66 seconds for the future - forum zeigt Zukunftsgestalter:innen und Nachhaltigkeitspionier:innen

H&M: Existenzlöhne versprechen, Hungerlöhne zahlen

Clean Clothes Kampagne deckt Arbeitsrechtsverletzungen und Hungerlöhne in Produktionsstätten von H&M auf

Die heute von der Clean Clothes Kampagne veröffentlichte Studie enthüllt, dass ArbeiterInnen in „Vorzeige"-Zulieferfabriken des Modekonzerns H&M nach wie vor unter der Armutsgrenze leben – und das, obwohl H&M ihnen für 2018 existenzsichernde Löhne versprochen hatte.
 
Mehr zum Thema Missstände in der Textilindustrie lesen Sie in einem Gastbeitrag von Renate Künast im forum 02/03 2018.
In den meisten Produktionsländern von Bekleidung sind die Mindestlöhne so niedrig angesetzt, dass die Arbeiterinnen und Arbeiter in einem Leben in Armut gefangen bleiben und sie auch ihren Kindern keine bessere Zukunft bieten können. 2013 kündigte der schwedische Modekonzern an, dass 850.000 ArbeiterInnen in ihren Zulieferfabriken bis 2018 ein existenzsichernder Lohn bezahlt werde.
 
In der aktuellen Studie „H&M: Vom Versprechen existenzsichernder Löhne und der Realität der Armutslöhne" wurden 62 ArbeiterInnen aus sechs H&M-„Vorzeige"-Produktionsstätten (sogenannte „Gold"- und „Premium” -Zulieferbetriebe) in Bulgarien, Türkei, Indien und Kambodscha interviewt. Die ArbeiterInnen eines bulgarischen H&M-Produktionsbetriebes erhalten in ihrer regulären Arbeitszeit weniger als zehn Prozent eines existenzsichernden Lohns. ArbeiterInnen in Indien und der Türkei verdienen ein Drittel eines Lohns, der als existenzsichernd gilt; in Kambodscha ist es weniger als die Hälfte.
 
Ein Existenzlohn ist ein Menschenrecht und sollte ausreichen die Grundbedürfnisse von einer Arbeiterin und ihrer Familie zu decken. Neben einer angemessenen Ernährung zählen dazu Unterkunft, Transport, Kleidung, Bildung, medizinische Versorgung sowie ein geringes frei verfügbares Einkommen für unerwartete Notfälle. „In einer werbewirksamen Aktion hat 2013 H&M den Arbeiterinnen und Arbeitern, aber auch den Konsumentinnen und Konsumenten ein Versprechen gegeben. Mehr noch, vor ein paar Tagen veröffentlichte H&M einen selbst lobenden Bericht über erzielte Fortschritte, der wohl über das gegebene Versprechen hinwegtäuschen soll. Unsere Recherchen zeigen aber, dass die Realität für Arbeiterinnen anders aussicht", sagt Gertrude Klaffenböck von der Clean Clothes Kampagne, einer weltweiten Koalition für faire Arbeitsbedingungen in der Bekleidungsindustrie.
 
In drei der sechs untersuchten Fabriken überschreiten die Überstunden oft das gesetzlich zulässige Höchstmaß. Sonntagsarbeit ist in allen untersuchten Betrieben gängige Praxis. „Wir betreten die Fabrik um 8 Uhr früh, aber wir wissen nie, wann wir gehen dürfen. Manchmal wird es 4 Uhr morgens", berichtet eine bulgarische Näherin der Fabrik Koush Moda. Dort liegt der Lohn für die reguläre Arbeitszeit sowohl unter dem gesetzlichen Mindestlohn als auch unter der Armutsgrenze.
 
Aktiv für faire Arbeitsbekleidung in der Textilindustrie. © Clean Clothes Kampagne„Statt leerer Marketing-Versprechen fordern wir von H&M Existenzlöhne zu zahlen. Anders als in den jüngsten Statements des Markenunternehmens zeigen unsere Untersuchungen, dass die bisher bezahlten Löhne sehr sehr weit vom existenzsichernden Niveau entfernt sind. Wir appellieren an Konsumentinnen und Konsumenten, sich nicht täuschen zu lassen. Ein Zehntel des Lohnes den es zu einem angemessenen Lebensunterhalt brauchen würde, wie beispielsweise in Bulgarien, sind schlichtweg ein Skandal angesichts der realen Gewinne, die mit der Leistung der Arbeiterinnen verdient werden", sagt Klaffenböck.
 
