer*innen bereits heute handlungsfähig sind. Wir brauchen keine weiteren Schlagwörter im Bereich CSR. 

Statt CPR brauchen wir in Deutschland CSR-Manager, die über ihren Schreibtisch hinaus in die intensiven Debatten über Unternehmensverantwortung für Menschenrechte einsteigen. Der Business Case kann z.B. in der Studie von ICAR, Frank Bold, und the Business and Human Rights Young Researchers Summit nachgelesen werden. Die Pionier*innen unter den Unternehmer*innen wissen: Es geht längst um mehr als den Business Case. Ihren Zielgruppen ist weniger wichtig, wie sich die Investitionen in sozial- und umweltverträglichere Produktion und Dienstleistungen für das Unternehmen auswirken. Wenn nachhaltigkeitsbewusste, kaufkräftige Menschen Unternehmensverantwortung für Menschenrechte einfordern, dann wollen sie nicht wissen, wie es dem Unternehmen damit geht. Diese Menschen wollen wissen, wie sich die Handlungen des Unternehmen auf Mensch, Gesellschaft und Umwelt auswirken.
 
Theresa Lankes ist Wirtschaftsjuristin für CSR mit Fokus auf Menschenrechte. Seit 2016 erklärt sie nebenberuflich, wie Unternehmen ihrer Verantwortung für Menschenrechte entsprechen.


     
        
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