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Neue Studie: "Nahrung, Jobs und Nachhaltigkeit"

Wie die Landwirtschaft die Entwicklung Afrikas südlich der Sahara antreiben kann

Afrika südlich der Sahara muss sich entwickeln, um der Falle aus Armut und anhaltendem Bevölkerungswachstum zu entkommen. Die afrikanische Landwirtschaft kann zum Motor für diese Entwicklung werden – auch wenn sie zurzeit die eigene Bevölkerung nicht zu ernähren vermag. Dafür müssen die Bauern moderne Verfahren einsetzen, um bessere Erträge zu erzielen, und sie dürfen nicht die Fehler wiederholen, die sich bei Intensivierung der Agrarproduktion anderswo eingeschlichen haben. Wenn es dann gelingt, in der Weiterverarbeitung landwirtschaftlicher Erzeugnisse Jobs auf dem Land zu schaffen und Märkte zu erschließen, ist ein wichtiger Entwicklungsschritt getan.
 
Neue Studie zeigt: Afrika südlich der Sahara muss sich entwickeln, um der Falle aus Armut und anhaltendem Bevölkerungswachstum zu entkommen. © Berlin-Institut für Bevölkerung und EntwicklungDie Landwirtschaft Afrikas südlich der Sahara kann zwar zurzeit die eigene Bevölkerung nicht ernähren. Sie hat aber das Potenzial, zum Entwicklungsmotor für den Kontinent zu werden. Das klingt nach einer steilen These, ist Afrika südlich der Sahara doch die Weltregion mit dem niedrigsten Entwicklungsstand und dem höchsten Bevölkerungswachstum. Theoretisch wären jedoch die Voraussetzungen gegeben: Genügend geeignete Flächen für Ackerbau und Viehzucht, günstige klimatische Bedingungen und viele Arbeitskräfte. Hinzu kommt die Einsicht bei den Regierungen der 49 Länder zwischen der Sahelzone und dem Kap der Guten Hoffnung wie auch bei den Geldgebern, dass der dringend notwendige Entwicklungssprung beim Agrarsektor ansetzen muss, dem lange wenig Aufmerksamkeit galt.
 
Allerdings gibt es dabei große praktische Herausforderungen zu meistern: Die überwiegend kleinbäuerlichen Familienbetriebe wirtschaften wenig effizient, vor allem, weil es ihnen an Zugang zu Know-how und Kapital sowie an gesicherten Landrechten mangelt. Klimawandel und Konflikte verschlechtern die Sicherung der Ernährung noch. Zudem fehlt es an Möglichkeiten, Feldfrüchte und Nutztiere vor Ort gewinnbringend zu handelstauglichen Lebensmitteln weiterzuverarbeiten und damit Jobs auf dem Land zu schaffen.
 
Subsahara-Afrikas Bauern müssen produktiver werden, und das möglichst bald. Dabei müssen sie tunlichst jene Fehler vermeiden, welche die Intensivierung der Agrarproduktion in Europa und anderswo mit sich gebracht hat, von der Überdüngung bis zur Beeinträchtigung der Artenvielfalt. Der Einsatz moderner Verfahren unter Verzicht auf veraltete Zwischenschritte wird auch als „Leapfrogging" bezeichnet. Das klassische Beispiel für einen solchen „Bocksprung" ist die Mobiltelefonie: Afrika konnte auf den aufwändigen Aufbau einer Festnetz-Infrastruktur verzichten und hat gleich auf moderne Kommunikationsmittel gesetzt. Handys sind mittlerweile so verbreitet, dass sie wiederum zum Leapfrogging in der afrikanischen Landwirtschaft beitragen: Erfahrungen, Wissen über neue, intelligente Bewirtschaftungsmethoden und datenbasierte Informationen erreichen auf diesem Wege auch Kleinbauern in entlegenen Regionen des Kontinents.
 
„Afrikas Agrarwirtschaft muss es erst einmal schaffen, die Bevölkerungen aus eigener Kraft zu versorgen", erklärt Reiner Klingholz, Direktor des Berlin-Instituts für Bevölkerung und Entwicklung: „Doch wenn es gelingt, die Landwirtschaft nachhaltig zu intensivieren und Wertschöpfungsketten vor Ort aufzubauen, könnte Subsahara-Afrika nicht nur in der Landwirtschaft, sondern in allen wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Bereichen seinen erheblichen Entwicklungsrückstand aufholen."
 
Wie die Studie zeigt, hat am Anfang der Entwicklung in den Industrie- und Schwellenländern stets die Steigerung der landwirtschaftlichen Erträge gestanden. Durch effizientere Bewirtschaftungsmethoden und Maschinen waren mit der Zeit immer weniger Arbeitskräfte nötig, um wachsende Bevölkerungen zu ernähren, während die entstehenden Wirtschaftszweige rund um die Nahrungsmittelproduktion und die Industrie zunehmend Beschäftigung boten. Mit fortschreitender gesamtökonomischer Entwicklung gingen durchweg auch die Kinderzahlen zurück. Auf diesen Pfad muss Subsahara-Afrika möglichst schnell gelangen, damit das Bevölkerungswachstum nicht alle Fortschritte wieder zunichtemacht.
 
Die Studie beschreibt nicht nur Ideen und Ansätze, wie das gehen könnte. Sie führt auch Beispiele für gute Praxis und vielversprechende Projekte auf. In Senegal zum Beispiel baut ein Veterinärmediziner eine Wertschöpfungskette für einheimische Milch auf. In der Elfenbeinküste veredelt eine Frauen-Kooperative Roh-Kakao zu feinster Schokolade. In Nigeria entwickelt ein Unternehmen High-Tech-Hilfsmittel, die sich auch weniger kapitalstarke Bauern leisten können. In Sambia setzt ein Projekt auf Fischzucht und Soja-Anbau, um die Landwirtschaft zu diversifizieren und attraktiver für junge Menschen zu machen. In Malawi lernen Maisbauern die Vorteile des Rotationsfeldbaus wieder zu schätzen.
 
Die Studie wurde gefördert von der Bayer-Stiftung und dem Förderkreis des Berlin-Instituts. Die Studie können Sie als PDF kostenlos downloaden.
 
 
Das Berlin-Institut für Bevölkerung und Entwicklung ist ein unabhängiger Thinktank, der sich mit Fragen regionaler und globaler demografischer Veränderungen beschäftigt. Das Institut wurde 2000 als gemeinnützige Stiftung gegründet und hat die Aufgabe, das Bewusstsein für den demografischen Wandel zu schärfen, nachhaltige Entwicklung zu fördern, neue Ideen in die Politik einzubringen und Konzepte zur Lösung demografischer und entwicklungspolitischer Probleme zu erarbeiten.
 
Das Berlin-Institut erstellt Studien, Diskussions- und Hintergrundpapiere und bereitet wissenschaftliche Informationen für den politischen Entscheidungsprozess auf. Weitere Informationen, wie auch die Möglichkeit, den kostenlosen regelmäßigen Online-Newsletter „Demos" zu abonnieren, finden Sie unter www.berlin-institut.org.
 
Kontakt: Dr. Reiner Klingholz | klingholz@berlin-institut.orgwww.berlininstitut.org

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