„H&M ist aufgerufen, Wort zu halten. Der Gewinn des Unternehmens ist mehr als genug, um den Skandal mit den Hungerlöhnen in den Fabriken sofort zu beenden", sagt Klaffenböck. Über 100.000 KonsumentInnen haben sich bereits der Forderung nach einer existenzsichernden Bezahlung von ArbeiterInnen angeschlossen.
 
Hintergrundinformationen:
Die Clean Clothes Kampagne (CCK) setzt sich für faire Arbeitsbedingungen in der Bekleidungs- und Sportartikelproduktion ein. Die CCK ist Teil der Clean Clothes Campaign einem Netzwerk mit über 250 Partnerorganisationen weltweit und wird in Österreich von Südwind koordiniert und von zahlreichen gewerkschaftlichen, kirchlichen, frauen- und entwicklungspolitischen Organisationen getragen.

Kontakt: Clean Clothes Kampagne, Gertrude Klaffenböck
gertrude.klaffenboeck@suedwind.at | www.suedwind.at 


     
        
Cover des aktuellen Hefts

Zukunft braucht Frieden

forum 02/2026 ist erschienen

  • Geopolitische Spannungen, Aufrüstung und Unsicherheit prägen Märkte und Investitionsentscheidungen wie lange nicht. Die neue Ausgabe von forum future economy setzt bewusst einen Kontrapunkt: Sie gibt Stimmen Raum, die für Diplomatie, Deeskalation und zivile Lösungen eintreten – weil wirtschaftliche Stabilität ohne Frieden nicht denkbar ist.
Weiterlesen...
Kaufen...
Abonnieren...
05
MÄR
2026
HAUS® 2026
Die große Baumesse in Dresden
01067 Dresden
10
MÄR
2026
Rechtliche Aspekte der Kreislaufwirtschaft
Kreislaufwirtschaft zwischen Green Deal und Praxis
kostenfreies Webinar
11
MÄR
2026
Circular Valley Convention 2026
Gestalten Sie mit uns die Zukunft der Kreislaufwirtschaft - Ticketrabatt für forum-Leser*innen!
40474 Düsseldorf
Alle Veranstaltungen...
forum goes international! Download the international edition for forum free of charge.
Anzeige

Professionelle Klimabilanz, einfach selbst gemacht

Einfache Klimabilanzierung und glaubhafte Nachhaltigkeitskommunikation gemäß GHG-Protocol

Politik

Das Recht des Stärkeren
Christoph Quarchs philosophische Analyse zum US-Angriff auf Venezuela
B.A.U.M. Insights
Lassen Sie sich begeistern von einem Buch, das Hoffnung macht.

Jetzt auf forum:

Gute Politik bedient nicht Partikularinteressen

Zukunft braucht Frieden, Resilienz und Unabhängigkeit

Zukunft braucht Frieden

Starke Partnerschaft für den polnischen Offshore-Markt

Nachhaltigkeit als Wettbewerbsvorteil: Berufsbegleitende Zertifikate zu Dekarbonisierung und Lieferketten

Mercosur und europäische Verpackungsverordnung: Unterschätzte Falle PPWR

Sozial und ökologisch vor Ort – für lebenswerte Städte und Gemeinden in Bayern

Unternehmertum verpflichtet

  • DGNB - Deutsche Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen
  • Engagement Global gGmbH
  • Protect the Planet. Gesellschaft für ökologischen Aufbruch gGmbH
  • WWF Deutschland
  • SUSTAYNR GmbH
  • BAUM e.V. - Netzwerk für nachhaltiges Wirtschaften
  • Bundesverband Nachhaltige Wirtschaft e.V. (BNW)
  • World Future Council. Stimme zukünftiger Generationen
  • circulee GmbH
  • Dr. Ing. h.c. F. Porsche AG
  • toom Baumarkt GmbH
  • Global Nature Fund (GNF)
  • TÜV SÜD Akademie
  • Futouris - Tourismus. Gemeinsam. Zukunftsfähig
  • NOW Partners Foundation