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Nachhaltigkeit in der Lederverarbeitung

Warum Ersatzprodukte für Leder nicht automatisch die bessere Wahl sind

Die Nutzung von Leder durch den Menschen hat eine lange Tradition und reicht bis in die Steinzeit zurück. Zahlreiche Gegenstände wie Kleidung, Schuhe, Planen, Decken und Werkzeuge stellten unsere Vorfahren aus Tierhäuten her, die sie am Feuer mit tierischen Fetten und Rauch behandelten. Auch im 21. Jahrhundert hat sich an der Beliebtheit nichts geändert. Leder ist ein langlebiger Stoff, der für Hochwertigkeit steht, denn er ist reißfest, dehnfähig und bleibt bei regelmäßiger Pflege geschmeidig und zeigt äußerst wenige Abnutzungserscheinungen. Das Gerbungsverfahren, der elementarste Schritt bei der Verarbeitung, hat sich über die Jahre weiterentwickelt. Bereits die Ägypter gerbten auf pflanzlicher Basis. Mittlerweile findet der Prozess zu 80 Prozent mit chemischen Stoffen statt. 
 
Leder-Ersatzprodukte sind nicht zwingend die bessere Alternative
©istock.com/Luda311Doch wie sieht es mit der Nachhaltigkeit in der Lederverarbeitung aus? Während Herkunft und Herstellung bei Lebensmitteln wie Fleisch, Milch oder Kakao immer mehr in den Fokus der Konsumenten und Firmen rückt, ist das bei Leder noch nicht so stark der Fall. Bei manchen großen Massenproduktionen sind beide Faktoren so gar nicht nachvollziehbar. Ein Problem, denn die ökologische Bilanz von Leder ist oft nicht die beste. Hoch ist der Wasserverbrauch, dazu können potenziell umweltschädliche Chemikalien kommen, die bei der Herstellung benutzt werden. Sollte also lieber auf Kunstleder und andere Ersatzprodukte umgestiegen werden? So leicht ist es leider nicht. Die vegane Variante muss nicht die bessere Bilanz haben, da sie nicht zwangsläufig umweltfreundlicher produziert wird. Im Geo-Magazin erklärt Lars Wittenbrink, Chefredakteur des Blogs Grüne Mode: "Ein veganer Schuh garantiert natürlich die Achtung der Tierrechte. Aber wenn in diesem Schuh erdölbasiertes Kunstleder und vielleicht sogar giftige Chemikalien stecken, macht das ökologisch eher keinen Sinn." Ein hochwertiger Ökolederschuh sei dann natürlich die sinnvollere Alternative, zumal dieser auch langlebiger sei. 

Ein Auge auf die Qualität
Worauf muss also geachtet werden? Ein wichtiger Aspekt ist die Qualität. 80 Prozent der Lederprodukte werden heute mit Chemikalien wie den Chrom-III-Salzen gegerbt. Diese sind zwar umweltverträglicher und ungefährlicher als ihr Ruf, können bei schlechter Verarbeitung jedoch zu Chrom-VI-Salzen oxidieren. Diese wiederum sind giftig und können Allergien auslösen sowie zu anderen gesundheitlichen Schäden führen. Mangelhaftes Leder kommt nicht selten aus Ländern wie Indien, China oder Bangladesh, die einen Großteil der weltweiten Lederproduktion stellen. Ebenso wirkt sich hier negativ auf die Ökobilanz aus, dass nicht umweltgerecht und ressourcenschonend produziert wird. Auch sind die Arbeitsbedingungen und -standards in den allermeisten Fabriken katastrophal und die Arbeiter den giftigen Stoffen ausgesetzt.
 
 
Pflanzliche statt chemische Verarbeitung
Wer gänzlich auf chemische Zusätze verzichten möchte, hat die Möglichkeit, auf Vegetabilleder umzusteigen. Hierbei wird das Leder mittels eines pflanzlichen Gerbungsverfahren bearbeitet, wofür beispielsweise Rinde, Rhabarberwurzeln, Kastanien oder Olivenblätter genutzt werden. Die vegetabile Gerbung ist, sofern nicht zusätzlich chemische Stoffe eingesetzt werden, immer ungiftig, jedoch dauert der Verarbeitungsprozess länger als mit Chemikalien, auch ist der Wasserverbrauch meist höher. Wie bei den veganen Ersatzprodukten gilt es abzuwägen und auf die Gesamtbilanz zu achten. Hier ist auch der Konsument gefragt: Viele Unternehmen wie SoftArt Leder haben sich inzwischen der Nachhaltigkeit verschrieben, arbeiten mit Gerbereien zusammen, bei denen der Herstellungsprozess nachvollzogen werden kann, setzen auf vegetabiles Leder und/oder recyceln Lederprodukte. Das schützt die Umwelt, schont Ressourcen und sorgt für eine ausgeglichenere Öko-Bilanz.

Lifestyle | LOHAS & Ethischer Konsum, 22.08.2018
     
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